Mittwoch, 12. Juli 2017

REZENSION: "Erste Liebe, zweite Chance" (Meg Cabot)

© Mira Taschenbuch


Titel: Erste Liebe, zweite Chance
Autor: Meg Cabot
Genre: Roman / Liebesroman
Verlag: Mira Taschenbuch
Erscheinungsjahr: 2017
Format: Taschenbuch (9,99 €), E-Book
Seiten: 472
ISBN: 978-3-95649-713-1

In der kleinen Stadt Bloomville geschieht selten etwas Spektakuläres. Umso aufsehenerregender ist die Nachricht, dass der ehemalige Richter Richard Stewart und seine Frau Constance in ihrem Lieblingsrestaurant mit einer wertlosen Briefmarke zahlen wollten. ALamiert von diesem merkwürdigen Verhalten kehrt ihr Sohn Reed, inzwischen ein berühmter Golfprofi, nach zehn Jahren endlich wieder in seine Heimat zurück, um die Angelegenheit zu klären. Reed könnte sich weitaus angenehmere Dinge vorstellen, denn seine Eltern sind nicht der einzige Grund, warum er Bloomville in den letzten Jahren keinen Besuch abgestattet hat. Vor allem wollte er seiner Jugendliebe Becky aus dem Weg gehen. Da ausgerechnet Beckys Umzugsfirma die Umsiedlung seiner Eltern in einen Alterswohnsitz organisieren soll, ist das nun schier unmöglich. Und mit jeder Minute, die er mit ihr verbringt, fragt er sich, warum er überhaupt auf ihre Gesellschaft verzichten sollte... 

Was mir an dem Cover besonders gut gefällt, ist die kreative Kopplung von Text- und Bildelementen. Der Titel schwebt nicht einfach frei herum, sondern ist in das Motiv eingebunden. Außerdem besteht eine offensichtliche Verbindung zwischen dne Umzugskartons und Beckys Umzugsfirma. Das zeigt mir, dass sich der/die zuständige Gestalter/in etwas beim Entwurf gedacht hat, was mir immer positiv auffällt.

Von Meg Cabot kannte ich bisher nur Jugendromane, welche ich überwiegend positiv in Erinnerung behalten habe. Deshalb war ich umso neugieriger darauf, wie sich ihre Romane für ein erwachseneres Publikum lesen lassen. Dieses Buch allerdings in die Finger zu bekommen, war eine kleine Odyssee, deren Details ich an dieser Stelle auslasse. Meine Freude darüber, es endlich in den Händen halten zu können, war entsprechend groß und floss sicherlich auch unbewusst zu Beginn in mein Leseerlebnis mit ein. Die erste positive Überraschung war der Stammbaum der Familie Stewart vor dem eigentlichen Beginn der Geschichte. Wenngleich die Zahl der relevanten Personen nicht sonderlich groß war und das Beziehungsgeflecht keineswegs die Komplexität eines Jane-Austen-Romans erreicht hat, war es doch hilfreich für den Einstieg, da man dadurch bereits einen Überblick über die Charaktere bekommen hat. Weiterhin gefiel mir der Aufbau der Geschichte bzw. deren Erzählform. Die Ereignisse werden über Mails, SMS/WhatsApp-Nachrichten, Zeitungsartikel, Produktrezensionen (welche mir als einzige völlig unpassend erschienen, denn was dadrin stand schreibt man einfach nicht in eine Produktbewertung) und Interviewtranskripte vermittelt. Die Vorteile daran waren erstens, dass man rasend schnell im Roman vorankam, zweitens, dass das Geschehen dadurch sehr dynamisch war, und drittens, dass multiple Perspektiven zur Verfügung standen. Für mich persönlich hatte das aber auch den Nachteil, dass mir das Geschehen gelegentlich zu episodenhaft anmutete und eine gewissen Distanz zu den Charakteren bestand, da einem dadurch Details wie etwa Gestik und Mimik größtenteils verwehrt blieben. Die wesentlichen Persönlichkeitsmerkmale sind jedoch sehr gut dargestellt worden, weshalb ich ein recht klares Bild von allen Charakteren bekommen und mich aufgrund der meist recht spritzig geschriebenen Unterhaltungen gut unterhalten gefühlt habe.
Möglicherweise liegt in der Darstellungsform auch die Ursache begründet, warum mich die Liebesgeschichte zwischen Reed und Becky nicht recht berührt hat. Das heißt keineswegs, dass es nicht niedlich gewesen wäre, wie die zwei wie unsichere Teenager umeinander herumgeschlichen sind, aber mir fehlte auch etwas Feuer bzw. waren mir die Schilderungen ihrer gemeinsamen Momente nicht ausreichend emotional aufgeladen. Wie gesagt, glaube ich, dass es daran lag, dass sie den "Filter" eines Mail-/Nachrichten-Austauschs durchlaufen haben. Denn welche SMS oder WhatsApp-Nachricht kann schon eins zu eins die Bandbreite von Gefühlen wiederspiegeln?
Zum Glück gab es abgesehen von der Liebesgeschichte aber noch ein weiteren Handlungsschwerpunkt: das merkwürdige Verhalten von Reeds Eltern, das ihn überhaupt erst zur Rückkehr in seine Heimatstadt bewegt hat. Die Frage, warum Reeds Eltern in dieser misslichen Lage landen konnten, hat mich deutlich mehr beschäftigt und angesprochen als die amourösen Verwicklungen. Bis zu einem gewissen Punkt war ich in Bezug auf die Ursache ihres Bankrotts ziemlich ahnungslos. Auch wenn ich unbewusst einen Verdacht gehegt hab, war ich von der Auflösung doch relativ erschüttert. Allerdings wurde mir dieser Aspekt zu kurz abgehandelt. Für meinen Geschmack hätte es durchaus noch etwas mehr böses Blut geben können.  


Die Erzählform ist Stärke und Schwäche des Romans zugleich: Er ist leicht und angenehm zu lesen und aufgrund der multiplen "Erzählstimmen" sehr abwechslungsreich. Dennoch stellte die Vermittlung über Mails und Handynachrichten eine Hürde dafür dar, mich emotional auf die Charaktere einzulassen. Die Liebesgeschichte konnte mein Herz leider nicht erweichen, allerdings hat das Rätsel um den Bankrott der Stewarts dieses Manko größtenteils wett machen können. 



Mein ganzbesonderer Dank geht an die zuständigen Mitarbeiter bei Mira Taschenbuch, die einige Mühen auf sich genommen haben, damit ich schließlich doch noch ein Exemplar erhalte! :-)

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