Montag, 17. April 2017

REZENSION: "Better Life #2: Zerstört" (Lillith Korn)

© Drachenmond Verlag


Titel: Better Life: Zerstört
Autor: Lillith Korn
Genre: Dystopie
Verlag: Drachenmond Verlag
Erscheinungsjahr: 2016
Format: Taschenbuch (12,00 €)
Seiten: 239
ISBN: 978-3-95991-188-7


Nachdem Zoes Plan, das Programm "Better Life" endgültig zu löschen und damit das Unternehmen zu Fall zu bringen, gescheitert ist, geraten sie und Marvin in die Fänge von Natalie. Diese verfolgt ein perfides Ziel, das sie mithilfe des Programms erreichen will - und dafür braucht sie Zoe und Marvin. Nur Charlie gelang die Flucht. Von einem unterirdischen Bunker aus setzt sie gemeinsam mit der Aktivistengruppe Free Minds und dem ehemaligen Better Life Mitarbeiter Tristan alle Hebel in Bewegung, um die Pläne von Natalie zu durchkreuzen. Doch kann dieses gefährliche Unterfangen gelingen?

Das Cover passt mit der Düsternis, den Zahlencodes im Hintergrund und der maskierten Gestalt sehr gut zum ersten Band, gehört aber nicht unbedingt zu meinen Lieblingscovern des Verlags. Das liegt vermutlich an der Frau, deren Körperhaltung ich irgendwie merkwürdig finde.

Es ist schon eine Weile her, dass ich den ersten Teil von Lillith Korns Dilogie Better Life gelesen habe - dann war Band 2 in meiner Drachenpost und ich war sehr gespannt darauf, wie Zoes, Charlies und Marvins Geschichte nach diesem fiesen Cliffhanger weitergehen würde. Ich musste mir die Ereignisse vom ersten Teil erst einmal wieder in Erinnerung rufen, doch nach ein paar Seiten hatte ich Korns Helden erneut vor Augen.

Die Geschichte knüpft fast nahtlos an das Ende von Better Life: Ausgelöscht an. Während Charlie schwer verwundet im Bunker der Free Minds Aktivisten erwacht, finden sich Marvin und Zoe als Gefangene von Natalie, der psychopathischen Tochter des Better Life Gründers Grewe, wieder. Von Anfang an wird die Geschichte aus mehreren Perspektiven erzählt, sodass man als Leser einen Rundumblick auf das Geschehen hat. Hauptschauplätze sind diesmal die Diakonie Himmelspforte (was für ein zynischer Name), die als neues Better Life Hauptquartier dient, und der ortungssichere Bunker der Free Minds Aktivisten.

Hat man im ersten Band schon Grewe als skrupellosen, geld- und machtgeilen Psychopathen kennengelernt, der notfalls über Leichen geht, so legt Korn mit dessen Tochter Natalie als neuem Kopf von Better Life noch einmal eine Schippe drauf. Sie ist ein absolut unberechenbarer, mörderischer und offensichtlich vollkommen wahnsinniger Gegner, mit dem es anfangs vor allem Zoe und Marvin direkt zu tun haben. Natalies Charakter hat mich unglaublich fasziniert und die Hintergründe für ihr Handeln, die nach und nach ans Licht kommen, fand ich ziemlich spannend. Das Auslöschen von Erinnerungen und ganzen Persönlichkeiten hat mich ja bereits im ersten Band ziemlich schockiert, aber wie weit Natalie diese Praktiken treibt und was sie damit zu erreichen versucht - das haut einen schlichtweg von den Socken.

Generell war die Stimmung in Better Life: Zerstört ebenso bedrückend und düster futuristisch wie in Band 1 - vielleicht sogar noch einen Ticken grausamer. Korns Bild von einem zukünftigen Berlin, in dem schwebende Autos, Erkennungschips unter der Haut und sogenannte "neuroinformatische" Experimente an der Tagesordnung sind, hat mich bereits nach den ersten Seiten wieder vollkommen gefangen genommen. Ich finde ihre dystopische Welt, in deren Zentrum das scheinbar alles beherrschende Unternehmen Better Life steht, einfach großartig konstruiert und erschreckend realistisch. Wie schon im ersten Teil kam mir das alles aber leider wieder etwas zu kurz.

