Samstag, 28. Oktober 2017

REZENSION: "Das Lied von Eis und Feuer #2 - Das Erbe von Winterfell" (George R. R. Martin)

© blanvalet

Titel: Das Lied von Eis und Feuer - Das Erbe von Winterfell
Autor: George R. R. Martin
Genre: Fantasy
Verlag: blanvalet
Erscheinungsjahr: 2011 (Original 1997)
Format: Klappenbroschur (16,00 €)
Seiten: 544
ISBN: 978-3-442-26781-1



Eddard Stark hat Winterfell verlassen, um seinem König und alten Freund Robert Baratheon als Hand des Königs zur Seite zu stehen. Doch mit seiner ehrlichen, geradlinigen und gerechten Art macht sich Eddard nicht unbedingt nur Freunde bei Hofe, wo die Reichen und Mächtigen seit jeher ihre Ränke spielen. Und so werden auch er und seine Töchter Sansa und Arya zu Spielbällen in ihren Intrigen und Verschwörungen, während Daenerys Targaryen an der Seite ihres Khal der Geburt ihres Kindes entgegenfiebert und Jon Schnee und seine Brüder an der Mauer sich ganz anderen Feinden entgegenstellen müssen...

Cover von Fantasy-Romanen wirken auf mich allzu schnell überladen, abschreckend, zu farbintensiv und manchmal sogar ein wenig "billig". Die Cover der Das Lied von Eis und Feuer Reihe finde ich deswegen so grandios. Sie sind minimalistisch, aber hochwertig gestaltet und treffen damit genau meinen Geschmack. Ich mag den angegilbt wirkenden Beigeton und das einzelne Wappen in der Mitte, das bei Band 2 den Löwen der Lennisters zeigt.

Den ersten Band von Das Lied und Eis und Feuer, Die Herren von Winterfell, habe ich gelesen, bevor ich die dazugehörige Erfolgsserie kannte. Mein Plan war eigentlich, zunächst alle Bücher zu lesen und mich dann "Game of Thrones" zu widmen. Mein riesengroßer SuB und mein drängelnder Freund haben mir allerdings einen Strich durch die Rechnung gemacht und so haben wir die Serie im September durchgesuchtet. Ich denke, das war letztendlich auch gut so, denn jetzt hatte mich die Lust auf die Bücher so richtig gepackt. Ich wollte diese grandiose Geschichte zum einen noch einmal von Anfang an durchleben und zum anderen tiefer eintauchen in die faszinierende Welt Westeros. Außerdem hatte ich mich im Vorfeld extra umgehört und von verschiedenen Seiten gehört, dass erst Serie und dann Bücher durchaus Sinn macht.

Und das kann ich nach der Lektüre von Band 2 beziehungsweise Band 1.2 (Das Erbe von Winterfell) auf jeden Fall bestätigen. Ich hatte jetzt den absoluten Überblick über alle Charaktere, konnte jeden perfekt zuordnen und brauchte auch die (ziemlich komplexe) Figurenübersicht im Anhang nicht mehr. Anders als bei Band 1 konnte ich mich so von Anfang an mehr auf die Geschichte konzentrieren und die nimmt in Das Erbe von Winterfell auch mächtig Fahrt auf. Für mich persönlich hat sich der Fokus weg von Daenerys und Viserys und hin zu den Lennisters und Starks verschoben, deren Konflikte (stark verniedlicht!) im Mittelpunkt von Das Erbe von Winterfell stehen. Band 2 ist damit noch brandheißer, bedrohlicher und auch ein Stück weit actionreicher, hat mich aber wieder vor allem mit den atemberaubend gut gesponnenen Verwicklungen und der komplexen Figurenkonstellation gepackt.

Nach wie vor finde ich die vielen Blickwinkel und Perspektiven sensationell, denn so erlebt man beispielsweise Eddards Kampf um Gerechtigkeit, Robbs Tatendrang, Lady Catelyns Sorge um ihre in alle Winde zerstreuten Kinder, Jons Ringen mit sich selbst und Tyrions Gerissenheit aus nächster Nähe. Ich liebe diese Komplexität und all die feinen Zusammenhänge und Andeutungen, die sich Stück für Stück offenbaren und die Spannung immens erhöhen. Obwohl ich von der Handlung kaum überrascht wurde, weil die erste Staffel von "Game of Thrones" einfach noch unglaublich nah dran ist an der Buchvorlage, hat es mir großen Spaß gemacht, die Charaktere bei ihrem Spiel um den Thron zu begleiten, hinter die sorgsam aufgebauten Fassaden zu blicken und mich mitnehmen zu lassen auf diese nervenaufreibende Reise durch Westeros.

Ihr erinnert euch vielleicht: Mit Band 1 habe ich mich anfangs wirklich schwer getan (siehe meine *Rezension*), diese komplexe Ausgangssituation aber hat ein unheimlich überzeugendes Fundament für das geschaffen, was im weiteren Verlauf passiert und das macht die Geschichte so derart echt und packend. Das Erbe von Winterfell ist noch ausgewogener, was das Zusammenspiel aus Geheimnissen, Intrigen, Figuren, Kampfszenen und Gewalt angeht, und somit noch dynamischer und faszinierender. Mich hat diese Mischung wirklich überzeugt - vor allem auch, dass die größeren Fantasyelemente erst ganz langsam und gegen Ende hin eingewoben werden. Mich persönlich hat das quasi wunderbar auf Drachen, Hexerei und alles, was dazugehört, eingestimmt. Ich mag es immer noch, dass Martin mit Westeros zwar eine komplett eigene und außergewöhnliche Welt erschafft, den Fokus aber hauptsächlich auf die Figuren und das Zwischenmenschliche legt. Diese menschlichen Abgründe faszinieren mich ungemein und - zack, schon stören mich auch die Drachen und co. nicht mehr. :D

Lange Rede, kurzer Sinn: Mir hat Teil 1.2 von Das Lied von Eis und Feuer direkt um einiges besser gefallen als Band 1. Das liegt einfach daran, dass ich all die verschiedenen Charaktere mittlerweile kennen, lieben und hassen gelernt habe und dass ich komplett eingetaucht bin in die unglaubliche Welt von Westeros. Ich bin so gespannt, welche Überraschungen die nachfolgenden Bücher für mich bereit halten (denn ich weiß aus sicherer Quelle, dass sich die Serie bald schon in eine etwas andere Richtung bewegt) und werde die Bände in Zukunft öfter mal dazwischen schieben. Denn DAS ist einfach Unterhaltung allererster Güte und vor allem auf einen extrem hohen Niveau, an das kaum ein Autor heranreicht.

Ich bin angefixt! Ich liebe die Welt von "Game of Thrones", ich liebe Martins Schreibstil, ich liebe die unfassbare Komplexität der Geschichte, ich liebe die Charaktere, ich liebe das Geschick und die Detailgenauigkeit hinter der Handlung - kurzum, ich liebe alles und mich stört nichts. Nichts. Gar nichts. Ich bin unheimlich gespannt, ob das so bleibt. Ich hab da so einen Verdacht... ;)



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