Donnerstag, 30. März 2017

REZENSION: "Der Fall Moriarty" (Anthony Horowitz)

Copyright GoyaLit
Titel: Der Fall Moriarty
Autor: Anthony Horowitz
Genre: Krimi / Detektivroman / Historischer Kriminalroman
Verlag: GoyaLit
Sprecher: Uve Teschner
Erscheinungsjahr: 2015
Format: Hörbuch (14,99 €), TB, eBook
Länge: 4 Stunden, 35 Minuten (343 Seiten)
ISBN: 978-3-8337-3365-9

Nachdem der gefürchtete Professor James Moriarty am Reichenbachfall ums Leben kam, nimmt ein anderer seinen Platz als Gangsterboss in der Londoner Unterwelt ein: Der Amerikaner Clarence Devereux. Der Scotland Yard Ermittler Athelney Jones, ein großer Bewunderer des vermeintlich ebenfalls ums Leben gekommenen Sherlock Holmes, und der Privatdetektiv Chase heften sich an Devereuxs Fersen, um seine Verbindung zu Moriarty aufzudecken und ihm das Handwerk zu legen. Doch bald schon werden die Ermittlungen immer verworrener und es stellt sich die Frage, ob Moriarty wirklich tot ist...

Das Cover mag ich sehr gerne, denn es ist schlicht, aber wirklich schick und passt natürlich sehr gut zum Handlungsort der Geschichte - dem historischen London. Sowohl die Farbauswahl als auch die Tower Bridge im Vordergrund gefallen mir ziemlich und dann ist da natürlich der große Schriftzug, der jedem Sherlock Holmes Fan sofort ins Auge springt: "Moriarty".

Geschichte und Erzählstil:

Vor mehr als anderthalb Jahren habe ich Anthony Horowitz' Pastige auf Arthur Conan Doyles "Sherlock Holmes"-Geschichten gelesen - und war begeistert. Für mich war es damals tatsächlich so, als würde ich einen neuen "Holmes" in den Händen halten und deswegen war für mich klar, dass ich auch Der Fall Moriarty unbedingt lesen muss, auch wegen des grandiosen Titels. Und von Anfang an baut Horowitz auch hier wieder diese einzigartige Atmosphäre auf und entführt den Leser in das düstere viktorianische London. Mit seinem Erzählstil trifft Horowitz erneut Doyles Ton genau, ohne ihn aber stümperhaft zu imitieren. 

Typisch Detektivroman sind auch die Figuren - wir haben wieder einen herausragenden Detektiv (diesmal jedoch leider nicht Holmes, sondern dessen "Fan" Athelney Jones vom Scotland Yard) und seinen nicht ganz so cleveren, dafür aber treuen Begleiter Chase, aus dessen Sicht die Geschichte erzählt wird. Diese beiden nehmen nun die Fährte des untergetauchten Verbrecher-Bosses Devereux auf und jagen diesem quer durch London hinterher. Dabei sind es vor allem die Schauplätze gewesen, die mich unglaublich fasziniert haben. Horowitz stellt das viktorianische London äußerst plastisch dar - fast hat man die schmutzigen Gassen vor Augen, das Rauschen der Themse im Ohr und die eindringlichen Gerüche der Straße in der Nase.

Die Geschichte selbst konnte mich diesmal allerdings nicht wirklich mitreißen. Ich fand zwar die Ausgangssituation spannend, in der Jones und Chase sich in der Schweiz treffen, um den Leichnam von Professor Moriarty zu inspizieren und durch eine Notiz die Fährte zu Devereux aufnehmen, die Handlung entwickelte sich danach jedoch nicht wirklich weiter. Es wurde bei Weitem nicht so rätselhaft, spannend und überraschend wie das in Das Geheimnis des weißen Bandes der Fall war. Auch die falschen Spuren waren relativ vorhersehbar und obwohl Jones teilweise passable Detektivarbeit leistet, ist er allenfalls ein schwacher Abklatsch seines Idols Sherlock Holmes.

Man wusste einfach von Anfang an: Irgendwas wird am Ende passieren, dass den gesamten Fall komplett umwirft. So kam es dann auch und ich war zugegebenermaßen nicht sonderlich überrascht. Von der Struktur her und in Bezug auf die Rätsel, die Jones und Chase zu lösen haben, ist mir Der Fall Moriarty insgesamt zu banal und lange nicht so knifflig wie die Fälle des Sherlock Holmes. Ich war also alles in allem doch recht enttäuscht, aber vielleicht kehrt Horowitz ja zu Holmes zurück. Das würde mir, glaube ich, besser gefallen.

Sprecher:

Den Ermittlern Jones und Chase gibt der Hörbuchsprecher Uve Teschner eine Stimme. Mir hat seine Interpretation sehr gut gefallen, weil ich finde, dass seine Stimme einfach perfekt zu einem Detektiv im viktorianischen London passt. Ich kann gar nicht genau erklären, woran das liegt, aber Teschner hat für mich die Atmosphäre abgerundet.

Nachdem mich Das Geheimnis des weißen Bandes so begeistert hat, war ich doch ziemlich enttäuscht von Horowitz' Der Fall Moriarty. Schauplatz, Erzählstil und Atmosphäre sind zwar wieder einfach großartig, Inspektor Jones und sein Kumpane allerdings ein sehr kläglicher Ersatz für Holmes und Watson. Weder die beiden Ermittler noch die Geschichte und der Kriminalfall konnten mich überzeugen. Ich glaube einfach nicht, dass mir das Buch besonders lange im Gedächtnis bleibt.



0 Kommentare:

Kommentar veröffentlichen