Sonntag, 21. Mai 2017

REZENSION: "Plötzlich Banshee" (Nina MacKay)

Copyright ivi


Titel: Plötzlich Banshee
Autor: Nina MacKay
Genre: Fantasy / Jugendroman
Verlag: ivi (Piper)
Erscheinungsjahr: 2016
Format: Klappenbroschur (15,00 €)
Seiten: 400
ISBN: 978-3-492-70393-2


Alana ist im wahrsten Sinne des Wortes ein Pechmagnet, denn was sie lange nicht wahrhaben will, stimmt zu ihrem Entsetzen: Sie ist eine Banshee, eine Todesfee der irischen Mythologie. Daher kann sie nicht nur eine rückwärts laufende Uhr über dem Kopf eines jeden Menschen sehen, die seine verbleibende Lebenszeit anzeigt, sondern bringt ihre Freunde durch den bloßen Kontakt mit ihr in ständige Gefahr. Nicht zu vergessen der ohrenbetäubende Todesschrei, den sie kurz vor dem Tod eines Menschen ausstößt. Als wäre das nicht schon genug, verkompliziert sich ihr Leben um ein Vielfaches, als Santa Fe plötzlich von einer grausamen Mordserie heimgesucht wird und der attraktive, aber aufdringliche Polizist Dylan Shane ausgerechnet Alana mit den Morden in Verbindung bringt. Zusammen mit ihrem besten Freund Clay versucht sie unterdessen, die Verbrechen, die ganz offensichtlich von einer Bande dunkler Magischer verübt wird, zu stoppen.

Das Cover gefällt mir ziemlich gut. Ich mag es, dass es überwiegend schwarz ist und nur vorn von einem Bild geziert wird, das zumindest mich sofort an den mexikanischen Totenkult erinnert hat. Es passt auf jeden Fall zur Story und will genau wie diese - so mein Eindruck - nicht zu 100 Prozent ernst genommen werden.

Plötzlich Banshee von Nina MacKay ist so ein Buch, von dem ich dachte, dass ich es niemals lesen werde. Einfach weil mich die Thematik eigentlich nicht so sehr interessiert hat und es obendrein auch noch Jugend-Fantasy ist. Aber als ich dann zu Ostern einen Buchgutschein geschenkt bekam, dachte ich mir: Was soll's, ein bisschen Humor und Belanglosigkeit (nicht abwertend gemeint!) könnte ich schon mal gebrauchen. Und genau das hat mir Ninas MacKays Roman auf jeden Fall gegeben.

Dass die Geschichte abgedreht, unkonventionell, ein wenig skurril und vor allem witzig und amüsant werden würde, konnte man bereits auf den ersten Seiten erahnen. Mit der 20-jährigen Alana hat MacKay eine Protagonistin geschaffen, die mit ihrer himmelschreienden Tollpatschigkeit, ihrer Naivität und ihrer störrischen Verbissenheit das Herz des Lesers im Sturm erobert. Gefühlt auf jeder einzelnen Seite tappt Alana in ein neues Fettnäpfchen (alternativ auch in eine mit Wasser gefüllte Salatschüssel, in der ein Goldfisch schwimmt). Ihr passieren die absurdesten Missgeschicke und allein das ist einfach urkomisch und herrlich verschroben. Außerdem fügt es sich wunderbar ins große Ganze ein, denn Alana ist, auch wenn sie es lange nicht wahrhaben will, eine Banshee und zieht daher sämtliches Unglück im wahrsten Sinne des Wortes magisch an.

Köstlich amüsiert habe ich mich auch über ihren Todesschrei, den MacKay einfach göttlich beschreibt. Aber: Alana ist nicht nur eine Witzfigur. Sie hat darüber hinaus ein gutes Herz und macht es sich zur Aufgabe, Todgeweihten das Leben zu retten - eine Eigenschaft, die für eine Banshee ziemlich ungewöhnlich ist. Trotzdem war sie mir nicht uneingeschränkt sympathisch. An einigen Stellen hätte ich ihr zu gern den Hals umgedreht oder sie zumindest kräftig geschüttelt. Denn Alana ist überdies ein nicht besonders reifer Charakter, verhält sich oftmals ziemlich kindisch und kann dann schon mal unglaublich nervtötend sein. Dass sie etwa den Polizisten Dylan Shane, zu dem sie sich von Anfang an hingezogen fühlt, das aber natürlich wahrhaben will, durchgehend "Detective Sockenschuss" nennt, fand ich zum Beispiel nicht mal ansatzweise komisch, sondern nur übertrieben und aufgesetzt. Auch das Wort "Nilpferdkacke" kam mir einen Ticken zu oft vor, um noch witzig zu sein. Hier hätte die Autorin gerne einen Gang zurückschalten können.

Die Handlung wiederum war eigentlich ganz niedlich - nichts Überragendes, aber etwas, das sich gut runter liest und einen doch das ein oder andere Mal überrascht. Denn schon bald findet Alana mithilfe ihres besten Freundes Clay und der Waldelfe Trinity heraus, dass in Santa Fe, dem Handlungsort, überdurchschnittlich viele magische Wesen leben und dass einige von ihnen der dunklen Seite angehören. Mehrere mysteriöse Todesfälle und düstere Rituale geben der Geschichte eine gewisse Würze. Die Mischung aus Humor, Fantasy und Krimi fand ich insgesamt recht gelungen und erfrischend anders. Lediglich gegen Ende wurde mir das Ganze etwas zu abgedreht - hier passierten einfach zu viele Dinge, die für mich nicht unbedingt immer einen Sinn ergaben und die Story weniger rund wirken ließen. Insgesamt aber ist Plötzlich Banshee ein grundsolider, lockerleichter und überwiegend witziger Jugendroman.

Eines konnte mich allerdings nicht komplett überzeugen: Der Schreibstil. Obwohl Nina MacKay durchaus flüssig, bildreich und nachvollziehbar schreibt, hat mich hier einiges gestört. Das sind vor allem technische Dinge. Immer wieder kamen Wortwiederholungen vor und auch grammatikalische Fehler häuften sich (zum Beispiel in Bezug auf die Fälle - "wegen dem" statt "wegen der/des"). Klar, ich bin natürlich jemand, der darauf ein besonderes Augenmerk legt und dem solche Fehler auf jeden Fall immer sofort ins Auge springen, aber ich finde auch, das hat in einem lektorierten Buch schlichtweg nichts zu suchen. Insbesondere nicht in solch einer Häufigkeit. Dennoch will ich Nina MacKay auf gar keinen Fall Talent absprechen, denn in Bezug auf Ausdruck und Formulierung ist ihr Stil ohne Frage einzigartig und humorvoll - genau richtig also für einen rasanten Jugend-Fantasy-Roman mit viel Drama und Witz.

Nina MacKays Plötzlich Banshee hat mich zweifelsohne wunderbar unterhalten und zum Lachen gebracht und punktet mit einer originellen Ausgangssituation sowie einem soliden, wenn auch nicht immer gänzlich überraschenden Plot. Ein kurzweiliger Fantasyroman, dem man auf jeden Fall eine Chance geben muss. Punktabzug gibt es von mir allerdings für die bisweilen übertrieben nervtötende Protagonistin und den Schreibstil, der für mich noch nicht ausgefeilt genug ist.




(Geschrieben mit Links)

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