Montag, 29. Mai 2017

REZENSION: "Alle sieben Wellen" (Daniel Glattauer)

Copyright Hörbuch Hamburg
Titel: Alle sieben Wellen (Gut gegen Nordwind #2)
Autor: Daniel Glattauer
Genre: Liebesroman
Sprecher: Andrea Sawatzki, Christian Berkel
Erscheinungsjahr: 2011
Format: Hörbuch (14,99 €), TB, eBook
Länge: 269 Minuten (224 Seiten), vollständige Lesung
ISBN: 978-3-86909-093-1

Zwischen Emmi und Leo herrscht Funkstille - bis Leo aus Boston zurück ist und die beiden ihre E-Mail-Beziehung langsam und vorsichtig wieder aufnehmen. Bei beiden hat sich viel getan: Während Leo in Boston Pam, die Frau für's Leben, kennenlernte und nun eine Fernbeziehung führt, hat sich Emmi von ihrem Mann Bernhard getrennt und ist ausgezogen. Noch immer haben sich Emmi und Leo nicht getroffen, aber das soll sich ändern. Ganz freundschaftlich natürlich. Dabei passen sie eigentlich perfekt zueinander, aber kann aus ihnen tatsächlich ein Liebespaar werden?


Das Cover gefällt mir definitiv besser als das des ersten Bandes, ist aber in gewisser Weise ebenso nichtssagend. Auch wenn zumindest die Farbgebung sehr gut zum Titel passt.

Geschichte und Erzählstil:

Wie ihr ja lesen konntet, war ich von der Hörbuchfassung zu Daniel Glattauers modernem Briefroman Gut gegen Nordwind ziemlich begeistert. Ich musste mir direkt den zweiten Teil zulegen und habe mich sehr auf Emmis und Leos witzige und dabei tiefgründige Wortgefechte gefreut. Diese lassen aber anfangs auf sich warten, denn nachdem das Treffen zwischen Leo und Emmi am Ende von Band 1 nicht zustande kam, ging Leo stillschweigend nach Boston und hat auch seinen E-Mail-Account abgeschaltet. Amüsant ist der Einstieg trotzdem, denn Emmi redet sich selbst in Rage, schreibt E-Mails an einen nicht existenten Systemmanager und hofft inständig, dass Leo sich irgendwann doch noch zurückmeldet.

Und genau das tut er natürlich und langsam und zögerlich nehmen die beiden ihre E-Mail-Freundschaft wieder auf. Ihre Nachrichten sind ebenso klug und witzig wie die im ersten Teil, doch es fehlt ihnen deutlich an Leichtigkeit. Was nicht zuletzt daran liegt, dass etwas zwischen Emmi und Leo steht und ihre Unbeschwertheit sich in Luft aufgelöst hat. Beiden ist klar, dass ihre Bekanntschaft nach der Sendepause ein neues Level erreicht hat und dass es irgendwann kein Zurück mehr gibt. Zwar hat Leo in Boston Pam kennengelernt und führt nun eine Fernbeziehung mit ihr, als Leser/Hörer ist einem jedoch von Anfang an klar, dass das nur ein halbherziger Versuch seinerseits ist, um Emmi und eine gemeinsame Zukunft mit ihr endgültig zu vergessen.

Logisch, dass das nicht funktioniert. Emmis und Leos Gespräche sind wesentlich intensiver, teilweise ernster und auch bissiger als noch im ersten Teil. Und diesmal sind die Rollen vertauscht, denn Emmi hat sich von ihrem Mann getrennt und wäre somit nun frei für Leo - doch der ist ja mit Pam zusammen. Ich muss sagen, dass ich diese vertauschte Konstellation etwas lieblos und konstruiert fand. Klar, auch im richtigen Leben gibt es die dümmsten Zufälle und irgendwie kommt nie der passende Zeitpunkt. Aber ich habe Emmi und Leo ihr gegenseitiges Angeschmachte und Bedauern darüber, dass der andere ja nicht frei ist, nicht mehr abgenommen. In Gut gegen Nordwind war das amüsant, aber von der Fortsetzung hatte ich einfach mehr erwartet.

Insgesamt punktet Alle sieben Wellen im Gegensatz zu Band 1 nicht mit Leichtigkeit, Lockerheit und ungezwungener Unterhaltung, auch wenn er sprachlich auf dem gleichen Niveau ist. Die Liebesgeschichte wirkte auf mich schlicht und ergreifend erzwungen, die beiden Hauptcharaktere waren mir bei Weitem nicht mehr so sympathisch - kurz und knackig: Für mich war hier die Luft raus. Was auch am Ende deutlich wurde, was kurz und lieblos und (so untypisch für Emmi und Leo) ohne viele Worte abgehandelt wurde. In gewisser Weise habe ich das Gefühl, dass Glattauer den Lesern geben wollte, wonach sie verlangten. Eben eine Fortsetzung mit Happy End. Aber dafür ist die so originell und einzigartig erzählte Story doch eigentlich viel zu schade.

Sprecher:

An den beiden Erzählern, Andrea Sawatzki und Christian Berkel, gab es auch diesmal absolut nichts auszusetzen. Die zwei sind für mich Emmi und Leo. Zänkisch, launisch, redegewandt, aber auch liebe- und verständnisvoll. Rein vom Erzählerischen her ist Alle sieben Wellen wie sein Vorgänger absoluter Hörgenuss.

Alle sieben Wellen ist zumindest für mich eine dieser Fortsetzungen, die es nicht gebraucht hätte. Sprachlich ist der E-Mail-Roman wieder Weltklasse, aber inhaltlich diesmal eher dünn und zu konstruiert. Die beiden grandiosen Sprecher konnten das aber zumindest teilweise wieder ausbügeln.



Die Reihe:

2. Band: Alle sieben Wellen


(Geschrieben mit Links)

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