Sonntag, 23. April 2017

REZENSION: "Sieben Jahre später" (Guillaume Musso)

Copyright Osterwold (Hörbuch Hamburg)
Titel: Sieben Jahre später
Autor: Guillaume Musso
Genre: Roman / Krimi
Sprecher: Heikko Deutschmann
Erscheinungsjahr: 2013
Format: Hörbuch (13,95 €), TB, eBook
Länge: 5 Stunden, 38 Minuten (416 Seiten), gekürzte Lesung
ISBN: 978-3-86952-174-9

Nikkis und Sebastians Hochzeit war von Anfang an ein Fehler - die extrovertierte Schönheit und der eher konservative Geigenbauer aus gutem Hause passen einfach nicht zusammen. Das müssen sie schließlich auch einsehen und lassen sich scheiden. Das Sorgerecht für die gemeinsamen Zwillinge wird gerecht aufgeteilt: Während Sohn Jeremy bei Nikki aufwächst, zieht Sebastian dessen Schwester Camille auf. Fortan sieht sich das ungleiche (Ex-)Paar so gut wie gar nicht mehr. Doch das ändert sich urplötzlich, als Jeremy sieben Jahre später auf mysteriöse Weise verschwindet. Widerwillig arbeiten Nikki und Sebastian Hand in Hand, um ihren Sohn zu finden - es folgt eine rasante Verfolgungsjagd quer über den Globus. Und währenddessen müssen sich die beiden auch ihren Gefühlen stellen...

Das Cover passt nicht unbedingt perfekt zur Handlung, da es im Gegensatz zur Geschichte eher ruhig und harmonisch statt rasant und chaotisch wirkt. Nichtsdestotrotz gefällt es mir wirklich gut, weil es einfach Lust auf Paris und große Gefühle macht.

Geschichte und Erzählstil:

Guillaume Musso ist ja schon lange kein unbekannter Autor mehr - mit Sieben Jahre später habe ich nun auch endlich eines seiner Bücher gelesen bzw. in diesem Fall gehört. Ich habe überhaupt nicht gewusst, was genau auf mich zukommt und mich einfach mal ganz unvoreingenommen auf die Geschichte eingelassen. Und das war auf jeden Fall gut so, denn was wie eine vermeintlich vorhersehbare Romanze mit Hindernissen beginnt, entwickelt sich zu einer vollkommen abstrusen, wahnwitzigen Story mit einer unerwarteten Wendung nach der anderen - damit hatte ich nun überhaupt nicht gerechnet.

Aber erstmal von Anfang an: Zu Beginn lernen wir Sebastian kennen, einen nicht unbedingt sympathischen, ziemlich konservativen und humorlosen Typen, der seine 15-jährige Tochter Camille gerne überwacht, um auch ja sicherzustellen, dass sie sich genauso entwickelt, wie er es möchte. Der Fokus liegt die meiste Zeit über auf ihm und am Anfang wäre ich ihm so manches Mal gerne an die Gurgel gesprungen. Seine Exfrau Nikki hingegen ist aus einem ganz anderen Holz geschnitzt - im Gegensatz zu Sebastian nimmt sie das Leben nicht wirklich ernst, lässt dem gemeinsamen Sohn Jeremy jede Menge durchgehen und sticht vor allem aufgrund ihrer ständig wechselnden Männerliebschaften hervor. Wie diese zwei zueinander finden konnten - es ist einem zunächst ein Rätsel.

Eines, das sich jedoch im Verlauf der Geschichte auflöst, denn während Sebastian und Nikki der Spur ihres verschwundenen Sohnes kreuz und quer über den Globus folgen, erinnern sie sich zwischendrin immer wieder an ihre gemeinsame Vergangenheit. Es werden Sequenzen eingeschoben, in denen der Leser erfährt, wie die beiden sich überhaupt kennenlernten, sich ineinander verliebten und schließlich heirateten. Und eines ist klar: Nikkis und Sebastians Beziehung ist von Anfang an eine ziemlich schräge, die bereits auf absurde Weise begann und in der rasanten Suche nach dem gemeinsamen Sohn ihren Höhepunkt hat.

