Montag, 26. Juni 2017

REZENSION: "Once and for all" (Sarah Dessen)

© Penguin Books UK


Titel: Once and for all
Autor: Sarah Dessen
Genre: Jugendroman
Verlag: Penguin Books UK
Erscheinungsjahr: 2017
Format: Taschenbuch (8,49 €), E-Book
Seiten: 357
ISBN: 978-0-141-38669-0

Ein Traum in Weiß, innige Blicke, Gelöbnisse ewiger Liebe und Treue - das gehört für Louna zum alltäglichen Leben, seitdem sie neben der Schuleim Wedding-Planner-Geschäft ihrer Mutter aushilft. Ihren Glauben an ein Happy End hat sie jedoch längst verloren. Jeder Mensch hat nur eine Chance auf die wahre Liebe - davon ist sie überzeugt - und ihre Chance hat sie bereits vergeben. Den Jungs und der Liebe hat sie abgeschworen. Daran ändert auch Ambrose, der jüngere Bruder einer der Bräute, nichts - weder mit seinem guten Aussehen, noch mit seinem Charme. Doch Ambrose ist fest entschlossen, Louna wieder zum Ausgehen zu bewegen, selbst wenn er dafür seine eigene Datingphilosophie ändern muss.

Das äußerer Erscheinungsbild wirkt sehr zart und etwas blass, was ich nur zum Teil gut finde. Es passt war sehr gut zum Hochzeitsthema, ist aber auch nicht gerade auffällig.

