Mittwoch, 25. April 2018

REZENSION: "Der Augenjäger" (Sebastian Fitzek)

© Lübbe Audio
Titel: Der Augenjäger
Autor: Sebastian Fitzek
Genre: Thriller
Verlag: Lübbe Audio
Sprecher: Simon Jäger
Erscheinungsjahr: 2011
Format: Hörbuch (10,90 €), TB, eBook
Länge: 284 Minuten (432 Seiten)
ISBN: 978-3-7857-4561-8

Seit dem Fall des Augensammlers gilt Alina Gregoriev, die blinde Physiotherapeutin, die den Mörder an der Seite des Journalisten Alexander Zorbach gejagt hat, als Medium. Auch die Polizei will sich nun offiziell Alinas Fähigkeiten zunutze machen und bittet sie um Mithilfe bei der Überführung eines nicht minder grausamen Serientäters. Dr. Suker ist ein wahnsinniges Genie - eine Koryphäe auf dem Gebiet der Augenchirurgie und ein besessener Vergewaltiger, der systematisch Frauen entführt, sie missbraucht und ihnen die Augenlider entfernt. Fast alle von Sukers Opfern bringen sich nach seiner sogenannten "Behandlung" um. Alina soll nun mittels ihrer Fähigkeiten die entscheidenden Hinweise liefern, um Suker festzunageln, doch dabei gerät sie tief hinein in ein gefährliches Netz aus Gewalt und Grauen...

Ein cooles Cover, das düster und schockierend wirkt und auf schaurig schöne Unterhaltung hoffen lässt. Mir gefällt es sogar noch etwas besser als das Cover von Der Augensammler - ein verstörender Hingucker!

Letzte Woche habe ich euch Der Augensammler vorgestellt, das ich vor Jahren als ersten Fitzek überhaupt gelesen habe. Gestern haben wir dann die Hörbuchfassung von Der Augenjäger beendet, was auf den ersten Blick nicht unbedingt wie die Fortsetzung des Augensammlers anmutet, es aber aus verschiedenen Gründen ist. Zum einen treffen wir bereits in einer der ersten Szenen auf einen alten Bekannten und haben wieder Alina Gregoriev als weibliche Hauptfigur, zum anderen geht es wieder auf unheimlich grausame und verstörende Weise um Augen und natürlich führt einiges nach und nach zurück auf den Augensammler. Aber der Reihe nach:

In Der Augenjäger geht es erst einmal um einen neuen Serientäter, nämlich um Dr. Suker, der Frauen entführt, vergewaltigt und auf grausige Weise foltert - bis sie sich schließlich das Leben nehmen. Das klingt schaurig und das ist es auch - allerdings flachte die Spannung für mich nach der großartigen Anfangs-Sequenz erst einmal ab. Ich hatte auch Der Augenjäger vor Jahren schon einmal gelesen, konnte mich aber nur noch richtig, richtig dunkel an das ein oder andere Handlungselement erinnern. Beim Hören hat sich bei mir schnell ein Gefühl der Ernüchterung eingestellt, denn so grausam-genial Dr. Suker auch ist - warum mir als Leser jetzt plötzlich ein zweiter, auf Augen spezialisierter Sadist präsentiert wird, der in Berlin sein Unwesen treibt, ist mir noch immer nicht ganz klar. Natürlich, am Ende werden gewisse Zusammenhänge aufgeklärt, aber dennoch wirkt das Ganze auf mich zu konstruiert und erzwungen. 

Leider trifft das meiner Meinung nach auch auf den großen Plot Twist am Ende und die Auflösung an sich zu. Ich verrate natürlich nichts, aber wo mich Der Augensammler vor Neugierde und mit dem Drang, unbedingt weiterlesen zu müssen, fast umgebracht hat, entschlüpfte mir bei der Fortsetzung am Ende nur ein müdes "Aha, soso". So sehr sich auch hier wieder Sebastians Talent zeigt, die Handlung noch einmal völlig herumzureißen und alles vorhergehende über den Haufen zu werfen - für mich war das etwas zu viel des Guten. Auch dass die ein oder andere Figur Dinge überlebt, die sich in meinen Ohren ziemlich endgültig angehört haben, war doch etwas ernüchternd. Auch wenn das eigentliche Ende schließlich überraschend realistisch und fernab jedes Hollywood-Happily-ever-afters ist.

Also: Bei Der Augenjäger gibt es einiges, was mich einfach nicht so ganz überzeugt und was die rasante und so genial ausgeklügelte Story von Band 1 irgendwie ein bisschen kaputt gemacht hat. Für sich gesehen ist das Buch aber trotzdem ein ziemlich spannender und wieder herrlich blutiger Thriller, der zur kurzweiligen Unterhaltung für hartgesottene Thrillerfans absolut taugt. Es gibt schaurige Szenen und Gänsehaut-Momente, es gibt wieder zahlreiche Plot Twists und gelungene Überraschungen, aber die Luft ist nach Der Augensammler einfach ein bisschen raus. Auch hat es mich ein wenig gestört, dass es am Ende noch so manchen losen Faden gibt beziehungsweise dass einige Dinge mit einem einzigen Satz abgetan werden und ich mir nur dachte: Wie jetzt, mehr krieg ich nicht? Da ich aber die Print-Version wie gesagt nicht mehr im Kopf habe, kann das durchaus an der gekürzten Hörbuch-Fassung liegen. Die übrigens auch wieder dank Simon Jägers intensiver Interpretation zu fesseln und vor allem großartig zu unterhalten vermag. Ich kann und will am Ende also gar nicht alles schlecht reden - sein Soll hat Der Augenjäger auf jeden Fall erfüllt.

Nach der rasanten und so wunderbar ausgeklügelten Handlung von Der Augensammler hat mich Der Augenjäger irgendwie ein wenig ernüchtert zurückgelassen. Thrillerfans kommen zwar auch bei diesem Buch absolut auf ihre Kosten, denn an grausamen Details, Gänsehaut-Momenten und gut gemachten Plot Twist hat Fitzek auch hier nicht gespart, für mich war aber ein bisschen die Luft raus und die ganze Geschichte um Suker wirkte auf gewisse Weise aufgewärmt und vorgeschoben. Außerdem war mir am Ende die Aufklärung nicht plausibel genug, wenn auch überraschend und wie immer völlig aus der Kalten. Ich wurde also durchaus gut unterhalten, mein Lieblings-Fitzek ist dieses Buch aber nicht.



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