Samstag, 7. April 2018

REZENSION: "Die Grimm-Chroniken #1: Die Apfelprinzessin" (Maya Shepherd)

© Sternensand Verlag


Titel: Die Grimm-Chroniken 1: Die Apfelprinzessin
Autor: Maya Shepherd
Genre: Fantasy
Verlag: Sternensand Verlag
Erscheinungsjahr: 2018
Format: Taschenbuch (8,95 €)
Seiten: 146
ISBN: 978-3-906829-70-8


Will ist in einem Waisenhaus aufgewachsen, denn sein Vater gilt als psychisch krank und ist in der geschlossenen Abteilung der Charité untergebracht. Die wöchentlichen Besuche bei seinem Vater sind für Will zermürbend, denn Ludwig scheint in seiner eigenen Welt zu leben - bevölkert mit Märchenfiguren der Gebrüder Grimm. Doch nachdem Will und seine besten Freunde Joe und Maggy selbst Besuch von einem merkwürdigen, kleinen Männlein namens Rumpelstein erhalten haben, muss er sich fragen, ob die Geschichten seines Vaters vielleicht doch nicht so wirr sind, wie er immer dachte. Rumpelstein übergibt Will einen mysteriösen Brief und als er der enthaltenen Einladung gemeinsam mit seinen Freunden folgt, tut sich vor ihnen eine ebenso neue wie schaurige Welt auf...

Ich bin erklärter Fan dieses Covers - was ist es wundervoll, märchenhaft, mysteriös und einfach sensationell. Ich liebe das Farbspiel und die einzelnen Elemente, die perfekt miteinander harmonieren und sich zu einem beeindruckenden Ganzen zusammenfügen. Wirklich ein fantastisches Cover!

Märchenadaptionen sind aktuell stark im Kommen, man begegnet ihnen gefühlt an jeder Ecke. Noch stört mich das aber nicht, denn nachdem ich Christian Handels Rosen und Knochen gelesen und geliebt habe, bin ich ein klein wenig im Märchenfieber und war deswegen neugierig auf Maya Shepherds Grimm-Chroniken. Nicht nur aufgrund der Märchenthematik, sondern auch aufgrund des wirklich spannenden Konzepts. Die Grimm-Chroniken sind nämlich eine Buchserie, von der es monatlich einen neuen Teil gibt, wobei die Bände mit rund 150 Seiten relativ kompakt sind. Das Ganze hat mich ein bisschen an die Sherlock Holmes Geschichten und auch ganz einfach an eine klassische TV-Serie erinnert. Dieses Konzept auf den aktuellen Buchmarkt zu holen, finde ich wirklich eine großartige Idee und wie man an all den positiven Reaktionen sieht, hat Maya Shepherd damit auf jeden Fall einen Nerv getroffen.

Ich war also super neugierig auf die "Pilotfolge" der Grimm-Chroniken mit dem verheißungsvollen Titel Die Apfelprinzessin. Bei Äpfeln denkt man natürlich sofort an Schneewittchen, aber das ist nicht das einzige Märchen, das Maya Shepherd im ersten Band ihrer Reihe aufgreift oder eher anteasert. Es sind zum Beispiel auch Anspielungen auf "Rumpelstilzchen" und "Hänsel und Gretel" vorhanden, wobei mir Shepherds angedeutete Neuinterpretationen wirklich gut gefallen. Es wird düster, schaurig und unvorhersehbar. Das sind schon mal super Voraussetzungen für eine packende Serie.

Ich verwende ganz bewusst Worte wie "anteasern" und "andeuten", denn obwohl bereits in der ersten Folge viele Dinge angerissen werden, geht erst einmal noch nichts in die Tiefe. Wir erfahren insgesamt sehr wenig über die eingebaute Märchenwelt, über die Protagonisten, die Märchenfiguren und die Handlung an sich - man erhascht allerhöchstens einen ersten, kleinen Blick und bekommt eine ungefähre Ahnung davon, in welche Richtung sich das Ganze entwickeln könnte. Einerseits ist das für die "Pilotfolge", was Die Apfelprinzessin für mich definitiv ist, absolut legitim. Man will ja quasi erst einmal einführen, will die Geschichte vorbereiten und den Leser neugierig machen. Ich muss aber ganz ehrlich sagen, dass das bei mir nicht so ganz funktioniert hat.

