Montag, 24. April 2017

REZENSION: "Manche Tage muss man einfach zuckern" (Tamara Mataya)

Copyright Heyne Verlag


Titel: Manche Tage muss man einfach zuckern
Autor: Tamara Mataya
Genre: Roman / Liebesroman
Verlag: Heyne Verlag
Erscheinungsjahr: 2017
Format: Taschenbuch (9,99 €)
Seiten: 349
ISBN: 978-3-453-42169-1
Romantikerin und Dauersingle Sarah hat eine geheime Obsession: Täglich liest sie sich die Anzeigen auf der Internetseite Missed Connections durch, in denen Menschen der einen Person suchen, der sie bereits über den Weg gelaufen sind, die Gelegenheit zu einer Kontaktaufnahme jedoch haben verstreichen lassen. Noch hat Sarah die Hoffnung nicht aufgegeben, dass eines Tages einer der Beiträge an sie gerichtet ist. Vielleicht würde sich dann auch endlich das Bauchkribbeln einstellen, dass sie jedes Mal beim Anblick von Jack, dem Bruder ihres besten Freundes, verspürt. Gerade als ihr Leben durch ihren neuen Job bei Inner Space auf eine Katastrophe zuzusteuern scheint, meldet sich ein anonymer Verehrer auf Missed Connections - und auch Jack bekundet Interesse an ihr. Sarah ist verzweifelt: Wer ist nun Mr. Right?

Das Cover zeigt, wie man mit einfach Mitteln eine schöne optische Wirkung erzeugen kann. Es erinnert mich an farbenfroh gestaltete Tafeln vor Restaurants und Bars, die ich immer als sehr einladend, modern und kreativ empfinde.

Ich denke, ich muss nicht extra darauf hinweisen, dass Tamara Matayas Roman das Liebesromangenre nicht revolutionieren wird. Das heißt aber nicht zwangsläufig, dass man die Story nicht genießen könnte - denn das habe ich getan! Natürlich ist die Handlung vorhersehbar und selbstverständlich lag auf der Hand, wer Sarahs heimlicher Verehrer bei Missed Connections ist, weshalb ich häufiger etwas fassungslos angesichts ihrer schieren Blindheit war. Auch kann man der Tatsache kritisch gegenüberstehen, dass es ein wenig unlogisch ist, warum sie nicht einfach ihren Job gekündigt hat, wo sie sich doch so offensichtlich unwohl bei Inner Space fühlt. Dennoch habe ich die Geschichte die meiste Zeit mit Begeisterung verfolgt, einfach, weil der Schreibstil leichtfüßig, modern, angenehm und humorvoll und die Handlung chaotisch ist und weil die Charaktere so liebevoll und authentisch beschrieben werden. Wenngleich ich definitiv nicht alle Akteure leiden konnte (Ziggy, Fern und Phyllis, die Mitarbeiter bei Inner Space, haben mich einfach zu sehr aufgeregt und beinahe zum Laut-Aufschreien gebracht), hat man ein sehr gutes Gespür für sie bekommen. Sarah mochte ich auf Anhieb: Sie ist weder zu schüchtern, noch zu selbstbewusst, lässt sich nicht alles gefallen, bewahrt sich immer einen mehr oder weniger optimistischen Blick auf die Welt, ist witzig und schlagfertig. Sie wäre jemand, mit dem ich mich auch gerne privat umgeben würde. Warum sie allerdings mit ihren 25 Jahren bereits erste Anzeichen von Torschusspanik hat, war mir schleierhaft. Zumal sie hübsch und aufgeweckt ist und ihre Reize effektiv einzusetzen weiß, sodass sie durchaus beim männlichen Geschlecht ankommt. Das Problem ist wohl hauptsächlich, dass sie alle potenziellen Partner automatisch mit Jack vergleicht, in den sie seit Jahren verliebt ist. Er ist einfach zu perfekt, um wahr zu sein: hilfsbereit, einfühlsam, witzig, charmant und natürlich unglaublich gut aussehend. Für meinen Geschmack schon fast etwas zu viel des Guten, aber ich muss ja auch nicht mit ihm zusammen sein. Es ist auf jeden Fall nachvollziehbar, warum Sarah eine Schwäche für ihn hat, und im Grunde kann man niemanden als ernsthaften Konkurrenten zu ihm betrachten.
Würde der Fokus ausschließlich auf Sarahs Liebesleben liegen, wäre die Handlung sicherlich - trotz der erotischen Momente - eintönig und langweilig. Die nötige Würze bringt die Einbettung in den Hippie-/New-Age-Kontext, der im klaren Widerspruch zu Sarahs persönlicher Einstellung und ihren Prinzipien steht. Dieser Aspekt entbehrte eines gewissen Humors und ich fand insofern innovativ, dass er mir bisher nicht so häufig in Romanen begegnet ist. Er hat für viel Wirbel in Sarahs Leben und damit auch beim Lesen gesorgt, denn die vermeintliche Gelassenheit und der propagierte Einklang mit der Natur und seinem inneren Zentrum bei Inner Space sind nämlich nur Fassade, weshalb "die Schwingungen" überwiegend negativ waren. Während die Mitarbeiter anfangs einfach nur etwas "speziell" wirkten und ich sie einfach belächelt habe, war spätestens nach Sarahs erster Arbeitswoche klar, dass sie nicht richtig ticken. Vor allem Phyllis ist eine intrigante, manipulative Zicke, der ich am liebsten eine reingehauen hätte (verzeiht den Wutausbruch). Ich verzichte an dieser Stelle auf das Anführen von Beispielen - die Liste ihrer schauerlichen Taten ist einfach zu lang. Fern und Ziggy sind zwar weniger perfide, aber für Hippies sind sie doch recht unflexibel und wenig offen für andere Meinungen und Vorstellungen. Ich war teilweise wirklich schockiert, denn viele ihrer Ansichten sind (für einen rational denkenden Menschen) sehr befremdlich. Trotzdem hätte ich auf sie nicht verzichten wollen, denn für ordentlich Abwechslung haben die Drei allemal gesorgt.

"Am liebsten würde ich hingehen und den Laden aufmischen. Genau, ich würde koffeinfreie Teebeutel gegen koffeinhaltige austauschen. Ich würde genetisch verändertes Obst und Gemüse in ihren Kühlschrank legen. Ich würde auf den Boden mit raffiniertem weißem Zucker satanische Symbole zeichnen, und dann würde ich dich von dort entführen und nie wieder zurückgehen lassen." (S. 238)

Matayas Roman hat meine Erwartungen vollkommen erfüllt: es ist leichte Lektüre, bei der man sich fallen lassen soll und kann. Die einem - trotz der frustrierenden Momente, die Sarah immer wieder durchlebt - ein positives Lebensgefühl vermittelt. Eben wie ein Stück (oder eine Tafel) Schokolade nach einem anstrengenden, nervenaufreibenden Tag.



Mein Dank gilt dem Heyne Verlag für das bereitgestellte Rezensionsexemplar!

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