Was die beiden dabei erleben, lässt einen beim Lesen/Hören bisweilen schmunzeln, ungläubig die Augenbraue heben oder auch mal die Hand vor den Mund schlagen. Denn Nikki und Sebastian stellen sich denkbar ungeschickt an, gehen vollkommen naiv an die Sache heran und keifen sich zwischendrin immer wieder gegenseitig an. Dass das was wird - man glaubt es kaum. Es ist einfach amüsant, die verschlungenen Wege der beiden zu verfolgen, letztlich aber auch beeindruckend. Denn trotzdem sie sich so gar nicht ausstehen können, arbeiten sie nach anfänglichen Startschwierigkeiten eng zusammen, um Jeremy zu finden. Nebenbei begehen sie dutzende Straftaten, was vor allem den gesetzestreuen und moralisch einwandfreien Sebastian sehr grämt, stoßen auf ein absurdes Rätsel nach dem anderen und lernen sich gegenseitig auch von völlig neuen Seiten kennen.

Trotzdem ist Sieben Jahre später alles andere als eine schmalzige In-Krisenzeiten-finden-sie-wieder-zueinander-und-so-lebten-sie-glücklich-bis-an-ihr-Lebensende-Geschichte. Die Suche nach Jeremy verlangt Sebastian und Nikki einfach zu viel ab, als dass sie sich auch noch neu verlieben und sich mit schwülstigen Liebesschwüren aufhalten könnten. Hier finde ich es sehr schön, dass Musso bei aller Fantasterei realistisch bleibt und seine ungleichen Helden nicht bei der erstbesten Gelegenheit wieder zusammenbringt. Nichtsdestotrotz führt die Suche nach Jeremy den beiden jedoch auch vor Augen, dass sie eigentlich ein ganz gutes Team sind und zumindest eines gemeinsam haben: Die Liebe zu ihren Kindern.

Man darf die Geschichte prinzipiell nicht allzu ernst nehmen, denn natürlich ist vieles überspitzt dargestellt und viele Begebenheiten sind einfach zu absurd und zu abgedreht. Aber gerade das ist das Amüsante und Besondere an Mussos Roman. Das Ende war für meinen Geschmack dann deutlich zu abgefahren, hat aber irgendwie auch zu den zahlreichen vorangegangenen Erlebnissen gepasst. Insgesamt hat mich Sieben Jahre später angefixt: Guillaume Musso ist auf jeden Fall ein genialer Schriftsteller, von dem ich noch viele weitere Bücher lesen möchte und werde.

Sprecher:

Heikko Deutschmann ist ein recht bekannter österreichischer Schauspieler und das merkt man ihm auf jeden Fall an. Er liest Sieben Jahre später mit einer packenden Intensität, die dafür sorgt, dass man regelrecht in die Geschichte hineingesogen wird. Gleichzeitig verleiht er sowohl Sebastian als auch Nikki Stimmen, die zu ihren bisweilen zynischen Charakteren passen und vor allem die Dialoge waren einfach herrlich. Ein wahres Hörvergnügen!

Ziemlich skurril, ziemlich unglaublich, ziemlich witzig und ziemlich gut: So lässt sich Sieben Jahre später von Guillaume Musso am besten beschreiben. Ich bin wirklich überrascht und begeistert, auch von Heikko Deutschmanns Lesung. Jetzt freue ich mich auf Mussos andere Romane!



2 Kommentare:

Martina hat gesagt…

Liebe Svenja,
interessant, dass du dieses Buch so gut bewertest, denn ich finde, dass es das schlechteste Buch von Guillaue Musso ist, das ich bis jetzt gelesen habe! So abstrus und unglaubwürdig am Ende...obwohl temporeich und rasant! Seine Bücher sind übrigens KEINE Liebesgeschichten, wie es immer Titel und Cover suggerieren, sondern sind meistens so aufgebaut wie "Sieben Jahre später" und spannend.
Liebe Grüße
Martina

Svenja Prautsch hat gesagt…

Hallo Martina :)

Das stimmt, abstrus und unglaubwürdig ist es auf jeden Fall. Aber ich glaube, da ich mich von vornherein auf eine absurde Story eingestellt habe, die man nicht so ernst nehmen sollte, wurde ich einfach bestens unterhalten. Wobei es, glaube ich, auch daran liegt, dass ich es als Hörbuch gehört und nicht gelesen habe. Es war einfach die perfekte Unterhaltung für langweilige Autofahrten :D Ich bin auf jeden Fall gespannt auf Mussos andere Bücher.

Liebe Grüße
Svenja

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