Samstag, 20. Mai 2017

REZENSION: "Ich bin dann mal verliebt" (Lauren Layne)

Copyright Mira Taschenbuch


Titel: Ich bin dann mal verliebt
Autor: Lauren Layne
Genre: Liebesroman
Verlag: Mira Taschenbuch
Erscheinungsjahr: 2017
Format:  Taschenbuch (9,99 €), E-Book
Seiten: 329
ISBN: 978-3-95649-676-9

Gedehmütigt und mit gebrochenem Herzen flieht Brooke Baldwin nach New York, nachdem sie mit ansehen musste, wie ihr zukünftiger Ehemann verhaftet wurde - direkt am Altar! Für sie als Hochzeitsplanerin ist das nicht nur eine private, sondern auch eine berufliche Katastrophe.
Umso glücklicher ist sie über das Angebot der renommierten Hochzeitsagentur Wedding Belles, welches sie dankbar annimmt. Doch schon ihr erster Auftrag errweist sich als schwieriger als gedacht: Sie soll die Hochzeit der millionenschweren Erbin Maya Tyler planen. Doch nicht die Braut in spe bereitet ihr Sorgen, sondern ihr Bruder Seth, der mit allen Mitteln versucht, die Trauung zu verhindern. Wenn er nicht so unverschämt wäre, könnte sich Brooke glatt in ihn vergucken...

 
Ich mag es, dass das Cover relativ schlicht gehalten ist und nicht kitschig wirkt. Im Buchgeschäft wäre es mir aber wahrscheinlich nicht sofort ins Auge gesprungen.

Die Geschichte beginnt - für mich überraschend - mit Seth und nicht mit Brooke und damit, wie ihm seine kleine Schwester die geplante Hochzeit mit Neil eröffnet. Ich mochte Seth eigentlich auf Anhieb, auch wenn er ein kleiner (oder großer) Kontrollfreak und recht mürrisch ist (wahrscheinlich, weil ich das auch bin). Ich empfand es zum Beispiel eine nette Abwechslung, dass er zwar als sehr attraktiv dargestellt wurde, aber nicht der typische Playboy ist, der von Bett zu Bett hüpft Dass er verletztlich, aber dennoch für andere der Fels in der Brandung ist, wann immer sie es brauchen, und weil er (scheinbar als einziger) eine gute Intuition in Bezug auf Menschen hat. Auch die Beziehung zu seiner Schwester finde ich löblich, denn es ist wirklich offensichtlich gewesen, wie sehr er sich um sie sorgt und dass er sie glücklich sehen will. Diese wunderbaren Eigenschaften haben jedoch einen Haken: Er weiß absolut nicht, wie er diese softe, warme Seiten nach außen kehren soll. Genau deshalb wirkt er auf andere - wie etwa Brooke - kühl, arrogant und versnobt. Es entsteht also das klassische Szenario, in dem der unnahbare, gut aussehende (Geschäfts-)Mann und die quirlige, aufgeweckte, nicht minder schöne junge Frau miteinander kollidieren und sich - gegen ihren Willen - zueinander hingezogen fühlen. Soweit also nichts Neues, allerdings wäre es wohl auch langweilig, wenn die beiden sofort BFFs geworden wären (das will ja keiner lesen, oder?). Mir persönlich kam die gegenseitige Abneigung phasenweise etwas forciert vor, aber die Wortgefechte und die hitzigen Diskussionen haben mir dennoch sehr gefallen, weil sie dabei selten den spielerischen Unterton verloren haben. Das wäre aufgrund des geschäftlichen Verhältnisses auch sehr unprofessionell von Brooke gewesen. Schon beim ersten Treffen liegt eine elektrisierende Spannung in der Luft, was Brooke zunächst in Panik versetzt, weil sie Seth fälschlicherweise für den Bräutigam in spe hält. Die Anziehung ist zunächst rein körperlicher Natur und erst nachdem sie (ob gewollt oder nicht) mehr Zeit miteinander verbringen, entwickeln sich Gefühle, die darüber hinaus gehen. Allerdings hat mir Layne diese emotionale Komponente der Beziehung nicht ganz glaubwürdig vermitteln können, weil sämtliche intime Momente immer sexuell aufgeladen waren.
Was mich bezüglich der Charaktere (etwa Brookes Kolleginnen sowie Maya, Neil und Grant) außerdem ein wenig genervt hat, war, dass sie durch die Bank weg gut aussehend und nahezu ausnahmlos nett gewesen sind, was mir einfach etwas zu unrealistisch und utopisch erschien. Die einzige Ausnahme in Bezug auf die optische Idealisierung bildet Seths etwas ältere Assistentin, welche ich grandios fand und die wesentlich mehr Auftritte verdient hätte. Allgemein erfährt man aber einfach viel zu wenig über Maya & Co., die schon fast zu Statisten degradiert werden. Außerdem hat es mich besonders überrascht, dass Clay (Brookes Ex-Verlobter) nicht einmal einen Auftritt hat, obwohl er so prägend für ihr Leben gewesen ist und ständig thematisiert wird. Ich hatte nicht das Gefühl, als wäre dieser Konflikt gelöst worden.
Das führt mich zum nächsten Punkt, der mir nicht so gut gefallen hat: Es gibt eigentlich eine Fülle an Nebensträngen, die sehr interessant und für den Fortgang der Geschichte auch relevant gewesen sind. Sie wurden aber vollkommen vernachlässigt, weil sie etwa ab der Hälfte des Romans der Fokus sehr stark auf Sex verlagert hat. Ich hatte fast den Eindruck, die Charaktere würden sich mit nichts anderem beschäftigen. Vom Prinzip her habe ich nichts dagegen, wenn sich Figuren auf diese Weise "austoben", aber es hatte den Anschein, dass im Geschehen Überhand genommen hat. Dabei hätten die anderen Storylines dem Ganzen wesentlich mehr Tiefe geben können. Es geht eigentlich nur um Brooke und Seth und ihr gegenseitiges Verlangen und nur hin und wieder werden auch Brookes Vergangenheit sowie Seths Boykott von Mayas Hochzeit thematisiert, die übrigen Handlungsstränge werden lediglich angerissen. Vielleicht schaffen sie es in einen zukünftigen Roman?!
Trotz aller Kritikpunkte bin ich wahnsinnig schnell mit dem Buch voran gekommen. Der angenehme, leichte Schreibstil der Autorin sorgt dafür, dass man nahezu durch das Buch fliegt, sodass während des Lesens kaum auffällt, dass im Grunde nichts Wesentliches passiert. Diese Erkenntnis kam bei mir erst im Nachhinein.

Der Roman hatte unglaublich viel Konfliktpotenzial: Betrügerei(en), traumatische Familienereignisse, verborgene Gefühle und vieles mehr. Das geht angesichts der Fokussierung auf die körperliche Anziehung der beiden Protagonisten jedoch stark unter. Die leichte, bissig-humorvolle Schreibweise der Autorin konnte mich darüber jedoch teilweise hinwegtrösten.



Vielen llieben Dank an Mira Taschenbuch für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!

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