Freitag, 17. März 2017

REZENSION: "Retour - Luc Verlains erster Fall" (Alexander Oetker)

Copyright Hoffmann und Campe


Titel: Retour - Luc Verlains erster Fall
Autor: Alexander Oetker
Genre: Krimi
Verlag: Hoffmann und Campe
Erscheinungsjahr: 2017
Format: Klappenbroschur (16,00 €)
Seiten: 288
ISBN: 978-3-455-00009-2


Als Polizist hat sich Luc Verlain in Paris einen Namen gemacht. Neben seiner Arbeit liebt er vor allem schöne Frauen und gutes Essen - und sein Leben in der Hauptstadt Frankreichs. Doch als sein Vater schwer erkrankt, muss er dieses schweren Herzens aufgeben, um in seine alte Heimat Bordeaux in der Region Aquitaine zurückzukehren. Luc stellt sich auf einen ruhigen Alltag im hiesigen Polizeipräsidium ein, doch kaum ist er in dem beschaulichen Küstenstädtchen angekommen, geschieht auch schon der erste Mord: Am Strand wird die Leiche eines jungen Mädchens gefunden. Während sich Lucs neuer Partner sofort auf einen Verdächtigen versteift und damit eine regelrechte Hetzjagd auslöst, zieht Luc alle Möglichkeiten in Betracht. Und fühlt sich sehr zu seiner Überraschung auch zu seiner jungen Kollegin Anouk hingezogen.

Das Cover macht Lust auf Meer, gefällt mir aber trotzdem nicht ganz so gut. Ich kann gar nicht genau sagen, woran das liegt, aber vermutlich würde es in der Buchhandlung nicht meine Aufmerksamkeit erregen.

Im Februar hat mich Hoffmann und Campe mit dem Debütroman des Auslandskorrespondenten Alexander Oetker überrascht - Retour ist ein Krimi mit einem sympathischen Ermittler und einer wundervollen Urlaubskulisse. Oetker entführt den Leser ins Aquitaine, eine beschauliche Region an der französischen Atlantikküste, und hat schon alleine damit mein Herz erobert. Ich liebe einfach Geschichten, bei denen die Atmosphäre stimmt und das ist bei Retour definitiv der Fall. Man verliert sich nur allzu gerne in dieser wunderschönen und authentisch beschriebenen Gegend, auch wenn es eigentlich darum geht, einen Mord aufzuklären.

Anfangs hatte ich ehrlich gesagt so meine Schwierigkeiten, in die Handlung hineinzufinden. Diese nimmt zwar eigentlich recht schnell Fahrt auf, denn schon auf den ersten Seiten geschieht das Verbrechen, das Luc Verlain und seine Kollegen aufklären sollen, irgendwie wollte sich die Spannung aber noch nicht so recht einstellen. Die Geschichte baut sich trotz des Knalls am Anfang langsam auf, man muss erst einmal mit Luc warm werden, die Gegend auf sich wirken lassen - eben wie der Ermittler selbst in Aquitaine erst einmal ankommen. Nach den ersten 50 Seiten ungefähr habe ich aber gar nicht mehr darüber nachgedacht, wie sich das Buch nun liest. Ich war ab da mittendrin in der Handlung, folgte gebannt den Ermittlungen und stellte selbst so meine Mutmaßungen an. Einmal drinnen, sind die Seiten nur so dahingeflogen.

Zum einen liegt das an Oetkers Protagonisten: Luc Verlain ist keinesfalls ein Ritter in strahlender Rüstung - er ist ein Mensch mit Fehlern, hat eine Schwäche für Frauen und nimmt es in der Beziehung nicht so genau mit der Treue. Er ist ein Lebemann und trotzdem ist er einem sympathisch. Vor allem, weil er klare Prinzipien hat und man einfach merkt, dass er ein guter Polizist ist, der an Gerechtigkeit glaubt und seine Arbeit überaus ernst nimmt. Als Ermittler mag ich ihn wirklich sehr: Oetker hat hier einen Charakter kreiert, den man gerne noch auf vielen weiteren Fällen begleiten möchte. Ein solides, überzeugendes Grundgerüst also.

Solide ist auch die Kriminalgeschichte, denn statt auf Nervenkitzel setzt der Autor auf gute alte Detektivarbeit, was ich persönlich großartig finde. Beweisaufnahme, Zeugenbefragungen, Schlussfolgerungen, falsche Fährten, Indizien: Der Fall wird Stück für Stück aufgedröselt und untersucht und man schaut dem Ermittlerteam um Luc Verlain einfach unglaublich gerne dabei zu. Ich muss zwar sagen, dass ich doch schon recht früh eine Vorstellung davon hatte, wer der Täter sein könnte (die sich am Ende übrigens tatsächlich bewahrheitete), das hat die Kriminalgeschichte aber nicht weniger spannend gemacht, sondern liegt vermutlich einfach daran, dass ich als großer "Sherlock Holmes"-Fan, notorischer Krimiserien-Gucker und Krimi-Doku-Suchti schon eine Menge gesehen habe und man mich nicht mehr ganz so leicht hinters Licht führen kann. :D

Man hat mit diesem von Aufbau her sehr klassischen Krimi auf jeden Fall seinen Spaß, was nicht nur an dem Fall selbst, sondern eben an dem ganzen Drumherum liegt. Das reizvolle Setting, das gute Essen, das Luc Verlain regelmäßig genüsslich konsumiert, und seine Frauengeschichten lockern die Geschichte ein wenig auf, ohne aber zu aufdringlich und aufgesetzt zu wirken. Es ist einfach authentisch und alles in allem wunderbar harmonisch. Gleichzeitig spricht der Autor ebenso ernstere Themen wie Rassismus und Vorurteile an und webt diese gekonnt in die Geschichte ein - hier muss ich wirklich sagen: Chapeau! Auch Oetkers Schreibstil konnte mich überzeugen. Das Komplettpaket stimmt absolut!

Alexander Oetkers Debütroman Retour ist ein sehr gut umgesetzter Krimi der alten Schule, der von einem fantastischen Setting, einem sympathischen Ermittler und guter alter Detektivarbeit lebt. Der Einstieg war meiner Meinung nach etwas holprig, danach habe ich das Lesen aber absolut genossen - für mich erstklassige Unterhaltung.



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