Sonntag, 6. Mai 2018

REZENSION: "Dunkle Nächte auf Montmartre" (P. B. Vauvillé)

© Hoffmann und Campe

Titel: Dunkle Nächte auf Montmartre
Autor: P. B. Vauvillé
Genre: Krimi
Verlag: Hoffmann und Campe
Erscheinungsjahr: 2018
Format: Klappenbroschur (16 €)
Seiten: 288
ISBN: 978-3-455-00080-1


Paris im August: Eine extreme Hitzewelle hält die Stadt in Atem und während die Einheimischen an die Küste fliehen, bevölkern Touristen die Straßen des Montmartre. Hier unterhält der legendäre Moulin sein Travestie-Cabaret, doch als er plötzlich wortwörtlich eine Leiche im Keller hat, bleiben die Türen des Clubs geschlossen. Im Keller des Cabarets findet Moulin am Morgen nach einer besonders wilden Feier eine junge Frau mit gebrochenem Genick - auf den ersten Blick scheint es sich um Daphné zu handeln, die einzige weibliche Künstlerin im Cabaret. Doch bald stellt sich heraus: Die junge Frau hatte sich nur als Daphné verkleidet. Die Polizei steht vor einem Rätsel und Moulin zunächst unter dringendem Tatverdacht. Um seinem Freund zu helfen, stellt der Musiker Quentin eigene Ermittlungen an und stößt dabei auf ein dichtes Netz aus Lügen und Intrigen - es scheint, als hätte in Montmartre und vor allem in Moulins Cabaret jeder etwas zu verbergen...

Das Cover gefällt mir an für sich wirklich gut, weil es die Atmosphäre des Montmartre vermutlich perfekt einfängt. Trotzdem mag ich irgendwie das Zusammenspiel der Farben und die fette, weiße Schrift nicht - das passt meiner Meinung nach nicht so ganz.

Mit Dunkle Nächte auf Montmartre hat das Autorenduo P. B. Vauvillé den perfekten Krimi für faule Sommertage geschrieben. Die Geschichte hat auf jeden Fall alles, was gute Krimi-Unterhaltung braucht: Einen mysteriösen Mordfall, ein atmosphärisches Setting, einen ansehnlichen Kreis an Verdächtigen mit mehr oder weniger düsteren Geheimnissen, einen charismatischen Ermittler und gute, alte Detektivarbeit. Ohne ausschweifendes Vorgeplänkel kommt die Handlung mit dem Leichenfund im Keller des Cabaret-Betreibers Moulin recht schnell in Schwung und damit tritt auch der originelle und ziemlich unkonventionelle Ermittler auf den Plan. Denn der Sache auf den Grund geht nicht etwa ein Polizist oder ein Privat-Detektiv, sondern der junge Musiker Quentin. Ungewöhnlich und neu, wenn vielleicht auch ein bisschen problematisch.

Quentin hat als Ermittler natürlich einen entscheidenden Vorteil: Er kennt das Pariser Viertel Montmartre wie kaum ein anderer und wenn er etwas nicht weiß, weiß er zumindest ganz genau, bei wem er Erkundigungen einholen kann. Ein spannendes Konzept, das durchaus Spaß macht, aber im Verlauf der Handlung vielleicht hin und wieder an die Grenzen des Plausiblen stößt. Quentin besitzt nicht unbedingt jene scharfe Beobachtungsgabe, die einen begnadeten Detektiv wie Sherlock Holmes auszeichnet, auch wenn er hier und da seine Momente hat. Quentin ist außerdem eigentlich nicht befugt, den polizeilichen Ermittlungen in die Quere zu kommen und den Mord auf eigene Faust zu untersuchen. Trotzdem tut er es und stößt dabei von Seiten der Behörden auf weniger Widerstand, als man eigentlich vermuten müsste. Was ich damit sagen will: Dass der Musiker Quentin, der sich bisher noch nie als Detektiv verdingt hat, einen Mordfall auf eigene Faust löst und am Ende den Täter stellt, erscheint mir einfach ein bisschen weit hergeholt.

Nichtsdestotrotz ist Quentin eine sehr interessante Figur und definitiv eine erfrischende Abwechslung zum althergebrachten Detektiv, wie man ihn kennt. Seine Ermittlungsmethoden beschränken sich zum Großteil auf das Befragen von Zeugen und das Zusammentragen von Informationen, beim Deuten der Spuren benötigt er hin und wieder Hilfe von seiner Mutter, die überraschend auf Besuch kommt. Dunkle Nächte auf Montmartre ist (bis auf die ungewöhnliche Ermittler-Figur) ein sehr klassischer Krimi, dessen Handlung sich nach dem Knall am Anfang eher gemächlich entwickelt, dabei aber trotzdem kurzweilig, interessant und unterhaltsam bleibt.

Was mir wirklich gut gefällt, ist außerdem das Potpourri an verschiedenen Charakteren und Persönlichkeiten, der großen Pool an Verdächtigen, mit dem sich Quentin bei seinen Ermittlungen konfrontiert sieht. Es hat sich für mich so angefühlt, als hätten P. B. Vauvillé einmal die Dächer der eng stehenden Häuser im Montmartre abgehoben und dem Leser so einen Blick hinter die funkelnden Kulissen des Viertels ermöglicht. Das sehr atmosphärische Setting passt fantastisch zu den teils sehr charismatischen, teils extravaganten und verschrobenen und teils sehr zwielichtigen Bewohnern des Montmartre. Und natürlich sind es die Lügen, die Eifersüchteleien, die Intrigen und das Gerede hinter vorgehaltener Hand, die der Handlung die richtige Würze geben. Hin und wieder hätte das Ganze für mich zwar noch einen Ticken brisanter und aufsehenerregender sein können, das Buch liest sich aber trotzdem sehr gut runter und punktet einfach mit diesem gut ausgebauten Setting und der stimmungsvollen Atmosphäre. Einzig die Auflösung des Falls hat mir dann nicht so gut gefallen, denn sie erschien mir irgendwie doch recht unspektakulär und einige Fragen blieben (zumindest bei mir) offen.

Bei seinem Krimi Dunkle Nächte auf Montmartre setzt das Autorenduo P. B. Vauvillé auf ein fantastisches Setting, auf klassische Detektivarbeit, eine Vielzahl an sehr unterschiedlichen Charakteren und einen ziemlich unkonventionellen Ermittler. Und für mich funktioniert das Ganze wirklich gut, bis auf ein paar Kleinigkeiten, die einige Aspekte der Handlung hier und da etwas weit hergeholt wirken ließen. Wer aber klassische Kriminalromane mit spektakulärem Setting mag, wird mit Dunkle Nächte auf Montmartre in jedem Fall bestens unterhalten.




Dieses Buch wurde mir vom Verlag Hoffmann und Campe als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt - dafür noch einmal vielen Dank!

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