Montag, 8. Mai 2017

REZENSION: "Mondprinzessin" (Ava Reed)

Copyright Drachenmond Verlag


Titel: Mondprinzessin
Autor: Ava Reed
Genre: Fantasy / Jugendroman
Verlag: Drachenmond Verlag
Erscheinungsjahr: 2016
Format: Softcover (12,00 €)
Seiten: 256
ISBN: 978-3-95991-316-4


Lynn ist in einem Heim aufgewachsen und hat weder Familie noch Freunde. Doch an ihrem 17. Geburtstag ändert sich plötzlich ihr ganzes Leben: Auf Lynns Arm erscheint ein merkwürdiges Sternbild und mit ihm zwei seltsame Krieger, die es auf sie abgesehen haben. In letzter Sekunde kommt ihr Juri, ein sogenannter Mondkrieger, zu Hilfe und damit offenbart sich schließlich Lynns wahre Bestimmung. Sie ist die verschollene Mondprinzessin, die vor mehr als 16 Jahren entführt wurde und nun auf dem Mond das Erbe ihrer Eltern antreten soll. Doch dafür muss sie sich mit einem Prinzen vermählen, obwohl ihr Herz doch einem anderen gehört...

Dieses Cover! Ich liebe es! Für mich ist es bisher das schönste, stimmungsvollste und bezauberndste Cover aus dem Drachenmond Verlag.

Da ich nicht allzu gerne Fantasyromane lese, habe ich bisher einen Bogen um Ava Reeds Mondprinzessin gemacht. Die vielen positiven Stimmen und Avas Jugendbuch Wir fliegen, wenn wir fallen, das mir unglaublich gut gefallen hat, haben mich aber schließlich doch neugierig auf die Geschichte gemacht und so durfte Mondprinzessin, persönlich signiert, vor einer Weile bei mir einziehen. Meine Erwartungen waren schon recht hoch, vor allem weil ich Avas Schreibstil großartig und auch sie selbst unheimlich sympathisch finde. Trotzdem möchte und muss ich ehrlich sein: Die Mondprinzessin und ich - dieser Versuch ist leider nicht ganz geglückt.

Die Geschichte startet zunächst durchaus vielversprechend und als eine Art Cinderella-Story. Lynn hat als Waise und missverstandene Einzelgängerin auf der Erde nicht gerade ein erfülltes Leben, was sich jedoch schlagartig ändert, als sich an ihrem 17. Geburtstag ihre Kräfte zeigen. Ein leuchtendes Sternbild auf ihrem Arm kennzeichnet sie als Kind des Mondes und nach einer wilden Verfolgungsjagd mit zwei zwielichtigen Kopfgeldjägern wird sie von Juri, einem Mondkrieger, gerettet und nach Hause gebracht: Auf Menua. Dort erfährt sie schließlich, dass sie in Wahrheit die vor Jahren entführte Mondprinzessin ist und von ihren Eltern schmerzlich vermisst wurde.

Die Ausgangssituation hat also jede Menge Potenzial und deutet auf eine märchenhafte Geschichte hin. Die Idee von einem Volk auf dem Mond, das ebenso wie die Bewohner der umliegenden Planeten eine besondere Gabe besitzt, hat mich in ihren Bann geschlagen. Ava hat mit ihren Worten wieder eine Welt geschaffen, in der man sich verlieren will - es aber nicht so recht kann. Denn obwohl das Setting stimmt und die etwas rebellische, aber liebenswerte Lynn einem schnell sympathisch ist, bleibt der Mond als Handlungsort blass, der Plot leider viel zu dünn und unausgereift.

