Montag, 22. Januar 2018

REZENSION: "Die Stadt der träumenden Bücher (Comic). Teil 1: Buchhaim" (Walter Moers, Florian Biege)

© Knaus

Titel: Die Stadt der träumenden Bücher. Teil 1: Buchhaim
Autor: Walter Moers, Florian Biege
Genre: Graphic Novel
Verlag: Knaus
Erscheinungsjahr: 2017
Format: Hardcover (25 €)
Seiten: 112
ISBN: 978-3-8135-0501-6

Nach dem Tod seines Dichtpaten verlässt der junge Lindwurm Hildegunst von Mythenmetz seine Heimat, die Lindwurmfeste, und bricht auf nach Buchhaim - die Bücher-Hauptstadt Zamoniens. Seine Mission: Den Autor eines mysteriösen Manuskripts zu finden, das so vollkommen und genial ist, dass Hildegunst sich nichts sehnlicher wünscht, als bei ihm die Lehre zu gehen. In Buchhaim angekommen, saugt er die einzigartige Luft dieses sagenumwobenen Ortes in sich auf, steckt seine Nase in dieses und jene Antiquariat und gerät bald in ein ebenso fantastisches wie gefährliches Abenteuer, tief in den Katakomben unter der Stadt der träumenden Bücher...

Allein schon das Cover macht wahnsinnig Lust auf Walter Moers' einzigartige Fantasy-Geschichte um Hildegunst von Mythenmetz und die Stadt der träumenden Bücher. Und es gibt einen winzigen Vorgeschmack auf die sagenhafte Gestaltung der Graphic Novel und die einfach sensationellen Zeichnungen. Dazu nachfolgend mehr!


Vor Jahren bin ich in einer Buchhandlung rein zufällig über Walter Moers' Roman Die Stadt der träumenden Bücher gestolpert und nahm ihn kurzerhand mit - der Rest ist Geschichte. Denn dieses Buch ist eines meiner All-Time-Favorits. Ich kann eigentlich gar nicht in Worte fassen, wie unglaublich gut die Geschichte um Hildegunst von Mythenmetz und seine abenteuerliche Reise nach Buchhaim ist. Sowohl sprachlich als auch inhaltlich und gestalterisch. Die Graphic Novel ist glaube ich der Versuch, diese einzigartige Geschichte noch einmal auf eine völlig neue Stufe zu heben und sie vielleicht auch Lesern zugänglich zu machen, die der Umfang des Romans womöglich abschreckt. Und was soll ich sagen - dieser Versuch ist meiner Meinung nach vollkommen geglückt.

Wer den Roman kennt, erinnert sich ja vielleicht an Walter Moers skurrile, unheimlich passende und überwiegend düstere Illustrationen. Anfangs dachte ich, ich würde mit der Graphic Novel vielleicht Probleme haben, weil die Zeichnungen eben weitaus farbenfroher, prächtiger und irgendwie leuchtender sind. Ich habe mich gefragt, ob das irgendwie im Widerspruch zur Geschichte stehen könnte. Aber dem ist absolut nicht so, denn ich brauchte nicht mal ein paar Seiten, um mich an die unglaublich fantasievollen und beinahe lebendigen Zeichnungen von Moers und Biege zu gewöhnen - vielmehr habe ich sie vom ersten Moment an geliebt. Für mich wurden sie ziemlich schnell eins mit der Geschichte. Ich kann jetzt natürlich nur für mich sprechen, aber ich finde es unfassbar faszinierend, wie genau die Bilder mit meiner Fantasie übereinstimmen. So viele Elemente der Geschichte habe ich mir beim ersten und zweiten Lesen des Romans genauso vorgestellt, wie sie in der Graphic Novel bildlich dargestellt werden. Das ist einfach unglaublich!

Irgendwo habe ich den Vergleich aufgeschnappt und ja: Die Graphic Novel Die Stadt der träumenden Bücher ist beinahe wie Kino. Text und Bild ergänzen sich auf eine so fabelhafte Weise so unfassbar gut, verschmelzen miteinander und bilden eine grandiose Einheit, dass man das Gefühl hat, selbst ganz tief in die Geschichte abzutauchen. Es ist einfach ein fabelhaftes, farbenprächtiges und unglaublich spannendes Vergnügen. Nicht zuletzt natürlich liegt das schlicht und ergreifend an der Genialität der Geschichte, die auch in gekürzter Form als Graphic Novel nichts von ihrem Charme verliert. Ich liebe Moers' Beschreibungen von Buchhaim, dieser faszinierenden Stadt der Bücher, in der das geschriebene Wort über alles geht. Ich liebe diese ganze, unglaublich komplexe und fantasievolle Welt, die er mit Zamonien und mit Buchhaim im Speziellen erschaffen hat.

Auch die Graphic Novel ist eine einzige Liebeserklärung an die Literatur und zeigt wie der Roman auf eindrucksvolle Weise, welche Macht Worte haben können. Moers bedient sich dabei dem aus seinen Geschichten altbekannten Stilmittel der Überspitzung, verwendet sprechende Namen und ein ganzes Universum an Neologismen, die Buchhaim so einzigartig und vor allem greifbar machen. Wie sehr ich diese Geschichte und Moers' Erzählweise liebe, ist mir dank der Graphic Novel noch einmal richtig klar geworden. Der einzige Wermutstropfen: Der Comic ist mir viel zu kurz. Die Entscheidung, den Roman in zwei Graphic-Novel-Bände aufzuteilen kann ich nicht so recht nachvollziehen, denn mit 112 Seiten inklusive Glossar (das übrigens auch fabelhaft ausgestaltet und ebenso unterhaltsam ist wie die Geschichte selbst) ist der erste Teil doch ziemlich überschaubar. Auch mit 250 oder vielleicht 300 Seiten insgesamt wäre die Graphic Novel noch durchaus gut lesbar und keineswegs zu lang gewesen. Aber das nur als kleine Bemerkung am Rande.

Die Stadt der träumenden Bücher ist als Graphic Novel ebenso mitreißend, faszinierend und atemberaubend wie als Roman - und dabei noch einmal um Welten bildgewaltiger. Text und Zeichnungen bilden auf sensationelle Weise eine Einheit und haben zumindest mich komplett in ihren Bann geschlagen. Auch und vor allem als Graphic Novel muss man die Geschichte einfach lieben. Ich jedenfalls liebe sie - grenzenlos.



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