Sonntag, 4. Juni 2017

REZENSION: "Rache und Rosenblüte" (Renée Ahdieh)

Copyright One Verlag


Titel: Rache und Rosenblüte
Autor: Renée Ahdieh
Genre: Fantasy
Verlag: One Verlag
Erscheinungsjahr: 2017
Format:  Gebundene Ausgabe (17,99 €), E-Book
Seiten: 427
ISBN: 978-3-8466-0040-5
Der Wunsch nach Rache führte Shahrzad einst in den Palast des jungen Kalifen Chalid Ibn al-Rashid. Sie wollte ihm den Tod bringen, dafür, dass er ihrer besten Freundin das Leben nahm. Doch das Herz geht seinen eigenen Weg: Gegen ihren Willen hat sich Shahrzad in Chalid verliebt. Nun setzt sie alles daran, den Fluch, der auf ihm lastet, zu brechen und sein Leben zu retten - selbst wenn sie dafür womöglich ihre Liebe opfern muss.

Rache und Rosenblüte macht sich genauso hübsch im Bücherregal wie Zorn und Morgenröte. Die verschnörkelten Ornamente und der goldene Schimmer lassen das Buch gleichermaßen edel und verspielt wirken. Definitiv ein optisches Highlight!

Teil 1 der Dilogie war letztes Jahr eines meiner absoluten literarischen Highlights, weshalb ich die Veröffentlichung von Rache und Rosenblüte sehnlichst erwartet habe. Widererwarten gestaltete sich der Einstieg etwas schwieriger als gedacht und es dauerte ein wenig länger, bis ich in die richtige Stimmung versetzt war. Es war also dieses Mal nicht Liebe auf den ersten Blick. Nachdem ich wieder das vergangene Geschehen rekapituliert und die Namen einsortiert hatte, wurde es allerdings besser, wenn auch nicht in Gänze. Es gab einige Stellen, an denen ich Probleme hatte, mich auf die Handlung zu konzentrieren und es war auch nie so, dass ich (nach Lesepausen) ungeduldig dem Moment entgeggen gefiebert hätte, an dem ich weiterlesen konnte. Die Ereignisse waren keineswegs uninteressant oder irrelevant - neben der "Rettungsmission" stehen auch Shahrzads Magietraining sowie politisch motivierte Intrigen und Aufstände im Fokus - aber sie haben mich nicht gänzlich mitgerissen. Möglicherweise lag das daran, dass mir durch die räumliche Trennung von Shahrzad und Chalid einfach ihr Zusammenspiel gefehlt hat, das mich in Zorn und Morgenröte so begeistern konnte. Andererseits war es schön mitzuverfolgen, wie Shahrzad in ihrer eigentlichen Heimat im und mit dem Kreis ihrer Freunde und Familie agiert. Auch die Tatsache, dass ihre Schwester eine größere Rolle eingenommen hat, gefiel mir gut. Von allen Nebencharakteren mochte ich jedoch Artan, mit dem Shahrzad trainiert, trotz seiner Überheblichkeit und seiner direkten, fast unhöflichen Art am liebsten. Zwischen den beiden gab es einige feurige Wortgefechte und Reibereien, die vor allem daher rühren, dass sie sich (wie Artan selbst so treffend gesagt hat) in ihrem Wesen so ähnlich sind. Ihre sich allmählich entwickelnde Freundschaft konnte mich ein wenig über die fehlende Interaktion zwischen Chalid und Shahrzad hinwegtrösten. Mit einigen Figuren konnte ich jedoch nicht ganz warm werden, allen voran Shahrzads Vater, dessen Verhalten ich absolut nicht nachvollziehen konnte.
Ungefähr im letzten Drittel hat Renée Ahdieh dann so ziemlich alles aufgeholt, was mir am Anfang an Spannung und Dynamik gefehlt hat. Angesichts der vielzähligen Turns war ich so fassungslos, dass ich plötzlich kaum noch Luft zum Atmen hatte. Es gab mehrere Momente, in denen ich nur dachte: holy crap, das kann nicht wahr sein! Macht euch also auf vollkommen unvorhersehbare Enthüllungen gefasst, die euch emotional aufwühlen. Eine Stelle hat mich sogar so kalt erwischt, dass ich am liebsten das Buch erzürnt von mir geschmissen hätte. Gott sei Dank habe ich es nicht getan, denn nur wenige Augenblicke später konnte ich wieder erleichtert aufatmen. Diese geballte Ladung Action zum Schluss hat meinen Eindruck dann noch zum Positiven verändert.

"Er grinste, scharf und bissig. 'Keine Angst, ich habe kein Interesse an dir. Ich mag nette Mädchen, und du bist alles andere als nett. Du bist selbstsüchtig und gehässig.'  Bestürzt über diese Anschuldigungen begann Shahrzad zu protestieren. 'Ich bin nicht ...' 
'Versteh mich nicht falsch. Mir gefällt das. Es bedeutet, dass wir eines Tages Freunde sein können.'
'Warum in Gottes Namen sollte ich mit dir befreundet sein wollen?' Artan ließ sich mit einem seltsam zufriedenen Lächelnins Wasser zurückfallen. 'Weil ich genauso selbstsüchtig und gehässig bin wie du.'" (S. 150)

Ein mäßig packender Start hat meinem Lesevergnügen einen kleinen Dämpfer verpasst und ich war schon ein wenig enttäuscht, dass sich bei mir nicht dasselbe Feeling wie beim ersten Band einstellen wollte. Das letzte Drittel jedoch hat mich dann so in den Bann gezogen, dass ich weitgehend über diesen Aspekt hinwegsehen kann. Ahdieh hat mich in den letzten Kapiteln auf eine emotionale Achterbahnfahrt geschickt: von Entsetzen über Trauer bis hin zu Erleichterung war alles dabei.



Hier geht es zu meiner Rezension des ersten Bandes Rache und Rosenblüte:
http://svenjasbookchallenge.blogspot.com/2016/03/rezension-zorn-und-morgenrote-renee.html

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