Mittwoch, 3. Mai 2017

REZENSION: "Du neben mir und zwischen uns die ganze Welt" (Nicola Yoon)

Copyright cbt


Titel: Du neben mir und zwischen uns die ganze Welt
Autor: Nicola Yoon
Genre: Jugendroman
Verlag: cbt
Erscheinungsjahr: 2017
Format: Taschenbuch (9,99 €)
Seiten: 332
ISBN: 978-3-570-31099-1

Die 17-Jährige Madeline war noch nie im Ausland, ist nie zur Schule gegangen, war noch nie auf einer Party oder hat einen Ausflug ins Grüne gemacht. Seit ihrer frühesten Kindheit leidet sie an einer seltenen Immunkrankheit und kann daher nicht das Haus verlassen. Sie hat diese Tatsache akzeptiert. Bis zu dem Tag, als der geheimnisvolle Olly ins Nachbarhaus zieht und sie sich aus der Ferne kennenlernen. Je intensiver der Kontakt wird, desto größer wird Madelines Sehnsucht nach der Welt außerhalb ihres Hauses und desto mehr suchen sie nach einer Möglichkeit, die Barrieren zu überwinden. Doch wie soll eine Beziehung bestand haben, wenn ihr physische Grenzen gesetzt sind? Madeline muss sich entscheiden, ob ihre Liebe es wert ist, alles auf eine Karte zu setzen und für sie ihr Leben zu riskieren.

Soweit finde ich das Cover eigentlich sehr schön. Vor allem, dass sich Madelines Gesicht in der Scheibe spiegelt und dass Elemente des ursprünglichen Covers mit eingebunden wurden.

Ich bin ein wenig zwiegespalten, was Du neben mir und zwischen uns die ganze Welt betrifft. Einerseits fand ich das Buch bezaubernd und zuckersüß, andererseits hatte ich mir etwas mehr davon erhofft.
Zauberhaft war es aufgrund der Protagonisten Madeline und Olly und ihrer Dynamik sowie aufgrund der liebevollen Gestaltung des Romans. Madeline gefiel mir auf Anhieb, weil sie a) eine Büchernärrin ist und b) sie trotz ihrer Krankheit ein einfühlsames, bemerkenswert starkes, "unweinerliches" Mädchen ist. Zudem ist sie intelligent, natürlich und uneitel. Insgesamt verfügt sie also fast ausschließlich über Eigenschaften, die ich mag. Was mich jedoch ein wenig störte, war, dass sie zeitweise einen wesentlich jüngeren Eindruck als ihre 17 bzw. 18 Jahre auf mich gemacht hat. Ich schätze, das liegt primär an dem etwas simpel gehaltenen Schreibstil. Das klingt etwas harsch, aber ich meine damit lediglich, dass Yoon eine recht klare Linie beim Schreiben verfolgt und man nicht nach einem doppeldeutigem Sinn suchen muss.
Von den Wesenszügen hat mich Olly ein wenig mehr interessiert als Madeline, da er trotz einiger Ähnlichkeiten doch von einem ganz anderen Kaliber ist. Er umgibt diese Aura einer verschlossenen, grüblerischen, geheimnisvollen, verwundeten Seele, aber auf der anderen Seite hat er diese lichten, unbeschwerten Momente, in denen er seinen Charme sprühen lässt. Zudem repräsentiert er aufgrund seiner sportliche Aktivität (er läuft Parcour) für Madeline die beiden Dinge, die ihr verwehrt sind: Freiheit und Abenteuer. Aufgrund dessen ist ihre Faszination mit ihm sehr gut verständlich. Was sich mir persönlich nicht so ganz erschlossen hat, waren jedoch die Gründe, warum Olly überhaupt Kontakt zu Madeline aufgenommen hat. Die Begründung, dass sie nebeneinander wohnen und er sie am Fenster hat stehen sehen und hübsch fand, ist für mein Dafürhalten nicht ausreichend genug. So richtig wird das auch nicht klar, denn trotz ihrer häufigen Dialoge (welche entsprechend der Kommunikationsform als Chat- oder Mailverlauf oder als schriftliche Fenster-zu-Fenster-Kommunikation wiedergeben sind) erfährt man vergleichsweise wenig über Olly, wie ich finde. Einen ähnlichen Eindruck habe ich auch bezüglich der beiden anderen Personen, die noch von mehr oder minder großen Relevanz sind: Madelines Mutter und ihre Pflegerin Carla. Man lernt zwar auch einige ihrer Charakterzüge und (Welt-)Ansichten kennen, aber auch ihnen gegenüber habe ich eine gewisse Distanz empfunden.
Womit man von Vornherein rechnen sollte, ist die Tatsache, dass sich die Action in Grenzen hält, da Madeline aufgrund ihrer Krankheit ortsgebunden ist. Das Setting ist entsprechend wenig abwechslungsreich und - wie oben bereits angedeutet - ebenso ist der Personenkreis, mit dem Madeline persönlichen Kontakt hat, sehr eingeschränkt. Dadurch ergeben sich besonders in der ersten Hälfte einige Längen, über die mich lediglich die humorvollen, süßen Dialoge und die kreative Umsetzung der Beschreibungen von Madelines Alltag in Form von eingebundenen Zeichnungen hinwegtrösten konnten. Die Handlung wird zwar gelegentlich dynamischer, aber nicht in solchem Maße, dass es mich in atemlose Spannung versetzt hätte (allerdings ist es ja kein Thriller, also ist das nicht zwangsläufig notwendig). Auch der Schluss hat mich nicht sonderlich vom Hocker gerissen bzw. überrascht, da im Endeffekt meine Vermutung zum Großteil bestätigt wurde. Die Lösung des Konflikts erschien mir logisch, wenngleich sie meiner Meinung nach im Anbetracht der Schwere der Problematik doch relativ rasch abgehandelt wurde. 
Gut wiederum fand ich, dass neben Maddys Immunkrankheit noch andere schwierige, komplexe Themen verarbeitet (oder eher angerissen) wurden. Sie werden hier sehr einfach aufbereitet, sodass man sie leicht verdauen kann. Das mag nicht jedem willkommen sein, sofern man Wert auf eine tiefgründige, ergreifende, sämtliche Gefühlsebenen ausschlachtende Darstellung legt. Auch ich selbst hätte mir diesbezüglich etwas mehr Dramatik gewünscht, aber letzlich finde ich es der Zielgruppe angemessen und so vermittelt der Roman ein positiveres, optimistischeres Gefühl beim Leser, auch wenn es mich doch nachdenklich gestimmt hat.
Insgesamt kam ich sehr schnell mit dem Buch voran, da es wie gesagt leicht verständlich und verdaulich sowie oft (aufgrund der Dialoge) humorvoll geschrieben und zudem in sehr kurze Kapitel portioniert ist. Dadurch konnte ich es auch leicht einmal beiseite legen, ohne Probleme bei der Rekapitulation vergangener Ereignisse gehabt zu haben. 

Ich bin nicht vollends zufrieden oder gar überwältigt von Nicola Yoons Roman, da mir persönlich einige Aspekte zu eindimensional und oberflächlich dargestellt erschienen. Dennoch hat er sich sehr gut lesen lassen und das Konzept und die Charaktere haben mich angesprochen, sodass ich extrem Lust auf den Film bekommen habe, um zu sehen, wie er die Romanvorlage umsetzt.



Mein Dank gebührt cbt für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!

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