Zum einen baut sich die Handlung sehr, sehr langsam auf und in Anbetracht des limitierten Umfangs war das für mich doch etwas enttäuschend. Da bewegt sich am Anfang gefühlt sehr wenig und als es endlich richtig losgeht, hat man das Buch auch schon wieder zugeklappt. Auch die Charaktere bleiben noch sehr blass und sind ziemlich oberflächlich beschrieben - ich habe mein Herz leider bisher weder an Will (der mir tatsächlich sogar recht unsympathisch ist) noch an seine besten Freunde Joe und Maggy gehängt. Die Handlung verliert sich gerade in den ersten zwei Dritteln zu sehr in Belanglosigkeiten, für die Einführung der Figuren und den Aufbau der märchenhaften Welt bleibt da leider nicht viel Platz. Wie gesagt - es ist die erste Folge und auf übermäßige Action war ich ganz sicher nicht eingestellt, aber ein wenig mehr hätte ich dennoch erwartet.

Auch die eingeschobenen Abschnitte, in denen es um die titelgebende Apfelprinzessin geht, haben bei mir leider nicht wirklich großes Interesse geweckt. Sie wirken irgendwie völlig aus dem Kontext gerissen und gehen so wenig mit den Geschehnissen in der Gegenwart zusammen, dass es mir nur sehr schwer fällt, in diese Geschichte einzutauchen. Ich bin mir absolut sicher, dass all das, was Maya Shepherd hier anteasert, in den folgenden Bänden auf sicherlich überraschende und spannende Art und Weise aufgeklärt und fortgeführt wird, aber irgendwie hatte ich mir einfach etwas ganz Anderes unter diesem ersten Band vorgestellt. Als Auftakt ist er mir zu langatmig, zu wenig spannend und polarisierend - wäre es eine Serie, ich würde vermutlich nicht weiterschauen.

Das heißt aber nicht, dass ich Die Apfelprinzessin von vorne bis hinten schlecht finde. Neben den wirklich gut gemachten und innovativen Märchen-Anspielungen und der prinzipiell interessanten Ausgangssituation konnte Maya Shepherd mich vor allem mit ihrem Schreibstil überzeugen. In Radioactive empfand ich ihn noch als etwas holprig und unausgereift, aber seitdem hat sich ganz offensichtlich eine Menge getan. Denn wenn es die Handlung nicht vermochte, mich zu packen, haben es Maya Shepherds Worte getan. Sie passen irgendwie perfekt zu dem Märchenthema und machen Die Apfelprinzessin trotz der angesprochenen Defizite (in meinen Augen!) zu einer recht kurzweiligen und unterhaltsamen Geschichte. Die Umsetzung hat mir wie gesagt nicht so gut gefallen, aber ich gebe Maya und ihren Grimm-Chroniken auf jeden Fall noch eine Chance und schaue mal, ob mich die Geschichte dann in Band 2 komplett abholen und packen kann.

Ein originelles Konzept, innovative Märchen-Interpretationen und ein wirklich angenehmer, sehr harmonischer Schreibstil - in meinen Augen spricht einiges für Die Apfelprinzessin, den Auftakt zu Maya Shepherds Buchserie Die Grimm-Chroniken. Es gibt aber wiederum auch einiges, was mir bei diesem ersten Band nicht so gut gefallen hat: Die anfangs doch recht zähe und sich träge entwickelnde Story ohne große Höhepunkte und die fehlende Tiefe der Charaktere. Da hätte definitiv mehr kommen müssen, auch im ersten Band, denn vollumfänglich hat der mein Interesse an der Geschichte nicht geweckt. Ich bin allerdings frohen Mutes, dass sich das im zweiten Band ändert und bin gespannt, ob ich dann endlich tiefer in die Märchenwelt eintauchen werde.



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