Wann immer ich einen "Trip Down Memory Lane" brauche, ist ein Roman aus der Feder von Sarah Dessen genau die richtige Wahl. Mit ihr verbinde ich seit meine Pubertät fast ausschließlich positive Leseerlebnisse. Ihre Figuren und Geschichten gehen mir immer unter die Haut, wenngleich dieser Effekt nicht immer gleich stark ist. Daher fiebere ich natürlich jedem neuen Werk von ihr entgegen.
Es gibt genau zwei Dinge, weswegen Dessens Geschichten für mich etwas Besonderes sind: Zum einen versteht sie es wie kaum eine andere Autorin, Gedanken und Emotionen so klar und treffend zu formulieren. Es handelt sich dabei weniger um revolutionäre Erkenntnisse. Vielmehr sind es alltägliche, universal bekannte Empfindungen und Gedankengänge, die sie in Worte gepackt hat (deshalb bezeichne ich sie gerne als "Alltagsweisheiten") - in etwa vergleichbar mit Lieblingsliedern, die einem aus der Seele zu sprechen scheinen.
Zum anderen zeichnen sich ihre Romane dadurch aus, dass Dessen ihre eigene kleine Welt geschaffen hat. Der Handlungsort ist entweder das fiktive Colby oder das Städtchen Lakeview, die durch die wiederholten Erwähnungen eine eigene, komplexe Architektur bekommen haben. Das führt unweigerlich dazu, dass sich die Figuren aus eigentlich unterschiedlichen Werken gelegentlich über den Weg laufen und/oder einander kennen. Nicht nur bekommt man dadurch einen Eindruck von ihrem "Leben danach", sondern es ruft mir immer wieder ins Bewusstsein, dass jeder Mensch da draußen eine eigene Geschichte zu erzählen hat, in der er/sie selbst der Protagonist ist. Außerdem habe ich durch diese Cross-Overs hinterher immer das Bedürfnis, all ihre vorigen Publikationen erneut zu lesen.
So viel zum Dessen-Leseerlebnis allgemein. Meine Einschätzung von Once and for all knüpft an die oben genannten Punkte an: Es gibt  unglaublich viele Anspielungen auf ihre frühere Werke, bekannte Orte und natürlich gibt es einen Comeo-Auftritt früherer Protagonisten. Es ist möglich, dass auch mehr in der Handlung versteckt waren, aber um diese zu entdecken müsste ich nochmal die anderen Bücher lesen. Auch enthält die Erzählung die gewohnte (und von mir innig geliebte) Mischung aus handlungsrelevanten und -voranbringenden Ereignissen, süßen/unterhaltsamen Brückenszenen und Zusatzinformationen sowie eher nachdenklichen Monologen und humorvollen bis ernsten Dialogen. Auf diese Weise werden einzelne Passagen zu einem authentischen, kohärenten Gesamtbild verwoben, das nicht mit einer Vielzahl spektakulärer, spannungsleadener Szenen aufwartet, sondern eher einen leisen Ton anschlägt und durch Detailreichtum und umfassenden Charakterisierungen besticht. Selbst wenn ich mich nicht mit den Personen identifizieren kann, fühle ich mich ihnen doch meistens verbunden. Das war auch hier klar der Fall: Louna gehört - wie die meisten Dessen-Hauptfiguren - zum Typ "Harte Schale, weicher Kern". Sie wirkt wesentlich erwachsener und reifer als manche ihrer Altersgenossen, legt eine zynisch-sarkastische Haltung an den Tag, ist eher introvertiert und zeigt sich von romantischen Gesten eher unbeeindruckt. Im Wesentlichen hängt das damit zusammen, dass sie noch immer ein Ereignis aus ihrer (nicht allzu fernen) Vergangenheit zu verarbeiten hat. Wenngleich mir relativ schnell klar war, was sie so aus der Bahn geworfen hat, hatte ich erst Probleme damit, mit Louna mitzuempfinden. Es waren einige Rückblenden nötig, bis mir ihre Backgroundstory nahe ging - dafür war die Erfahrung dann umso intensiver. Hätte der Schwerpunkt des Romans auf diesem Teil ihres Lebens gelegen, hätte er mir wohl gegen Ende das Herz zerissen. Stattdessen geht es aber um Vergangenheitsbewältigung und Neuanfänge, was eine optimistischere Stimmung verbreitet. Einen wesentlichen Anteil trägt Ambrose dazu bei. Zuerst wollte ich ihn in die Schublade "umschwärmter, von sich selbst überzeugter Highschool-Star" stecken, weil das mehr oder weniger Lounas erster Eindruck von ihm war. Zum Teil ist das auch zutreffend. Aber er hat auch diese entwaffnende Offenheit und Ungezwungenheit, durch die man ihm nicht lange böse sein kann. Er ist einer der Menschen, die einem ein gutes Gefühl vermitteln und in deren Gegenwart man sich wohl fühlt. Meine letzten Sympathiepunkte hat er dann durch seine Überschwänglichkeit und seinen Enthusiasmus erhalten, die mich an ein kleines Kind erinnern (in der Beziehung hat er sehr viel Ähnlichkeit mit Dexter aus Zu cool für dich). Genau deswegen tut er Louna auch so gut: er lässt sie für ein paar Momente ihren Schmerz vergessen, bringt sie dazu, über ihren Schatten zu springen, auch mal loszulassen und wieder zu leben. Vielleicht hat das, was sich zwischen den beiden entwickelt, nicht die epischen Ausmaße anderer Liebesbeziehungen. Aber wenn man die beiden im realen Leben beobachten würde, dann würde man sofort wissen, dass sie etwas Magisches verbindet. Deshalb war es so herzerwärmend, ihre Geschichte mitzuverfolgen. Es gibt noch eine Reihe weiterer Gründe, warum ich den Roman mochte, etwa der Hochzeitstrubel oder das tolle Verhältnis von Louna zu ihrer Mutter und ihrem schwulen Quasi-Ersatzvater William. Ganz zufrieden war ich aber letztlich doch nicht, weil ich das Gefühl hatte, als würde es zu viele lose Enden geben (z.B. die Episode mit der "Telefon-Frau") bzw. gab es so viele Charaktere, zu denen ich gerne mehr erfahren hätte. Diese Unwissenheit frustriert mich immer ein wenig.

"When I first saw Ambrose Little, I had two distinct thoughts, cementing how I would feel about him from that point on. I didn't know this at the time, though. All I registered was this: First, he was incredibly good-looking. Second, just the sight of him - a mere glimpse, in profile, from a distance - annoyed me in a way I couldn't quite explain." (S. 27)

"You stop believing in wishes when the only one you want to make can never come true." (S. 236)


Sarah Dessens Erfolgskonzept begründet sich auf ihrem wundervollen Erzählstil, authentischen Figuren und dem kleinen Universum, das sie sich durch die zwei festen Handlungsorte und Comeo-Auftritte aus früheren Werken bekannter Charaktere geschaffen hat. Deswegen sind ihre Romane für mich mesistens ein positives Leseerlebnis. Once and for all war zwar nicht das bombastische Feuerwerk, auf das ich gehofft hatte, aber im Endeffekt hat die Summe der einzelnen Teile ein schönes, harmonisches Gesamtbild entstehen lassen. 



1 Kommentare:

Tanja V. hat gesagt…

Hallöchen! Ich bin gerade durch deinen Kommentar bei mir total neugierig auf deine Meinung zum Buch geworden und musste gleich mal vorbeischauen! Jetzt freue ich mich noch mehr aufs Lesen :D und da mir dein Blog echt super gefällt, bleibe ich gleich mal als Leserin da. Toll, dass du auch auf englisch liest!!! Liebe Grüße, Tanja

Kommentar veröffentlichen