Freitag, 14. April 2017

REZENSION: "A Quiet Kind of Thunder" (Sara Barnard)

Copyright Pan MacMillan Children's Books

Titel: A Quiet Kind of Thunder
Autor: Sara Barnard
Genre: Jugendroman
Verlag: Pan MacMillan Children's Books
Erscheinungsjahr: 2017
Format: Taschenbuch (7,29 €), E-Book
Seiten: 320
ISBN: 978-1-509-81098-7
Als kleines Kind hat Steffi's Familie geglaubt, sie wäre einfach still, schüchtern, introvertiert. Die Realität sah jedoch anders aus: sie leidet unter selektivem Mutismus und Panikattacken. Die einzigen Menschen, mit denen sie kommuniziert, sind ihre Familienmitglieder und ihre beste Freundin Tem. Umso paradoxer erscheint es ihr, dass ausgerechnet sie den neuen Schüler herumführen soll. Wie sich herausstellt, ist Rhys taub, und Steffi die Einzige an der Schule, die Gebärdensprache beherrscht. Das Mädchen, das nicht spricht, und der Junge, der nicht hören kann - eine perfekte Kombination! Die ersten Probleme ergeben sich jedoch, als die beiden Gefühle füreinander entwickeln. Denn es gibt Momente im Leben, in denen man seine Stimme und sein Gehör dringend braucht...


Die Aufmachung des Buches ist soweit gut. Nicht sonderlich auffällig oder außergewöhnlich, sondern eher schlicht. Das passt jedoch wiederum zu meinem Gesamteindruck von der Geschichte selbst.

