Mittwoch, 7. Juni 2017

REZENSION: "Landliebe" (Jana Lukas)

Copyright Random House Audio
Titel: Landliebe
Autor: Jana Lukas
Genre: Liebesroman
Sprecher: Diana Amft
Erscheinungsjahr: 2017
Format: Hörbuch (14,99 €), Taschenbuch, eBook
Länge: 331 Minuten (320 Seiten), gekürzte Lesung
ISBN: 978-3-8371-3784-2

 
Nach einem Missgeschick auf Arbeit steckt Ellie in finanziellen Schwierigkeiten. Die Teilnahme an der TV-Show Landliebe ist für sie die Lösung aller Probleme, denn mit dem Honorar kann sie auf einen Schlag ihre Schulden begleichen. Alles, was sie dafür tun muss, ist für vier Wochen für die Zuschauer das aufgetakelte Großstadtdummchen im Dirndl mit dem Traum vom eigenen Nagelstudio zu mimen. Wie sie auf diese Weise den jungen Winzer Tom, der mithilfe der Show seine große Liebe finden möchte, becircen soll, ist ihr ein Rätsel. Der ist nämlich alles andere als angetan von der bayerischen Schönheit, was weder er noch Ellie vor den Kameras ganz verbergen können. Da helfen auch die inszenierten romantischen Momente nicht - oder doch?

 
Das Cover kann mich nicht ganz überzeugen. Ich mag zwar die Farbenvielfalt, aber ich finde, es wirkt ein wenig altbacken.

Zum Roman:
Nach dem Lesen des Klappentextes war ich zugegebenermaßen erst unschlüssig, ob ich dem Roman eine Chance geben wollte, aber letzlich meine Entscheidung dafür nicht bereut. Die Story versprach süße, kurzweilige Unterhaltung gespickt mit einigen hitzigen Momenten und unzähligen Missverständnissen. Ich habe daher keine bahnbrechend innovative Handlung erwartet - das ist im Liebesromangenre wohl auch recht schwer, da es hier mittlerweile fast alles schon einmal gegeben hat. Gerade deswegen haben mich einige Entwicklungen und Einfälle positiv überrascht, sodass ich mich letztlich sogar noch besser unterhalten fühlte, als ich angenommen hatte.
Zunächst einmal ist Ellie als Protagonistin klasse: klug, witzig, einfühlsam und bodenständig. Ironischerweise wird sie von den Produzenten der TV-Show zum dummen, naiven Blondchen stilisiert, das außer einem schönen Körper nichts vorzuweisen hat. Tom fällt darauf natürlich sofort herein - was mir dann den Moment versüßt hat, als er herausfindet, dass Ellie keine oberflächliche, zimperlich Großstadttussi mit dem IQ einer Erbse ist. Ich liebe einfach solche Szenen, in denen voreingenommene Personen eines besseren belehrt werden! Allerdings war die Erkenntnis, dass sein Co-Star nicht auf den Kopf gefallen ist und sich vor harter (körperlicher) Arbeit nicht scheut, eher ein schleichender Prozess als eine plötzliche Offenbarung. Allerdings frage ich mich, warum ihm der Gedanke, ihr Image wäre nur eine Farce, nicht eher gekommen ist. Schließ haben auch Tom - und vor allem sein Haus - ein gewöhnungsbedürftiges Make-Over erhalten, auch wenn ert hinsichtlich seiner Fernsehpräsenz etwas besser weggekommen ist als Ellie. In der Beziehung (und auch in Bezug auf andere Aspekte) erweist er sich als Sturkopf sondersgleichen, was ihn mir temporär leicht unsympathisch gemacht hat. Die Fehleinschätzungen waren aber notwendig, damit es zwischen den beiden ordentlich kracht und dramatisch wird, denn sonst wäre es ja langweilig geworden. Wobei das natürlich nicht das einizge zu beseitigende Hindernis gewesen ist. Wie so oft gibt es nämlich auch in Landliebe einen Antagonisten, der die Annäherung der Protagonisten torpediert und dem Happy End in mehr als einer Hinsicht im Weg steht.
Es gibt natürlich noch eine Reihe nicht unwesentlicher Nebencharaktere, die die Story vorantreiben und Abwechslung hineinbringen: angefangen bei der Film-Crew (z.B. der sehr leicht reizbare Weidenmann) über Freunde und Ortsansässige bis hin zu Toms Bruder Erik und seiner Frau Rina. Letztgenannte waren als Sidekicks einfach großartig. Sie haben Ellie mit offenen Armen empfangen und sie super unterstützt - und sind dafür ihrem Bruder bzw. Schwager quasi in den Rücken gefallen. Die zwei waren unglaublich süß zusammen, sodass ich mehr über ihre Beziehung erfahren wollte, und - wenn ich ganz ehrlich bin - mochte ich Erik vom Charakter her sogar mehr als Tom. Und Rina hat diese wunderbare resolute Art, gegen die Erik und Tom einfach machtlos sind. Ich liebe Powerfrauen einfach!
Darüber hinaus gefiel mir der Blick hinter die Kulissen von Landliebe und vergleichbaren Sendungen sehr gut. Wir alle wissen natürlich, dass im Show-Biz nichts (oder fast nichts) der Realität entspricht. Trotzdem ist es gut, wenn einem hin und wieder die Künstlichkeit der Fernsehwelt so offensichtlich ins Bewusstsein gerückt wird wie hier. Für mich war das wieder eine Bestätigung für meine Weigerung, mir Casting- und Datingshows anzusehen.
Das Konzept und die Figuren sowie die Dialoge und der locker-humorvolle Ton haben sich zu einem harmonischen Gesamtbild zusammengefügt und lassen auf mehr aus Jana Lukas' Feder hoffen.
 
