Mittwoch, 10. Mai 2017

REZENSION: "Wir zwei in fremden Galaxien" (Ventura-Saga #1) (Kate Ling)

Copyright one (Bastei Lübbe)

Titel: Wir zwei in fremden Galaxien - Ventura-Saga Band 1
Autor: Kate Ling
Genre: Science Fiction / Fantasy / Jugendroman
Verlag: one (Bastei Lübbe)
Erscheinungsjahr: 2017
Format: Hardcover (17,00 €)
Seiten: 332
ISBN: 978-3-8466-0041-2


Seren ist auf der Ventura aufgewachsen - einem Raumschiff mit einer Mission, deren Abschluss sie niemals erleben wird. Denn während der insgesamt 700-jährigen Reise durch den Weltraum sichern interstellare Generationen das Fortbestehen der Besatzung. Und mit 17 Jahren wird Seren zu einem vollwertigen Mitglied der Gesellschaft und als solches ist es ihre Pflicht, den ihr zugeteilten Lebenspartner zu heiraten und so schnell wie möglich Nachkommen zu zeugen. Doch Seren, die schon immer skeptisch gegenüber dem System war, sieht keinen Sinn in all dem. Sie hat es satt, sich fremd bestimmen zu lesen und will einfach nur leben - erst recht, seit sie Domingo kennt und sich unsterblich in ihn verliebt hat. Diese Liebe ist jedoch gegen alle Regeln der Ventura und bringt beide in ernsthafte Schwierigkeiten...

Das Cover ist typisch Jugendroman, gefällt mir insgesamt aber wirklich gut. Ich mag die dunkle Farbgebung und die zahlreichen Sterne, die dem Ganzen einen mystischen Anstrich verleihen. Und auch das Paar in der oberen Hälfte ist süß. Ein sehr stimmungsvolles, romantisch angehauchtes Buchcover.

Auf Wir zwei in fremden Galaxien von Kate Ling war ich sehr gespannt, denn die Idee hinter der Geschichte hat mich schon vor dem Lesen sehr fasziniert. Es geht um ein junges Mädchen, Seren, die auf dem Raumschiff Ventura zur Welt kam - sie hat die Erde nie gesehen und wird es wohl auch nicht, denn die Ventura befindet sich auf einer insgesamt 700 Jahre dauernden Reise durch den Weltraum und Seren gehört einer der mittleren Generationen an. Hinzukommt, dass das Raumschiff eine eigene, in sich abgeschlossene Welt mit festen Regeln ist, denen sich jedes Besatzungsmitglied beugen muss.

Ling wagt mit ihrem Roman also einen spannenden Genremix: Science Fiction trifft auch eine typische Jugendromanze, angereichert mit dystopischen Elementen. Denn das System auf der Ventura ist in jedem Fall ein diktatorisches. Im Mittelpunkt steht das Zuchtprogramm, an dem sich jedes Besatzungsmitglied beteiligen muss. Das heißt, im Alter von 17 oder 18 Jahren muss man den einem zugeordneten Lebenspartner heiraten und anschließend 2 Kinder gebären, um das Fortbestehen der Besatzung zu sichern. Echte Gefühle und ein selbstbestimmtes Leben haben in dieser Welt keinen Platz, Unruhestifter werden hart bestraft und im Notfall sogar entsorgt. Das Ganze hat zumindest mich an das Zuchtprogramm der Nazis, den Lebensborn, erinnert - ich fand es ganz besonders grausam und unmenschlich. Die Menschen auf der Ventura müssen praktisch ihr ganzes Leben dem höheren Wohl widmen und haben trostlose Jahre in einem öden, in sich abgeschlossenen Kosmos vor sich.

Das ist die Ausgangssituation in Wir zwei in fremden Galaxien und für die Protagonistin Seren eine Zukunft, der sie um jeden Preis entkommen muss. Seren wirkt zunächst wie ein störrisches Kind, wobei man ihren Frust durchaus gut nachvollziehen kann. So wie Ling die Ventura darstellt, ist es ein Gefängnis, aus dem es kein Entkommen gibt. Somit gibt es auch aus dem jedem Besatzungsmitglied vorbestimmten Lebensweg kein Entkommen. Seren, die mit dieser Zwangsheirat und dem sogenannten Zuchtprogramm so ihre Probleme hat, wird als psychisch krank abgestempelt und man merkt schnell: Als selbstständig denkendes Individuum hat man auf der Ventura keine Chance. Erst recht nicht, wenn man sich weigert, seinen Lebenspartner zu heiraten und sich stattdessen wirklich verliebt - in ein anderes Besatzungsmitglied.

So ergeht es Seren, als sie zufällig Dom begegnet. Schon nach dem ersten Treffen ist Seren bis über beide Ohren verliebt, was für mich etwas unglaubwürdig war. Die Beziehung der beiden wird jedoch im Verlauf der Handlung reifer und ernsthafter, auch wenn es mich anfangs gestört hat, dass sie innerhalb der Geschichte so viel Raum einnimmt. Andererseits ist es eben vor allem wahre Liebe, die auf der Ventura nicht erwünscht bis strengstens verboten ist. Daher ist das Hauptthema des Romans logischerweise der Kampf für Freiheit und in Serens Fall eine freie Partnerwahl. Ab der Mitte etwa nimmt die Handlung dann auch mächtig Fahrt auf und gewinnt einiges an Spannung dazu. Bis hin zum Ende, das nicht nur für Dom und Seren eine große Veränderung bedeutet und außerdem einen fiesen Cliffhanger für den Leser bereithält.

Die Geschichte gefällt mir insgesamt wirklich gut, insbesondere das interstellare Setting und die Ausgangssituation auf der Ventura. In der Story steckt auf jeden Fall eine Menge Potenzial, auch wenn mir die Liebesgeschichte im ersten Band teilweise zu übermächtig und kitschig war, ich gerne noch mehr über die Mission der Ventura erfahren hätte und ich Seren mit ihrer sturen Mit-dem-Kopf-durch-die-Wand-Mentalität nicht immer ganz verstehen konnte.

Science Fiction, Teenie-Romanze, Dystopie? In Wir zwei in fremden Galaxien bringt Kate Ling all das unter einen Hut und das Ergebnis hat mich alles in allem echt überzeugt. Die Liebesgeschichte hätte man für meinen Geschmack zwar ruhig etwas stutzen können, trotzdem freue ich mich aber (vor allem nach dem offenen Ende) sehr auf den zweiten Band.



Die Reihe:

1. Band: Wir zwei in fremden Galaxien
2. Band: ?


(Geschrieben mit Links)

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