Freitag, 3. November 2017

REZENSION: "Tiefe Saat" (Falko Löffler)

© Eyfalia Verlag


Titel: Tiefe Saat
Autor: Falko Löffler
Genre: Politthriller / Krimi
Verlag: Eyfalia
Erscheinungsjahr: 2017
Format: Taschenbuch (9,99 €)
Seiten: 397
ISBN: 978-3-939994-40-4



Peter Sander, Agent beim BKA, ist einer Berliner Terrorzelle auf der Spur, doch bei keiner der monatelangen Observationen kann sich ein konkreter Verdacht bestätigen. Das BKA tappt im Dunkeln - vor allem was die Strippenzieher im Hintergrund der vermutlichen Zelle angeht. Nach einem Anschlag, der sich keiner bestimmten terroristischen Vereinigung zuordnen lässt, erinnert sich Sander an einen einige Monate zurückliegenden Afghanistan-Einsatz, währenddessen es zu einem schwerwiegenden Zwischenfall kam, der den amtierenden Verteidigungsminister Gehrke nachhaltig beeinflusst zu haben scheint. Gibt es einen Zusammenhang zwischen Afghanistan und der Berliner Zelle? Während der Vorbereitungen auf eine geplante Sicherheitskonferenz in Berlin muss Sander schließlich feststellen, dass die Terrorzelle real ist und ihren nächsten Anschlag bereits geplant hat...

Das Cover ist mir ein bisschen zu grau (graue Buchcover wirken auf mich immer etwas sehr kühl und nicht unbedingt ansprechend), die bildliche Gestaltung gefällt mir aber ziemlich gut. Sie passt perfekt zu Schauplatz, Genre und Geschichte des Romans und ist auf jeden Fall hochwertiger als bei so manch anderem Kleinverlag. Kann sich durchaus sehen lassen!

Politthriller sind nicht unbedingt mein Genre, aber ihr wie ihr wisst, erweitere ich ja gerne meinen Horizont und wage mich auch schon mal in unbekannte literarische Gefilde vor. Tiefe Saat von Falko Löffler hat mir dabei aufs Neue bewiesen, dass sich das wirklich lohnen kann. Ich bin mit einem skeptischen, kritischen Blick an den Roman herangegangen und muss sagen, dass er alles in allem eine fantastische Alternative zu groß vermarkteten Büchern des Genres von hochgelobten Autoren und großen Verlagshäusern ist. Warum?

Zugegeben: Anfangs habe ich mich mit der Thematik und dem ausschweifenden Erzählstil des Autoren etwas schwer getan. Meiner Meinung nach fokussiert er sich teilweise zu sehr auf unwichtige Details und nimmt der Geschichte dabei etwas von ihrer Spannung. Der Politthriller startet langatmig - aber nicht langweilig. Denn zu meiner Überraschung hatte ich mich nach den anfänglichen Schwierigkeiten doch recht schnell in die Materie eingelesen: Mein Interesse an den Querverbindungen zwischen der von Sander observierten Terrorzelle in Berlin, seinen nervenaufreibenden Erlebnissen in Afghanistan und der anstehenden Sicherheitskonferenz hochrangiger internationaler Politiker war geweckt. Und das will schon etwas heißen, denn ich bin zwar begrenzt politisch interessiert - aber eben wirklich nur begrenzt. Sehr begrenzt.

Packend ist die Geschichte somit auch für all jene Leser, die vielleicht weniger an Politik an sich, dafür aber an gut gesponnenen Intrigen, Verwicklungen und Verschwörungen interessiert sind. Der rote Faden der Handlung nämlich ist der Grundsatz: Man darf niemandem trauen! Löffler fängt das Misstrauen, die Atmosphäre und dieses unbestimmte Gefühl, dass irgendetwas in der Luft liegt, sehr authentisch und überzeugend ein. Und so verliert sich der Leser ebenso wie Peter Sander schon bald in diesem undurchsichtigen Netz aus Lügen und Versteckspielen. Wer ist verdächtig? Wer sagt die Wahrheit? Wie hängt das alles zusammen? Spannende Fragen, die sich erst gegen Ende nach und nach aufdröseln und deren Antworten durchaus überraschen und verblüffen.

Von der Ausgangssituation (der Observation einiger potentiell Terror-verdächtiger Zielpersonen) über einen brutalen Anschlag in Berlin und die Geschehnisse in Afghanistan bis hin zu der geplanten Konferenz spitzen sich die Ereignisse immer weiter zu. Die Handlung, die anfangs etwas braucht, um in Fahrt zu kommen, wird kontinuierlich spannender und vor allem die politischen Verwicklungen ziehen den Leser mehr und mehr in ihren Bann. Mir gefällt dabei, dass Tiefe Saat vor allem ab der Mitte atemlos und packend konstruiert, dabei aber auch brandaktuell und authentisch ist. Falko Löffler übt implizite Kritik an der Politik und zeigt ihre Schwachstellen auf, ohne dabei jedoch allzu wertend zu sein. Eine Methode, die der Geschichte Brisanz verleiht.

Bei einigen Krimis und Spionage-Romanen hatte ich in der Vergangenheit das Problem, dass mir die Protagonisten zu unnahbar, ihr Handeln nicht nachvollziehbar genug war. Dieses Problem hat Löffler gut gelöst, denn er gibt seinem Hauptcharakter Peter Sander von Anfang an eine vielschichtige Identität, webt hier und da sein Privatleben in die Handlung ein und macht ihn so zu einem Menschen aus Fleisch und Blut - mit Fehlern, Schwächen und Prinzipien. So wird Sander eben nicht zu einer Art stilisiertem Held (oder Antiheld), sondern ein Stück weit zu einer Identifikationsfigur, an deren Seite man die Jagd nach den Köpfen hinter der Berliner Terror-Zelle aufnimmt. Hier hat der Roman noch einmal ein paar kleinere Defizite, denn an manchen Stellen agierte mir Sander etwas zu passiv und blieben die Ermittlungen hinter in die Länge gezogenen Nacherzählungen zurück, im Gesamtkontext aber ist Löffler ein wirklich spannender, aktueller und thematisch brisanter Thriller gelungen, der Themen aufgreift, die uns allen irgendwie im Kopf herumspuken. Und der dabei glänzend unterhält.

Auch wenn Tiefe Saat von Falko Löffler sich an einigen Stellen zieht und die Ermittlungsarbeit von Sander und co. noch ein bisschen mehr im Fokus hätte stehen können, ist es doch ein wirklich gut gemachter Krimi (oder auch Politthriller), der aufwühlt, mitreißt und unterhält. Für mich ein perfektes Beispiel dafür, dass man sich mehr an kleineren Verlagen orientieren sollte. Denn hinter den Thrillern großer Bestsellerautoren muss sich Tiefe Saat wirklich nicht verstecken!




Dieses Buch wurde mir als Rezensionsexemplar vom Eyfalia Verlag zur Verfügung gestellt.

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