Sonntag, 10. September 2017

REZENSION: "Vierundzwanzig Stunden" (Guillaume Musso)

Copyright Hörbuch Hamburg
Titel: Vierundzwanzig Stunden
Autor: Guillaume Musso
Genre: Roman
Sprecher: Richard Barenberg, Christiane Marx
Erscheinungsjahr: 2016
Format: Hörbuch (20,95 €), Klappenbroschur
Länge: 355 Minuten (384 Seiten), gekürzte Lesung
ISBN: 978-3-8449-1408-5

Arthur Costello ist in jeder Hinsicht ein außergewöhnlicher Mann. Als er von seinem Vater einen alten Leuchtturm erbt, gerät sein Leben aus den Fugen, denn im Keller verbirgt sich ein mysteriöser Raum mit einem schrecklichen Geheimnis. Trotz der ausdrücklichen Warnung seines Vaters öffnet Arthur die Tür zu diesem Raum und ein grauenhafter Fluch bricht über ihn herein... Von nun an kämpft Arthur gegen einen unerbittlichen Feind - die Zeit. An der Seite von Lisa, einer Schauspielstudentin, die abends in einer Bar arbeitet, macht er sich daran, seinen Großvater aus der Psychiatrie zu befreien, denn nur er kann ihm dabei helfen, gegen den Fluch anzukämpfen. Doch Lisa und Arthur verlieben sich ineinander und damit werden die Dinge noch komplizierter...
Prinzipiell finde ich das Cover interessant, denn es hat meine Neugierde auf die Geschichte geweckt und wirkt insgesamt sehr düster und geheimnisvoll. Allerdings hat es mit der Handlung so gar nichts zu tun und da frage ich mich doch, warum man sich ausgerechnet für dieses Bild entschieden hat.

Geschichte und Erzählstil:

Guillaume Musso... ist irgendwie eine Klasse für sich. Sein Buch Vierundzwanzig Stunden hat mir einmal mehr gezeigt, dass bei seinen Romanen nichts (aber auch gar nichts!) so ist, wie es auf den ersten Blick scheint. Musso führt wie kaum ein anderer Autor in die Irre, spielt mit dem Leser, überrascht ein ums andere Mal und lässt am Ende eine Bombe platzen. Am Klappentext darf man sich bei ihm auf keinen Fall orientieren, denn es kommt IMMER anders, als man es auch nur ansatzweise vermutet.

Bei dieser Rezension muss ich deshalb diesmal etwas vage bleiben, denn jedes Wort zur Handlung wäre bereits ein riesiger Spoiler. Wie gesagt: Bei Musso springt man ins kalte Wasser und lässt sich auf das Außergewöhnliche, Extreme ein, ohne vorher zu ahnen, worum es gehen könnte. So wurde auch ich wieder komplett überrascht, als die Handlung sich in eine Richtung bewegte, mit der ich so absolut nicht gerechnet hatte. Anhand des Klappentextes habe ich Vierundzwanzig Stunden für eine Art Thriller mit romantischen Zügen gehalten. Ich dachte: Vielleicht ist Arthur Costello ein Auftragskiller, der nach einem letzten Job aus dem Geschäft aussteigen will? Oder er muss sich wegen einer Affekt-Tat vor der Polizei verstecken? Oder... Alles falsch! Auf das, was Guillaume Musso einem präsentiert, kommt man nie im Leben. Versprochen!

Tatsächlich liest beziehungsweise hört sich Vierundzwanzig Stunden wie ein spannender Thriller, denn jedes Kapitel beginnt und endet mit Ungewissheit. Ungewissheit für den Protagonisten Arthur und für den Leser. Es ist eine rasante, irre Reise, an deren Ende die Erkenntnis steht, dass das Leben oftmals viel zu schnell an einem vorbeizieht und einem kaum Zeit lässt zum Innehalten und Genießen. Klingt rätselhaft - genau das ist es auch! Ich für meinen Teil habe etwas gebraucht, um mich mit der doch sehr abgefahrenen und unkonventionellen Handlung abzufinden und in der Mitte zieht sich diese sogar ein wenig in die Länge, bevor sie für das unfassbare Ende noch einmal Fahrt aufnimmt.

Und das ist es: Unfassbar! Erst dachte ich: Das kann er nicht machen, das ist ja unerhört! Aber eigentlich ist es ziemlich genial. Denn es gelingt Musso, mit dem Ende noch einmal alles über den Haufen zu werfen und die Handlung in einen völlig neuen Kontext zu stellen. Es ist genauso unvorhersehbar wie der gesamte Handlungsverlauf - genauso schräg, genauso faszinierend, genauso unglaublich. Die Liebesgeschichte nimmt tatsächlich nur einen kleinen Platz in der Handlung ein, umspannt am Ende aber alles - auch hier, chapeau! Auf jeden Fall muss man den Roman erst einmal sacken lassen, bevor man ihn für sich selbst einordnet und bewertet. Und so ganz ist mir das immer noch nicht gelungen.

Sprecher:

Richard Barenberg liest Vierundzwanzig Stunden und seine Interpretation hat mir im Großen und Ganzen sehr gut gefallen. Er hat eine warme, angenehme Vorlesestimme (auch wenn sie vielleicht einen Ticken zu tief ist für den jungen Arthur, den ich mir vorgestellt habe). Christiane Marx liest hingegen nur eine kurze Passage aus Lisas Sicht, die ich ebenfalls mochte, auch wenn es hier gerne etwas mehr hätte sein können. Alles in allem aber eine schöne Hörbuchproduktion.

Manchmal weiß ich nicht, ob ich Guillaume Musso lieben oder hassen soll. Was er mit dem Leser macht ... Himmelherrgott, meine Nerven! Genial sind seine Ideen, seine schier unvorhersehbaren Plot Twists und seine Fähigkeit, mit einem epischen Ende noch einmal alles Vorhergehende über den Haufen zu werfen, aber zweifelsohne. Die Elemente in Vierundzwanzig Stunden waren mir teilweise zwar einen Ticken zu abgefahren, die schriftstellerische Fertigkeit muss ich jedoch uneingeschränkt bewundern. Lasst euch einfach mal drauf ein!



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