Mittwoch, 31. Mai 2017

REZENSION: "Liebe, Zimt und Zucker" (Julia Hanel)

Copyright Ullstein Taschenbuch


Titel: Liebe, Zimt und Zucker
Autor: Julia Hanel
Genre: Liebesroman
Verlag: Ullstein Taschenbuch
Erscheinungsjahr: 2016
Format:  Broschiert (9,99 €), E-Book
Seiten: 412
ISBN: 978-3-548-28788-1

Was als eine romantische Überraschung gedacht war, entpuppt sich als Katastrophe: Als Marit einige Wochen eher als geplant vor der Tür ihres Freundes Toby steht, bleibt die herzliche Begrüßung aus. Stattdessen beendet er zwischen Tür und Angel ihre Beziehung. Gedehmütigt und mit geschundenem Herzen rennt sie vor ein Auto, was sich jedoch als Glück im Unglück erweist: Heike, die Fahrerin, nimmt sie bei sich auf und stellt sie als Barista in ihrem Coffeeshop an. Der Job könnte ganz angenehm sein, wenn da nicht ihr nerviger Kollege Moritz wäre. Lediglich die Mails von J.A., dem Unbekannten, dessen USB-Stick sie im Coffeeshop gefunden hat, versüßen ihr den Tag. Ist er vielleicht derjenige, der sie das Drama um Toby vergessen lässt?

Im Größen und Ganzen finde ich das Cover gut. Bücher sind die einzigen Objekte, bei denen ich Rosa ertragen kann, weil man damit automatisch Mädchen-/Liebesromane assoziiert und ich daher weiß, wonach ich Ausschau halten muss. Das Motiv mit dem gigantischen To-Go-Kaffeebecher und den Figuren finde ich süß und passend zum Inhalt, lediglich das Gelb empfinde ich als störend. 

Als ich damals Julia Hanels Debütroman Zwei fürs Leben gelesen hatte, war für mich klar, dass ich sie als Schriftstellerin im Auge behalten würde. Umso mehr habe ich mich gefreut, als ich vom Erscheinen von Liebe, Zimt und Zucker erfahren hatte (auch wenn es bis zum tatsächlichen Lesen doch etwas gedauert hat). Ich fand ZfL damals toll, aber Liebe, Zimt und Zucker spielt in einer ganz anderen Liga. Der folgende Wortschwall stellt einen Versuch dar, meine Begeisterung in Worte zu fassen.
Ich wusste ja bereits durch ihren Debütroman, dass Julia Hanel mit viel Witz schreibt und ausgesprochen wortgewandt ist (da macht sich ihr Germanistik-Studium bemerkbar), aber Liebe, Zimt und Zucker hat meine künsten Erwartungen bei Weitem übertroffen. Zum einen sind - wie ich es bereits gewohnt war - die Dialoge fantastisch. Nicht nur die spielerischen Neckereien und verbalen Retourkutschen, die vor Esprit sprießen und mich bestens unterhalten haben, sondern auch die ernsten Gespräche haben es mir angetan. Am liebsten würde ich sie ausdrucken und damit meine Wand pflastern. Das Gleiche gilt für die Mails, die sich Marit mit dem (zuerst anonymen) USB-Stick-Besitzer schreibt. Ich wünschte, mir würden auch öfter so gute Antworten einfallen. 
Theoretisch wäre der Roman auch schon aufgrund dieser Gespräche und Mails lesenswert, aber er hat darüber hinaus auch eine tolle Handlung zu bieten. Zwar ist es nicht so aufregend und nervenaufreibend wie ein Krimi, aber Marits Leben ist definitiv nicht langweilig (trotz des überschaubaren, etwas verschlafenen Örtchens, in dem sie sich aufhält). Zum ersten Mal seit langem hat mich ein literarisches Werk wieder um notwendige Schlafstunden gebracht, da das Weiterlesen einfach zu verlockend war.
Zum anderen war für mich auch eindeutig eine Steigerung in ihrem schriftstellerischen Können bemerkbar. Während ich bei ihrem vorigen Roman bemängelt hatte, dass es zu wenige, zu oberflächlich dargestellte Nebencharaktere gab, habe ich in dieser Hinsicht bei ihrem zweiten Werk nichts auszusetzen. Natürlich liegt der Fokus auf Marit und - mit fortschreitender Handlung - auf Moritz. Sie werden am umfangreichsten beleuchtet, aber auch für andere Figuren wie etwa Tessa, Heike und Toby (trotz seiner mangelnden physischen Präsenz) bekommt man ein sehr gutes Gespür und schließt sie - meistens - ins Herz. 
Marit als Protagonistin ist ganz nach meinem Geschmack gewesen: Zwar ist ihre derzeitige Situation ein einziges Chaos (vom Freund verlassen und hintergangen sitzt sie in einer ihr unbekannten Stadt fest, in der seine Person quasi omnipräsent ist) und sie hängt gewissermaßen in den Seilen, aber sie macht das Beste aus ihrer Lage und verkriecht sich nicht. Trotz allem hat sie sich ihren sarkastischen Humor bewahrt und ist offen für neue soziale Kontakte und Unternehmungen. Zudem ist sie ambitioniert, weiß, was sie kann (und meistens auch was sie will), und nimmt Rücksicht auf die Gefühle anderer. Ihr Talent dafür, in Fettnäpfchen zu treten, hat sie mir schließlich vollends sympathisch gemacht. Marits einziges Manko ist, dass sie so stark an ihrem Schubladendenken festgehalten hat: Moritz war für sie einfach ein Charmeur und Womanizer und damit nicht bindungsfähig und unzuverlässig. Jegliche Beweise des Gegenteils hat sie ignoriert oder sich irgendwie zurechtgelegt, dass ihr Bild von ihm intakt bleibt. Damit konnte ich einfach nicht umgehen und hab mich extrem darüber aufgeregt. Zumal ich Moritz von Seite zu Seite besser leiden konnte. Ich mochte seine Sicht auf die Welt, dass er alles etwas ruhiger und entspannter angeht und ganz besonders seine Schlagfertigkeit. Allerdings teile ich Marits Unverständnis dafür, dass er niemals das Bedürfnis hat aus einer Kleinstadt wie Altberg wegzuziehen.
Zu kritisieren habe ich insgesamt lediglich, dass ich bei einigen Nebenhandlungen das Gefühl hatte, es würde noch mehr dahinter stecken bzw. es gäbe noch mehr zu erzählen, als Julia Hanel tatsächlich tut.

Mit diesem Roman hat sich Julia Hanel zendgültig in mein Herz geschrieben. Für mich ist sie der aufsteigende Stern am deutschen Liebeskomödien-Himmel, denn ihre bisherigen Werke sind wortgewandt, humorvoll und authentisch. Marits (Leidens-)Weg hat sowohl meine Lachmuskeln beansprucht als auch mein Schlafpensum erheblich reduziert. Der einzige Schönheitsfehler sind nach meinem Empfinden ein oder zwei lose Enden zum Schluss, ansonsten ist ihr zweiter Roman top!




Rezension zu Zwei fürs Leben

http://svenjasbookchallenge.blogspot.com/2015/08/rezension-zwei-furs-leben-julia-hanel.html
 

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