Es gibt viele Dinge, über die man als Leser stolpert, die man nicht so recht nachvollziehen kann. Sei es der vermeintlich böse, eifersüchtige Stiefbruder (der in Wahrheit eigentlich ein Adoptivsohn des Königspaares ist), die skurrile Prinzenschau, der sich Lynn nur wenige Wochen nach ihrer Heimkehr stellen muss, oder die verbotene Romanze zwischen Juri und Lynn, die wie so vieles anderes kaum Raum erhält, um sich zu entfalten und somit plausibel und authentisch zu werden. Ebenso wie Lynn bekommt der Leser keine Zeit, um das neue Leben der Protagonistin kennenzulernen, die Geschehnisse zu verdauen und auch diesen wunderschönen Handlungsort, die fremde Welt des Mondes, zu erkunden.

In jedem Winkel dieses Planeten, dieses Universums steckt so viel Potenzial, das Ava aber leider ungenutzt lässt. Wie sieht der Mond aus, wie die anderen Planeten, von denen die drei Heiratskandidaten kommen? Was ist die Philosophie, Religion, Geschichte etc. der Sternenkinder? Ihre Beziehung zu den Menschen auf der Erde? Sogar Lynns Entführung wird stiefmütterlich behandelt und erst auf den letzten Seiten in aller Eile mit einem unglaubwürdigen Täter aufgelöst, dessen Motivation und Vorgehen einem immer noch Rätsel aufgeben. Das Gefühl, dass bei diesem Roman einfach zu viel auf zu wenige Seiten gequetscht wurde, war zumindest bei mir übermächtig. Hätte es eine Prinzenauswahl á la Selection (dieses Buch werde ich übrigens niemals, nie lesen!) sein sollen, hätte es die Entführung und Lynns Leben auf der Erde nicht gebraucht. Hätte es ein magisches Fantasy-Epos werden sollen, hätte man die arrangierte Ehe als einen Handlungsstrang von vielen in ein komplexes Gefüge einweben müssen. Und sicher mindestens doppelt so viele Seiten und vielleicht sogar ein, zwei Folgebände gebraucht. Aber das hätte vermutlich tausend Mal besser funktioniert, als ein bisschen was von allem auf insgesamt 250 Seiten.

Alles in allem wirkt der zweite Teil des Romans inklusive Ende wie eine schnelle Auflösung, bevor der Plot zu komplex werden kann. Das Finale hat mich eigentlich weniger aufgrund der traurigen Tragödie, von der man in allen Rezensionen lesen kann und die mich persönlich stark an das Ende eines anderen Jugendbuches erinnert hat, enttäuscht, sondern aufgrund der rasanten, fast schon lieblosen Abhandlung. In unglaublicher Geschwindigkeit kommen sich Lynn und Juri endlich näher, bevor im nächsten Moment die ganze Welt zusammenbricht und einfach alles, worüber man auf den letzten 240 Seiten gelesen hat, sich - puff - in Luft auflöst. Es st wirklich schwer, das Ende zu bewerten, ohne zu spoilern, aber auf mich wirkte es einfach wie die sauberste, einfachste Lösung. All das wurde dieser fantastischen Grundidee, dem märchenhaften Setting, der tollen Protagonistin und auch der atemberaubend schönen Innengestaltung des Buches einfach nicht gerecht.

Es tut mir wirklich leid, aber Ava Reeds Mondprinzessin konnte mich am Ende leider nicht überzeugen. Obwohl ihr Schreibstil einen flüssig durch die Geschichte trägt, obwohl die Ausgangssituation so vielversprechend und Avas magische Welt so mitreißend ist. Das große Problem der Geschichte ist in meinen Augen, dass kein einziger der Handlungsstränge Raum erhält, um sich zu entfalten. Wo andere Romane zu aufgebläht sind, fehlt es der Mondprinzessin an Tiefe, an einer detailreichen Ausstaffierung und einem abwechslungsreichen, vielschichtigen Plot. Damit will ich nicht sagen, dass das Buch schlecht ist, auf gar keinen Fall! - Aber eben einfach nicht zu Ende gedacht.




(Geschrieben mit Links)

1 Kommentare:

Stephi hat gesagt…

Vielen Dank, die erste Rezension zu diesem Buch der ich mich komplett anschließen kann.
Die Idee der Mondprinzessin ist sehr gut, die Umsetzung eine Enttäuschung.

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