Im Fall von A Quiet Kind of Thunder ist der metaphorische Titel wörtlich zu nehmen: Der Roman war nicht wirklich markerschütternd. Der Handlungsverlauf ist eher gemächlich, zwischendurch erschien mir die Geschichte sogar recht langatmig. Es waren kaum dramatische Höhepunkte auszumachen, sodass ich zwischenzeitlich versucht war, das Buch wieder beiseite zu legen. Insbesondere im Hinblick auf die Thematik (selektiver Mutismus und Taubheit) hätte ich hier mehr erwartet. Anfangs war es für mich noch sehr interessant mitzuverfolgen, wie Steffi und Rhys unabhängig voneinander aber auch zusammen mit ihrer Umwelt interagieren und das Beste aus ihrer Situation machen. Je weiter ich jedoch im Roman voran kam, desto weniger konnte mich dieser Aspekt fesseln (auch wenn das hart klingt). Einerseits lag das am Plot selbst, andererseits an der Figurenkonstellation.
An sich waren die Charaktere allesamt auf ihre Art und Weise liebenswert - und genau das war mein Problem, denn mir hat einfach ein richtiges Hassobjekt oder eine anderweitig hervorstechende Person hat.
Unabhängig von ihren jeweiligen Handicaps sind Rhys und Steffi wie füreinander geschaffen. Sie harmonieren perfekt miteinander, weil sie die Welt ähnlich wahrnehmen, aber sich hinsichtlich ihrer Mentalität größtenteils voneinander unterscheiden. Rhys ist eher eine Frohnatur, der auf Menschen zugeht bzw. zugehen kann und gerne mit anderen interagiert. Das steht natürlich im krassen Gegensatz zu Steffis Gewohnheit, sich im Hintergrund zu halten. An Rhys' Seite wirkt Steffi lebendiger. Er weiß sie gekonnt aus der Reserve zu locken und vermittelt ihr ein Gefühl von Normalität und Sicherheit. Dadurch hat sich eine neue Facette an ihr offenbart, die ihre ganze Ausstrahlung zum Positiven verändert hat. Allerdings ist mir in der Hinsicht schleierhaft, warum ihre beste Freundin Tem, die mindestens genauso lebensfroh und heiter ist wie Rhys, nie diesen Effekt auf sie hatte.
Auch in Bezug auf Rhys' und Steffis Beziehung erweist sich der Titel als ausgesprochen treffend. Wie Steffi es selbst so schön formuliert hat: was die Zwei füreinander fühlen, ist mehr ein (sanftes) Donnergrollen und -beben im Hintergrund als ein gleisend heller, aufregender Lichtblitz. Weniger spektakulär und leidenschaftlich, aber dafür intensiv und langanhaltend. Daran ist prinzipiell nichts auszusetzen - allerdings hat sich dieser Umstand in Bezug auf die Dramatik eher als kontraproduktiv erwiesen. Die beiden haben zwar auch Höhen und Tiefen, aber ebenso schnell, wie ein Problem auftaucht, wird es auch wieder beseitigt. Dadurch war das Geschehen nicht sonderlich aufregend und ich habe mich gelegentlich gefragt, worauf die Handlung eigentlich hinauslaufen soll. Im Nachhinein ist es mir natürlich schon klar: Die Beziehung hat Steffi mehr Selbstvertrauen gegeben und sie aus ihrer Isolation herausgeholt. Ihr neu gewonnenes Selbstbewusstsein hat jedoch einen unschönen Nebeneffekt gehabt: Zugunsten der Momente der Zweisamkeit hat sie zunehmend ihre beste Freundin Tem vernachlässigt, was ich definitiv nicht in Ordnung fand. Ich verstehe zwar, dass die erste Liebe aufregend ist und man dadurch alles andere unwichtig erscheint, aber es war Tem gegenüber einfach unfair und grausam. Sie war phasenweise so stark in ihrer rosaroten Blase gefangen, dass es sie nicht gekümmert hat, was ihre beste Freundin eigentlich treibt. Das ist mir extrem sauer aufgestoßen. Egoismus und (gelegentliche) Überheblichkeit sind einfach zwei Persönlichkeitsmerkmale, die ihr nicht gut stehen. Umso überraschter war ich, dass Tem sich das so lange hat gefallen lassen. Eigentlich ist sie von der Art her recht explosiv und unverblümt, weshalb ich erwartet hatte, sie würde sich ordentlich Luft machen. Stattdessen war sie sehr nachsichtig, hat viel zurück- und eingesteckt, weshalb meine Sympathien sich immer mehr zu ihren Gunsten verschoben haben. Allgemein hätte ich liebend gern mehr zu ihr und ihrer Person sowie zu ihrem neuen Leben an der Uni erfahren. Ich glaube, ihre Geschichte wäre wesentlich aufregender zu lesen gewesen (wenn ich so ehrlich sein darf).
Den einzigen längerfristigen Konfliktpunkt stellte Steffis Verhältnis zu ihren Eltern dar. An sich gehören die zwei zur "guten" Sorte, soll heißen, dass sie sich um ihre Kinder kümmern, Zeit mit ihnen verbringen wollen und sie nicht zum Spielball in ihrer Scheidung vor mehreren Jahren gemacht haben. Allerdings ist mir ihr überprotektives Verhalten des Öfteren auf die Nerven gegangen. Ihre Sorge war zwar durchaus begründet, aber auch demoralisierend. Ich meine, wenn nicht einmal die eigenen Eltern Vertrauen in ihr Kind haben, wer dann? Natürlich ist es für Erwachsene nicht einfach, ihren Sprösslingen dabei zusehen zu müssen, wie sie mit sich und ihrer Welt hadern und vielleicht sogar scheitern, aber wenn man sie von allem abschottet, haben sie auch nie die Chance, über sich hinauszuwachsen. Darüber hinaus hätte das familiäre Umfeld bzw. der familiäre Hintergrund noch Einiges mehr an Konfliktpotenzial bereitgehalten (Stichwort: Steffis Bruder), jedoch wurde das Thema immer nur angerissen und nie vertieft. Der Schwerpunkt der Geschichte war schlicht ein anderer.  

Basierend auf der Ausgangssituation hätte die Geschichte äußerst dramatisch und konfliktträchtig sein können. Das war jedoch nur bedingt der Fall. Für meinen Geschmack mangelte es an Spannungshöhepunkten und auch die Charaktere selbst haben mich nicht vollständig für sich einnehmen können. 



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