Dienstag, 25. April 2017

REZENSION: "Der letzte Stern (Die 5. Welle #3)" (Rick Yancey)

Copyright Goldmann Verlag


Titel: Der letzte Stern
Autor: Rick Yancey
Genre: Dystopie
Verlag: Goldmann Verlag
Erscheinungsjahr: 2016
Format: Hardcover mit Umschlag (16,99 €)
Seiten: 384
ISBN: 978-3-442-31336-5
Sie kamen, um sich die Erde zu nehmen: In vier Wellen haben die 'Anderen' die Menschheit nach und nach ausgelöscht. Doch noch ist sie nicht ausgerottet. Um zu Überleben sind Cassie, Zombie, Ringer, Sams und Evan von Gejagten zu Jäger, von Opfern zu Mördern geworden. Doch die größte und schlimmste Bedrohung steht ihnen noch bevor: die fünfte Welle. Vier Tage bleiben ihnen, um ihren Planeten zu retten - oder sie werden gemeinsam mit ihm untergehen. Der Countdown läuft.


Die Cover der gesamten dystopischen Reihe sind einfach wunderschön. Durch die glänzende, schimmernde Oberfläche wirken sie edel und sind ein echter Hingucker. Ich liebe sie einfach!

Wenngleich ich dem Finale der Trilogie schon seit geraumer Zeit entgegengefiebert habem, konnte ich doch nicht nahtlos an Das unendliche Meer anknüpfen, da die Lektüre des letzten Bandes schon einige Zeit bei mir zurückliegt. Die Namen waren mir zwar weitgehend vertraut, aber ich musste ersteinmal rekapitulieren, was zuvor geschehen ist, und einige emotionale Verbindungen zu einzelnen Charakteren (z.B. zu Ringer) waren bereits gekappt. Das hat für allerhand Startschwierigkeiten gesorgt, die ich auch im gesamten Verlauf des Romans noch zu spüren bekam. Manchmal war ich verwirrt, weil ich das Verhalten einiger Charaktere nicht ganz einordnen konnte. Yancey ist in der Beziehung auch keine Hilfe, da er - anders als bei den meisten Fortsetzungsromanen - zum Großteil auf ausführliche Zusammenfassungen vergangener Ereignisse verzichtet. Normalerweise gehöre ich auch zu denjenigen, die diese Passagen überflüssig finden, aber hier hätten sie sich definitiv angeboten. Allerdings hat das bei mir den Überraschungseffekt verstärkt, wenn das Geschehen plötzlich eine Kehrtwendung gemacht hat. Denn eines hat sich auch in diesem finalen Band nicht geändert: Man muss auf alles gefasst sein! Angefangen von aufkeimenden Gefühlen über (scheinbare) Seitenwechsel bis hin zu unerwarteten Toden. Natürlich war ich über einzelne Entwicklungen nicht immer glücklich, aber zumindest kam dadurch nicht allzu viel Langeweile beim Lesen auf.  
Dynamisch war der Roman auch in Bezug auf den Erzählstil. Yancey schreibt sehr speziell, d.h. wechselnd zwischen kurzen, prägnanten Sätzen und längeren Satzkonstruktionen. Deshalb wirken Gedankengänge manchmal wirr und unzusammenhängend und der Lesefluss gerät gelegentlich ins Stocken. Ich persönlich finde das nicht sonderlich schlimm. Im Gegenteil scheint es mir angesichts des Storyverlaufs und der Thematik passend. Ein blumiger, ausschweifender Stil würde wohl nicht gerade Weltuntergangsstimmung heraufbeschwören. Mord und Totschlag sind vorherrschend und haben Cassie, Evan, Zombie, Ringer & Co. auf den Boden der Tatsachen geholt. Es geht ums Überleben. Für Tagträumerein und Luftschlösser ist da einfach kein (oder zumindest kaum) Platz. Das spiegelt sich in jeder einzelnen geschilderten Perspektive wieder: Alle gehen schonungslos ehrlich mit der nahezu aussichtslosen Situation um, in der sie sich befinden, werden dabei nie weinerlich bzw. versinken in Selbstmitleid, sondern leben von einem Moment zum nächsten - immer in dem Bewusstsein, das dies ihr letzter sein könnte. Vielleicht ist es dieses Damoklesschwert, das über dem Geschehen geschwebt ist, der Grund, warum ich die Handlung zwar nicht mit angehaltenem Atem, aber doch mit viel Interesse weiterverfolgt habe. Es geht zwar insgesamt weniger blutig zu als in den vorigen Teilen, aber es war nicht weniger bestürzend. Ich habe regelrecht eine Achterbahn der Gefühle durchlebt. Besonders das Ende hat mich mitgenommen, hat mich fassungslos und überwältig zurückgelassen. Ich habe sogar einige Tränen verdrückt. Es war dramatisch, unerwartet, und sogar - für Yanceys Verhältnisse - gewissermaßen sentimental. Ich kann nicht behaupten, dass ich zufrieden mit dem Abschluss bin, aber er hat mich emotional doch überrollt. Hätte ich am Anfang eine Prognose abgeben müssen, wie die Trilogie enden würde, dann wäre sicherlich nicht das dabei herausgekommen. Das spricht definitiv für Yancey als Autor.


"Weißt du, was du tust, wenn du nicht aufstehen und marschieren kannst, Soldat?, fragt Vosch. Du kriechst." (S. 137)

"Ich habe es in ihrem Gesicht gesehen, als sie die Geschichte erzählt hat. Ich habe es in ihrer Stimme gehört. Zwischen dem Stirnrunzeln und den langen Schweigepausen war es zu erkennen. Als sie seinen Namen nannte und als sie es nicht über sich brachte, seinen Namen zu nennen, war es zu erkennen: Er ist der Grund, warum sie nich nicht aufgegeben hat, warum sie durchhält, ihre Raison d'être. Die Sache, für die es sich zu Leben lohnt." (S. 204)

Meine lückenhafte Erinnerungen an die vorigen zwei Teile haben dafür gesorgt, dass mir einige Ereignisse nicht ganz einleuchteten und meine persönliche Bindung an die Figuren nicht ganz so intensiv war, wie sie hätte sein können. Dennoch ist der Abschluss der Trilogie überraschend, bestürzend und letztendlich doch berührend gewesen. 



Rezensionen zu Teil 1 Die 5. Welle und Teil 2 Das unendliche Meer.


http://svenjasbookchallenge.blogspot.com/2015/05/rezension-die-5-welle-rick-yancey.html
© Goldmann Verlag
http://svenjasbookchallenge.blogspot.com/2015/06/rezension-das-unendliche-meer-rick.html
© Goldmann Verlag

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