Freitag, 31. März 2017

REZENSION: "Ein geschenkter Anfang" (Lorraine Fouchet)

© Atlantik Verlag


Titel: Ein geschenkter Anfang
Autor: Lorraine Fouchet
Genre: Roman
Verlag: Atlantik Verlag
Erscheinungsjahr: 2017
Format: Hardcover (20,00 €)
Seiten: 368
ISBN: 978-3-455-60056-8



Auf Groix, einer kleinen bretonischen Insel, kannte jeder Lou. Mit ihren Macken eroberte sie jedermanns Herz und vor allem lebte sie für die Liebe zu ihrem Mann Jo und ihren gemeinsamen Kindern Cyrian und Sarah. Doch mit ihrem Tod zerbricht etwas in der kleinen Familie. Jo findet keinen Zugang zu seinen Kindern, die der Insel nach dem Tod ihrer Mutter den Rücken kehren. Doch Lou hat Jo etwas hinterlassen - eine Aufgabe, die er erfüllen muss, um ihren letzten Brief an ihn zu erhalten. Er soll die Familie wieder zusammenbringen und seine Kinder und Enkel glücklich machen. Doch wie soll das gehen, ohne die starke Lou an seiner Seite?

Ich finde es großartig, dass das Cover gezeichnet ist - es wirkt so leicht und verträumt und passt einfach wunderbar zur Geschichte und auch zum Atlantik Verlag. Ich mag auch die hellen Farben und den weiten Himmel, so kann man sich direkt auf Lous und Jos kleine Insel träumen.

Ein geschenkter Anfang von Lorraine Fouchet hat mich schon im Februar als Überraschungspaket vom Atlantik Verlag erreicht - zugegebenermaßen bin ich mit der Rezension etwas spät dran, aber es kamen einfach so viele andere Bücher und dann auch noch die Buchmesse dazwischen. Jetzt habe ich diese wunderbar leichte, einfach schöne Geschichte endlich fertig gelesen und möchte euch meine Meinung natürlich nicht vorenthalten.

Die Geschichte beginnt mit dem viel zu frühen Tod von Lou, die einen Ehemann, zwei Kinder und zwei Enkeltöchter hinterlässt. Man lernt also jede der Figuren während der Trauerphase kennen, was ziemlich spannend ist, weil jeder von ihnen anders mit dem Verlust umgeht. Sehr berührt hat mich, dass die Charaktere immer noch mit Lou sprechen, wenn sie sich an die gemeinsame Zeit erinnern, Hilfe bei einer Entscheidung brauchen oder sie einfach nur schrecklich vermissen. Man erhält Einsicht in jedes Familienmitglied und sogar die Verstorbene selbst kommt zu Wort, was ich außergewöhnlich und sehr bewegend fand.

Der Einstieg fiel mir zwar etwas schwer, weil ich durch die ständigen Perspektivwechsel nicht wirklich einen Zugang zu den verschiedenen Personen finden konnte, das hat sich aber nach den ersten 50 bis 100 Seiten gelegt. Von da an waren mir die Figuren sehr vertraut, ich habe mit ihnen gefühlt und war einfach unglaublich gespannt darauf, wie sie sich im Verlauf der Handlung noch verändern werden. Denn dass sie es tun würden, stand von vornherein fest - schließlich gibt Lou ihrem Ehemann Jo aus dem Jenseits heraus (durch einen Brief, den sie beim Notar hinterlässt) eine nicht ganz so leichte Aufgabe: Er soll das zerrüttete Verhältnis zu seinen Kindern kitten und dafür sorgen, dass sie wirklich glücklich sind. Lou, die weiß, dass sie die Familie zusammengehalten hat, möchte, dass ihre Liebsten nach ihrem Tod nicht auseinanderdriften, sondern sich wider annähern und sich aufeinander stützen. Und das ist doch ein wirklich schöner Gedanke.

