Sonntag, 16. April 2017

REZENSION: "Smoke" (Dan Vyleta)

Copyright carl's books


Titel: Smoke
Autor: Dan Vyleta
Genre: Roman / Dystopie / Fantasy
Verlag: carl's books
Erscheinungsjahr: 2017
Format: Taschenbuch mit Klappenbroschur (16,99 €)
Seiten: 612
ISBN: 978-3-570-58568-9

Im England des 19. Jahrhunderts kann niemand sein wahres Ich verbergen. Jedes Fehlverhalten, jeder unreiner Gedanke, jede Lüge wird unverzüglich durch dunklen, dreckigen, abstoßenden Rauch sichtbar, der dem Körper entweicht. Im Elite-Internat sollen Thomas und Charlie lernen, sich moralisch gut zu verhalten und werden für jeden Verstoß gegen die Schulregeln bestraft. Nur durch einen Zufall finden sie heraus, dass die Gesetze des Rauchs längst nicht für alle gelten. Nicht jeder rußfreie Mensch ist tatsächlich unbefleckt. Gibt es Mittel und Wege, den Rauch zu unterdrücken? Wem ist daran gelegen, Sünder öffentlich zu brandmarken? Thomas und Charlie stellen Nachforschungen an, wodurch sie sich schnell den Zorn der Erwachsenen auf sich ziehen - von Menschen, die mehr macht besitzen als sie. Letztlich bleibt ihnen nur die Flucht, doch ihre Verfolger sind ihnen dicht auf den Versen.

Das Cover ist für mich als Londonliebhaber einfach eine Augenweide. Würde es ein Plakat dazu geben, würde ich es mir definitiv an die Wand hängen. Mir gefällt außerdem, wie im Inneren des Buches das Thema fortgeführt wird, sodass einige ausgewählte Seiten mit einem zarten Rauch hinterlegt sind. 

  Buchtrailer zu Smoke

 

Geködert man mich - abgesehen von  dem Cover und dem Klappentext - die Aussage, es würde sich um eine Mschung aus Charles Dickens und J.K. Rowling handeln, die ich irgendwo gelesen habe (leider weiß ich nicht mehr wo). Da ich beide Autoren unglaublich gerne lese, schien der Roman also wie gemacht für mich zu sein. Tatsächlich hat mich Vyletas Schreibe öfter an den ausschweifenden, detaillierten Stil von Charles Dickens erinnert, was auch sehr gut zum Setting und der Epoche gepasst hat. Eine Parallele zu Rowling konnte ich jedoch nicht ziehen. Höchstens die Tatsache, dass die Protagonisten Schüler eines Internats in England sind und die Handlung recht düster und mit Fantasy-Elementen geschmückt ist, erinnert an Rowling, aber rechtfertigt einen solchen Vergleich in meinen Augen nicht wirklich. Darüber konnte ich jedoch nach einer Weile hinwegsehen.
Das Konzept an sich war ausgesprochen interessant und klang unglaublich spannend. Gesellschaftlich-moralische Verurteilungen, Verschwörungen, Intrigen, Korruption, rebellische Charaktere und Antagonisten, eine Prise Liebeswirrwarr - es war im Prinzip alles vorhanden. Demnach hätte der Roman nur großartig werden können... und doch hat er mich nicht recht gepackt. Durch den Anfang habe ich mich regelrecht gekämpft, weil ich erstmal ein wenig desorientiert war. Ich wusste zwar, wo ich mich befand, aber nicht so recht, wie ich das Geschehen oder die Leute einordnen sollte. Es ist definitiv kein Werk, bei dem man sofort eine emotionale Bindung zu den Akteuren hat, und auch im Verlauf der Handlung habe ich in der Beziehung kaum eine Verbesserung gespürt. Ich konnte mich mit keinem der Charaktere identifizieren. Ich mochte zwar Thomas' Art, die Dinge zu hinterfragen, aber manchmal ging er mir auf die Nerven. Charlie erschien mir meistens etwas naiv bzw. kam ich nicht damit zurecht, dass er manchmal bewusst die Augen vor der Wahrheit verschlossen hat. Solche Charakterzüge mag ich einfach nicht. Livia fand ich anfangs unausstehlich mit ihrer Moralapostel-Attitüde. Ich konnte sie erst besser leiden, als sie ihr unschuldiges Gehabe allmählich abgelegt hat. Dennoch hatte ich bei keinem der drei das Gefühl, in ihr Innerstes vordringen zu können, sodass mir ihre dramatischen Erlebnisse nicht sonderlich nahe gegangen sind. Auch der ständige Erzählerwechsel hat bei mir hin und wieder (trotz der einleitenden Überschriften) Verwirrung gestiftet, denn Vyleta springt nicht nur zwischen den Protagonisten, sondern auch zwischen den Nebenfiguren hin und her.
Zum Storyverlauf lässt sich sagen, dass es durchaus viele bestürzende, brisante Momente gab, aber letztlich haben sie mich nicht umgehauen oder dauerhaft fesseln können. Ehe es einigermaßen rasant wird, ist man fast bei der Hälfte des Buches angelangt (das sind immerhin schon 300 Seiten). Wie gesagt, gefiel mir der Ansatz sehr gut, aber man hätte hier durchaus noch etwas an der Ausarbeitung feilen können. Mir kam es eher wie der Auftakt zu einer größeren, komplexeren Geschichte vor, denn gerade, als es einigermaßen interessant wurde, riss die Handlung ab. 

Cover und Klappentext waren äußerst vielversprechend, aber im Endeffekt war der Plot nicht ganz so bahnbrechend wie erhofft. Weder war ich emotional involviert, noch konnte mich der Roman in atemlose Spannung versetzen, auch wenn ich Vyletas Stil mit jeder Seite mehr mochte. 



An dieser Stelle möchte ich mich noch ganz herzlich bei carl's books für das Besprechungsexemplar bedanken! :-)

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