Samstag, 23. September 2017

REZENSION: "Das Schicksal ist ein mieser Verräter" (John Green)

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Titel: Das Schicksal ist ein mieser Verräter
Autor: John Green
Genre: Jugendroman / Young Adult
Verlag: dtv
Erscheinungsjahr: 2012
Format: Taschenbuch (9,95 €)
Seiten: 336
ISBN: 978-3-423-62583-8


Hazel Grace Lancester ist 16 Jahre alt und sie weiß: Sie wird sterben. Denn Hazel hat Krebs und ist rundum die Uhr auf ein mobiles Sauerstoffgerät angewiesen. Und laut ihrer Mutter und ihrer Ärztin hat sie auch noch Depressionen und soll ihre Zeit in einer Selbsthilfegruppe für Krebspatienten zubringen. Darauf hat sie wenig Lust, doch dann passiert etwas Wunderbares: In der Selbsthilfegruppe lernt Hazel Augustus Waters kennen und was als unschuldige Freundschaft beginnt, entwickelt sich zu einer der ergreifendsten Liebesgeschichten der Literatur...

Das Cover gefiel mir schon immer ziemlich gut, weil es auf zurückhaltende Art und Weise schön und vor allem symbolträchtig ist. Genauso wie Hazels und Augustus' Liebesgeschichte. Außerdem passt es so wunderbar zum englischen Originaltitel The Fault in Our Stars.

Ich gebe es zu: Ich bin ein Spätzünder. Als das Buch vor ein paar Jahren so sehr gehypet wurde, hatte ich keine Lust, es zu lesen. Als der Film ins Kino kam, habe ich mich 0 dafür interessiert. Ich kann gar nicht genau sagen, woran das lag. Es hat mich einfach nicht in den Fingern gejuckt. Irgendwann kam ich aber doch nicht mehr am Film vorbei und dachte mir: Na gut, dann schau ich eben mal rein. Und ich liebe ihn. Ich liebe die Darsteller. Ich liebe jedes verdammte Wort. Jede einzelne Szene. Sogar das Ende. Und ich wusste: Das Buch musste ich auch noch lesen. Es muss einfach gut sein, es muss!

Die Rede ist von John Greens Weltbestseller Das Schicksal ist ein mieser Verräter. Das Buch mit dem grandiosen Titel und der unfassbar traurigen Liebesgeschichte, von der man von Anfang an weiß: Sie ist zum Scheitern verurteilt. Vermutlich erzähle ich hier den wenigsten von euch etwas Neues, denn wer (außer mir) kennt dieses Buch nicht? Aber ich will euch natürlich nicht vorenthalten, was Das Schicksal ist ein mieser Verräter während des Lesens mit mir gemacht hat.

Tatsächlich kann ich die Basics relativ kurz zusammenfassen: Greens Charaktere sind phänomenal. Man kann sie in ihrer absolut vollkommenen Unvollkommenheit einfach nur lieben. Man bewundert Hazel für ihre Stärke, man kauft ihr ihren Zynismus ab und man zieht den Hut vor ihrer Art und Weise, wie sie ihr Schicksal akzeptiert. Selbst, als Gus in ihr Leben tritt und ihr klar ist, dass diese Geschichte nicht gut ausgehen kann. Man will Gus' Freund sein, weil er echt und humorvoll und so unkompliziert ist. Gleichzeitig sind beide Charaktere aber eben nicht perfekt - auch sie hadern mit ihrem Schicksal, sind manchmal etwas zu hart zu sich selbst und zu den Menschen in ihrer Umgebung. Weil sie das Mitleid leid sind und weil sie einfach nur normale Jugendliche sein wollen. Hazel und Augustus sind so authentisch, dass es fast schon wehtut.

Und wisst ihr, was das Besondere an diesem Buch ist? Ich hatte tatsächlich kein Mitleid mit Hazel und Augustus. Aber das ist nichts Schlechtes. Denn vielmehr habe ich jeden Atemzug, den sie tun, genossen. Habe sie einfach so gerne beim Leben beobachtet und nicht mit einer Silber daran gedacht, dass es böse ausgehen könnte. Und das, obwohl ich das Ende ja bereits kannte. Ich finde es einfach großartig, dass Green keine rosarote Pony-Welt zeichnet. Dass er die Realität zeigt und doch auch diese vielen kleinen zauberhaften Momente, die Hazels und Augustus' Leben zu etwas Außergewöhnlichem machen. Und dass die ganze Geschichte so unsentimental und doch so bewegend erzählt ist. Das ist eine schmale Gratwanderung, die Green einfach sensationell meistert.