Zur Sprecherin:
Zunächst einmal finde ich klasse, dass man für die Vertonung ein bekanntes Gesicht/eine bekannte Stimme gewonnen hat. Diana Amft kennt man ja aus diversen Filmen und TV-Serien, in denen sie hauptsächlich das auf den ersten Blick tollpatschige Blondchen verkörpert. Allein deswegen ist sie die richtige Sprecherin für diesen Roman, denn genau mit diesen Vorurteilen sieht sich ja auch Ellie konfrontiert. Abgesehen vom passenden Image steuert Diana Amft aber auch eine angenehme Vorlesestimme bei. Ich für meinen Teil denke, dass sie ihren Job ziemlich gut gemacht hat, was angesichts ihrer Schauspielerfahrung kein Wunder ist. Sie liest klar und deutlich, ruhig (d.h. es gab keine nervigen Sprünge in der Intonation) und gleichförmig (in dem Sinne, dass der Sprechrhythmus weder zu schnell noch zu langsam war) und verleiht durch ihre Betonung dem Inhalt die entsprechende Bedeutung. Ein weiteres Plus ist für mich, dass sie nicht für die einzelnen Sprecher ihre Stimme verstellt hat. Davon bin ich nämlich kein großer Fan. Ganz besonders mochte ich allerdings, dass man ihr den Spaß am (Vor-)Lesen angemerkt hat. Hin und wieder hat man herausgehört, dass sie über einen Satz schmunzeln musste und sie sich amüsiert hat. Das akustische Erlebnis war also mehr als zufriedenstellend.

Mit Landliebe hat Jana Lukas ein vielversprechendes schriftstellerisches Debüt geschaffen, das zwar nicht ganz auf Klischees verzichtet, aber in dem die Charaktere öfter einen anderen Weg einschlagen, als ich vermutet hätte. Das und Diana Amfts Leistung als Sprecherin haben Landliebe für mich zu einem schönen Hörerlebnis werden lassen. 




Ein großes Dankeschön geht an Random House Audio für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

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