Stattdessen liegt der Fokus auf der plötzlich auftauchenden Aktivistengruppe Free Minds, die im ersten Teil nicht einmal am Rande erwähnt wurde. Und mit dieser Widerstandsorganisation, die mich im Großen und Ganzen stark an ähnliche Gruppierungen aus anderen dystopischen Romanen erinnert hat, rückt auch ein neuer männlicher Charakter in den Vordergrund: Tristan, den man bereits entfernt als besten Freund von Paul (Marvins neuer Persönlichkeit) aus Band 1 kennt. Während Zoe und Marvin (beziehungsweise Paul, der immer stärker das Ruder übernimmt) nahezu handlungsunfähig sind, bilden Tristan und Charlie das Rebellen-Gespann und kommen sich dabei (wie sollte es anders sein) natürlich auch näher. Das hat mich ebenso enttäuscht wie das doch ziemlich chaotische Hin und Her zwischen Widerstandskämpfern und Better Life.

Die Handlung war mir insgesamt zu dünn - das Drumherum hat mich, wie bereits gewähnt, nach wie vor fasziniert, aber bis auf Natalies perfiden und wahnwitzigen Plan, der sich erst am Ende offenbart, hat mich hier leider nicht viel mitgerissen und überzeugt. Vieles ging mir zu schnell, passierte sozusagen völlig aus dem Nichts heraus und zu vieles (zum Beispiel die Free Minds Gruppierung) wurde mir zu oberflächlich abgehandelt. Dass Better Life einfach mehr Raum benötigt hätte, um sich in vollem Umfang entfalten zu können, wird meiner Meinung nach bei Band 2 noch deutlicher. Schade, denn ich würde einfach so gerne noch viel mehr über Korns genial gezeichnete Zukunftsvision lesen. So hat man als Leser aber leider das Gefühl, dass die ganzen faszinierenden Ideen auf der Strecke bleiben und das Potenzial der Geschichte nicht einmal annähernd ausgeschöpft wurde.

In Bezug auf die Ideen und die vollkommen technisierte Welt ist Lillith Korns Better Life für mich nach wie vor eine der faszinierendsten Dystopien. Es gibt jedoch ein Aber: Die Handlung von Band 2 war mir zu chaotisch, zu unausgereift, zu zusammengequetscht. Mehr noch als beim ersten Teil hatte ich hier das Gefühl, das so viel wie möglich auf so wenige Seiten wie möglich gepresst wurde. Und das ist einfach sehr schade, weil mich das Resultat schließlich nicht in dem Umfang mitgerissen hat, wie es das eigentlich gekonnt hätte. Für mich ist Better Life: Zerstört daher ein wenig schwächer als der Reihenauftakt.



2 Kommentare:

Connys Bücherwelt hat gesagt…

Huhu ;)

ich habe euren interessanten und schönen Blog soeben erst entdeckt, gleich ein wenig gestöbert und bleib gern als Leserin da.

Den ersten Teil von Better Life habe ich auch schon gelesen, war aber nicht ganz so begeistert und habe mich daher an den zweiten noch nicht gewagt. Mal schaun, denn die Rezi klingt nun auch nicht so vielversprechend, auch wenn die dystopische Welt recht faszinierend ist.

Liebe Grüße von Conny und eine nette restliche Woche! :)

Svenja Prautsch hat gesagt…

Huhu Conny,

willkommen im bunten Tintenfässchen und vielen Dank für dein Lob :)

Der erste Teil hat mir persönlich wirklich besser gefallen als Band 2 - aber das muss nichts heißen. Ich habe auch schon gegenteilige Meinungen gehört: Einige finden Band 2 wohl besser als Band 1. Also würde ich es an deiner Stelle einfach mal versuchen, es ist ja doch alles subjektiv =) Und schlecht ist das Buch definitiv nicht, mir gefällt die futuristische Welt nach wie vor sehr sehr gut.

Liebe Grüße und ein schönes Wochenende,
Svenja

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