Überhaupt liebe ich John Greens Schreibstil. Er ist so ehrlich und unkompliziert, so perfekt abgestimmt auf seine Charaktere. Und ich finde es grandios, dass man bei dieser Geschichte von einem Extrem ins andere stürzt - ein Satz bringt einen laut zum Lachen, der nächste zum Weinen. Das Schicksal ist ein mieser Verräter ist eben wie das Leben. Es ist nicht das eine oder das andere. Es ist vieles auf einmal. Und auch hier entpuppt sich Green als wahrer Meister seines Fachs, denn er würzt den Roman mit genau der richtigen Dosis Humor. Nicht zu viel und nicht zu wenig. Es ist eine Art, sich mit diesem schweren Thema Krebs auseinandersetzen, die einfach nur unglaublich gut gemacht ist. Wirklich, ich ziehe meinen Hut vor John Green.

Aber... leider gibt es doch noch ein Aber. Der Film hat mich unglaublich mitgenommen und mich teilweise in tiefe Trauer gestürzt. Was hat mir das Herz geblutet! Ich wollte heulen, am laufenden Band. Das Buch hat das nicht ganz geschafft. Möglicherweise liegt es daran, dass ich die Geschichte schon kannte - andererseits heule ich beim Film jedes Mal wieder wie ein Schlosshund. Im Buch allerdings ging mir die Liebesgeschichte trotz der authentischen Charaktere nicht wirklich nahe. Natürlich - ich habe mitgefiebert und ich liebe Gus und Hazel. Aber die Chemie zwischen ihnen stimmt im Roman für mich nicht zu 100%. Ein kleines Bisschen wirkt die Liebesgeschichte auf mich wie aus dem Boden gestampft, obwohl ich die Botschaft auf jeden Fall verstehe und schätze. Gus und Hazel wissen, dass ihnen vielleicht nicht viel Zeit bleibt und es ist so zauberhaft, wie sie die verbliebene nutzen. Trotzdem hat mich der Film weitaus mehr getroffen als das Buch. Auch wenn ich es dennoch liebe und großartig finde.

"Während er las, verliebte ich mich in ihn, so wie man in den Schlaf gleitet: langsam zuerst und dann rettungslos." (S. 136)

"Ich liebe dich, und es gehört nicht zu meiner Geschäftspolitik, mir einfache Freuden wie das Aussprechen von Wahrheiten zu versagen. Ich liebe dich, und ich weiß, dass Liebe nichts als ein Ruf in die Wüste ist und dass das Vergessen unvermeidbar ist und dass wir alle Verdammte sind und dass ein Tag kommt, wenn all unsere Werke zu Staub zerfallen, eine Zeit, wenn sich niemand daran erinnert, dass es einst Kreaturen gab, die in selbst gebauten Maschinen geflogen sind und ich weiß, dass die Sonne die einzige Erde, die wir je haben, irgendwann verschlucken wird, und ich liebe dich." (S. 165)

"Manche Unendlichkeiten sind größer als andere Unendlichkeiten [...]" (S. 219)

"Man kann sich nicht aussuchen, ob man verletzt wird auf dieser Welt, [...] aber man kann ein bisschen mitbestimmen, von wem. Ich bin glücklich mit meiner Wahl." (S. 333)

Wie viele andere vor und viele andere nach mir, sage ich: John Greens Das Schicksal ist ein mieser Verräter ist ein ganz besonderes Buch. Mit so viel Tiefgang und so emotional, ohne auch nur einen Hauch von Kitsch und ohne Sentimentalität. Greens Worte beschwören Bilder von zwei Jugendlichen herauf, die sich rettungslos ineinander verlieben und denen doch so wenig Zeit bleibt. Und diese Bilder lassen einen nicht mehr los. Tatsächlich hat mich das Buch zwar weniger mitgenommen als der Film, aber dennoch: Dieses Buch ist ein moderner Klassiker und man muss es gelesen haben!



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