Freitag, 10. März 2017

REZENSION: "Eden Summer" (Liz Flanagan)

Copyright Aladin Verlag


Titel: Eden Summer
Autor: Liz Flanagan
Genre: Jugendroman
Verlag: Aladin
Erscheinungsjahr: 2017
Format: Hardcover (14,95 €)
Seiten: 368
ISBN: 978-3-8489-2093-8



Die allseits beliebte Eden und die schüchterne Jess sind so unterschiedlich wie Tag und Nacht - und beste Freundinnen, die immer füreinander da sind. Doch plötzlich verschwindet Eden spurlos und für Jess beginnt eine nervenzerfetzende Suche, während der sie sich fragen muss, ob ihre Freundin sich vielleicht etwas angetan hat. Um alle Möglichkeiten durchzugehen, muss sich Jess auch mit den dunklen Kapiteln in ihrer gemeinsamen Vergangenheit auseinandersetzen, denn sie und Eden mussten mehr durchstehen, als man sich vorstellen kann. Oder ist vielleicht Edens fester Freund Liam, zu dem sich Jess unweigerlich hingezogen fühlt, der Grund für ihr Verschwinden?

Das Cover gefällt mir prinzipiell ganz gut, sieht aber meiner Meinung nach zu sehr nach Kinderbuch aus. Eden Summer richtet sich zwar an ein jüngeres Publikum, ist jedoch auf jeden Fall ein Young Adult Roman und spricht ernste Themen ab. Deswegen finde ich das Cover nicht unbedingt passend zum Inhalt.

Heute stelle ich euch mein erstes Buch aus dem Aladin Verlag vor: Eden Summer ist der Debütroman der britischen Autorin Liz Flanagan und erzählt von einer Freundschaft, die so stark und inspirierend ist, dass sie mich auch nach dem Lesen noch nicht loslässt. Es geht um Eden und Jess, zwei 15-jährige Mädchen, die nicht unbedingt zusammenpassen. Jess wird von anderen Jugendlichen gerne als Goth-Braut bezeichnet, kleidet sich ziemlich ausgefallen, steht auf Tattoos und Piercings und verbarrikadiert sich am liebsten in ihrem Zimmer, um zu zeichnen. Vor allem nach einem schlimmen Erlebnis im Vorjahr ist sie ein typischer Einzelgänger, der eigentlich nur einen an sich heranlässt: Eden, die hübsch, reich und allseits beliebt ist.

Diese Konstellation wirkt zunächst vielleicht abgedroschen, aber man merkt schnell, dass Eden und Jess eine tiefe, echte Freundschaft verbindet. Die beiden sind immer - wirklich immer - füreinander da und stützen sich gegenseitig. Und das müssen sie auch, denn nicht nur Jess hat immer noch an einem Erlebnis in ihrer Vergangenheit zu knabbern, sondern auch Eden geht gerade durch die Hölle. Nach dem Tod ihrer Schwester gerät ihr Leben völlig außer Kontrolle, Alkohol- und Drogenexzesse sind bei ihr an der Tagesordnung. Bemerkenswert und beeindruckend fand ich es hier, wie Jess die Verantwortung übernimmt, auf ihre Freundin aufpasst und praktisch ihr ganzes Leben Eden opfert, die in ihrem derzeitigen Zustand einfach nicht in der Lage ist, das zu würdigen.

Man hat den Eindruck, dass Jess und Liam, Edens Freund, sich fast schon selbst aufgeben, um Eden wieder auf die Beine zu stellen. Sie steht im Mittelpunkt, immer. Das hat mich das wirklich berührt, denn die Kraft, die das die beiden kostet, muss immens sein - man kann sich das kaum vorstellen. Die stille, eigenbrötlerische Jess habe ich wirklich unglaublich bewundert. Auch wenn man bedenkt, was sie selbst durchgemacht hat. Mit Edens Verschwinden scheint Jess' Welt zusammenzubrechen, doch anstatt sich einzuigeln und auf die Polizei zu vertrauen, macht sie sich sofort selbst auf die Suche und lässt absolut nichts unversucht, um Eden zu finden.

Bemerkenswert ist dabei, dass der Roman bis auf den Epilog nur einen einzigen Tag umfasst - nämlich den Tag, an dem Eden verschwindet. Von dem Moment an, in dem Jess die Nachricht erhält, ist man ununterbrochen bei ihr, erlebt mit, welche Szenarien sie sich ausmalt und wie sie sich immer wieder zwingt, nicht vom Schlimmsten auszugehen und weiterzusuchen. Das schafft eine unglaubliche Nähe zur Protagonistin und man wird von der Handlung ebenso mitgerissen wie Jess von der Situation. Ebenso wie sie hetzt man atemlos von Anhaltspunkt zu Anhaltspunkt und das lässt einem keine Ruhe.

Unterbrochen wird die laufende Handlung dabei immer wieder von Jess' Erinnerungen an all die Dinge, die in den vergangenen Monaten vorgefallen sind. So erfährt man häppchenweise, was Jess selbst zugestoßen ist und wie sich Eden nach dem Vorfall um sie kümmerte, welches Geheimnis um ihre Schwester Eden kurz vor deren Tod aufdeckte und wie Eden sich danach immer weiter selbst verlor. Es ist eine Suche nach den Gründen für ihr Handeln, für ihr Verschwinden, die stellenweise einfach nervenzerfetzend und bedrückend ist. Das Schicksal der beiden Teenager, die noch mit letzter Kraft versuchen, sich gegenseitig aufzustellen, nimmt einen sehr mit und sowohl Jess' als auch Edens Erlebnisse lasten beim Lesen schwer auf einem. Mich hat diese Geschichte unglaublich bewegt und ich habe einfach nur gehofft, dass Jess' Eden lebend findet - auch und vor allem um ihretwillen, denn man hat die Vermutung, dass dieses junge Mädchen den Tod ihrer besten Freundin nicht verkraften könnte.

Das einzige, was mich an Eden Summer ein klein wenig gestört hat, ist die Liebesgeschichte zwischen Jess' und Edens Freund Liam. Sie wirkt irgendwie hineingequetscht und verschärft die ganze Situation zusätzlich, sodass man sich fragt, ob das nicht einen Ticken zu viel ist. Hier hatte ich den Eindruck, dass Flanagan versucht, alles Leid der Welt in die Geschichte der Freundinnen hineinzupressen. Nach all dem, was Eden und Jess erlebt haben, erschien mir das Gefühlschaos um Liam einfach ein wenig aufgesetzt und hätte nicht sein müssen. Ansonsten hat mich die Handlung aber durchgehend gepackt, nicht zuletzt aufgrund von Flanagans Schreibstil, der der Zielgruppe und ihrer jungen Protagonistin absolut angemessen ist und Jess' Gefühle sehr authentisch in Worte fasst.

Eden Summer ist ein melancholischer, stellenweise sehr dramatischer Roman, der von einer Freundschaft erzählt, die einfach berührt. Die Handlung ist spannend und mitreißend und man ist durchgehend nah dran an der starken Protagonistin. Bis auf die Liebesgeschichte, die meiner Meinung nach nicht unbedingt hätte sein müssen, bin ich von Liz Flanagans Young Adult Debüt wirklich überzeugt und kann es nur weiterempfehlen.



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