Anfangs steckt Protagonist Jo natürlich in einem unglaublichen Tief, das sogar soweit geht, dass er sein Leben gegen das von Lou eintauschen möchte. Jo ist eigentlich noch lange kein alter Mann, aber seine Hilflosigkeit und Verlorenheit nach dem Tod seiner Frau lassen ihn so wirken. Irgendwann rappelt er sich aber auf und geht Lous Aufgabe an - und wie er das macht, ist sehr ergreifend, aber auch ziemlich amüsant und einfach süß. Er spioniert beispielsweise die Frau und die Geliebte seines Sohnes aus, um herauszufinden, mit welcher von beiden er glücklicher ist. Und er macht es sich zur Aufgabe, seine gehbehinderte Tochter Sarah zu verkuppeln. Man hat das Gefühl, die ganze Familie tastet sich erst einmal ganz vorsichtig aneinander heran, denn unterschwellig brodeln viele unausgesprochene Gefühle und Gedanken.

Sehr bewegend fand ich vor allem die beiden Halbschwestern Pomme und Charlotte - beide Cyrians Töchter, aber von unterschiedlichen Frauen. Während Pomme ein unbeschwertes Leben auf der Insel Groix führt und es sich mit ihren 10 Jahren zur Aufgabe macht, auf ihren Großvater aufzupassen, wird Charlotte von der Zuneigung ihrer Mutter beinahe erdrückt und lässt sich daher aus Trotz auf so manch waghalsiges Abenteuer ein. Diese beiden grundverschiedenen Mädchen machen die Handlung noch einmal dynamischer und ich fand es einfach zu toll, mitzuverfolgen, wie sie sich einander annähern und langsam zu richtigen Schwestern, aber vor allem Freundinnen werden.

Nach diesen reichlich 350 Seiten habe ich Jos und Lous Familie ins Herz geschlossen und ich fand es am Ende doch ein wenig schade, dass ich sie ziehen lassen musste. Die Geschichte der starken Frau, die noch aus dem Jenseits heraus ihre Familie zusammenhält, hat mich insgesamt inspiriert und berührt. Ein wundervolles Buch vom Träumen und Weitermachen, aber letztendlich vor allem vom Leben.

Ein geschenkter Anfang konnte mich zwar nicht direkt von Beginn an fesseln, bald schon aber war ich dem Charme dieser ungewöhnlichen, zerrütteten Familie verfallen. Fouchet zeichnet ihre Charaktere derart liebevoll und detailreich, dass man sie alle trotz ihrer Fehltritte irgendwie lieb haben muss. Die Geschichte hat mich letztendlich in ihren Bann geschlagen und ich finde es einfach wundervoll, wie sie zeigt, dass auch der Tod eines geliebten Menschen ein neuer Anfang sein kann.



2 Kommentare:

Martina hat gesagt…

Liebe Svenja,
auch ich habe heute die Rezi zu "Ein geschenkter Anfang" eingestellt und ich habe es auf meinem Blog mit 4 1/2 Sternen und bei LB mit 4 Sternen bewertet. Es dauert etwas, bis man in die Geschichte findet und ich denke sie wirkt auch mehr nach bzw. hat sie mich nach dem Lesen nicht ganz losgelassen =)
Liebe Grüße
Martina

Svenja Prautsch hat gesagt…

Hallo Martina!

Da ging es uns auf jeden Fall ähnlich :) Ich finde auch, man braucht anfangs ein wenig, vor allem auch, um sich mit den grundverschiedenen Charakteren vertraut zu machen, aber gegen Ende war ich dann wirklich gebannt von der Geschichte und ich muss gestehen: Ich denke immer noch an Jo, Pomme, Charlotte, Cyrian, Sarah und Albane und frage mich, wie es ihnen auf Groix wohl ergeht und ob sie immer noch glücklich sind. Einfach zu schön <3

Liebe Grüße
Svenja

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