Samstag, 18. März 2017

REZENSION: "Das italienische Mädchen" (Lucinda Riley)

Copyright der Hörverlag
Titel: Das italienische Mädchen
Autor: Lucinda Riley
Genre: Roman / Liebesroman
Sprecher: Simone Kabst
Erscheinungsjahr: 2015
Format: Hörbuch (9,99 €), TB, eBook
Länge: 457 Minuten (560 Seiten), gekürzte Lesung
ISBN: 978-3-442-48009-8

Die elfjährige Rosanna Menici ist ein eher unscheinbares Mädchen, jedoch mit einer einzigartigen Gabe. Zum ersten Mal zeigt sie diese anlässlich des Hochzeitstages von Freunden ihrer Eltern: Rosanna singt das Ave Maria und schlägt damit alle in ihren Bann, auch den jungen Tenor Roberto Rossini, der ihr Talent sofort erkennt. Auf seine Empfehlung hin und mit der Hilfe ihres Bruders Luca absolviert Rosanna eine Gesangsausbildung und schafft es sechs Jahre später sogar an die Mailänder Skala. Dort begegnet sie auch Roberto wieder, der einen Ruf als Frauenheld genießt. Sie gibt sich alle Mühe, sich nicht auf ihn einzulassen, doch ihre Stimmen entwickeln auf der Bühne eine atemberaubende Magie und so kommen sich Rosanna und Roberto auch privat immer näher. Doch aus einer zarten Liebe wird bald schon eine gefährliche Obsession...

Das Cover ist wieder sehr romantisch gestaltet und greift auch einen wichtigen Handlungsort der Geschichte auf - Italien und die Bucht von Neapel. In dem Mädchen kann man sich außerdem gut die junge Protagonistin Rosanna vorstellen. Die hellen Farben treffen trotzdem nicht ganz meinen Geschmack, mir ist das zusammen mit den obligatorischen Blumen einen Ticken zu kitschig.

Geschichte und Erzählstil:

Bekanntermaßen zählt Lucinda Riley zu meinen Lieblingsautoren und nimmt mich mit ihren fesselnden Romanen um große Liebe und dunkle Familiengeheimnisse immer wieder aufs Neue gefangen. Das italienische Mädchen war nun eines von zwei Büchern von ihr, die ich noch nicht gelesen hatte, und ich war mir eigentlich sicher, dass es mich wie gewohnt begeistern würde. Das war allerdings leider nicht der Fall und das obwohl die Geschichte eigentlich vielversprechend anfing.

In den ersten Kapiteln lernt man die junge Rosanna Menici kennen, die als jüngste Tochter eines Café-Besitzers in Neapel aufwächst. Mit 11 Jahren besitzt sie eine außerordentliche Stimme und in den folgenden Jahren begleitet man sie dabei, wie sie diese immer weiter ausbaut und schließlich als junges, vielversprechendes Talent an die Mailänder Skala kommt. Die traditionsreiche Welt der italienischen Oper hat mich dabei sehr fasziniert, ebenso wie Rosannas unschuldige Liebe zur Musik und die Hingabe ihres älteren Bruders, der seine Schwester wo es nur geht unterstützt und seine eigenen Ziele hinten anstellt.

Riley konzentriert sich dabei aber wie üblich nicht nur auf eine Perspektive, sondern schildert parallel zu Rosannas Aufstieg auch, wie ihr Bruder Luca seine Bestimmung als Geistlicher findet und wie der mittlerweile gefeierte Tenor und Schürzenjäger Roberto seinen Siegeszug durch die Opernhäuser der Welt und Betten seiner Geliebten antritt. Natürlich kommt es, wie es kommen muss und ab diesem Moment begann mir die Geschichte irgendwie zu entgleiten: Rosanna und Roberto treffen an der Skala erneut aufeinander und Rosanna, die schon als 11-Jährige für Roberto geschwärmt hat, gibt sich ihm trotz ihrer Bedenken und der Warnungen ihrer Freunde und Bekannten hin.

Es ist hier nicht einfach nur die Rede von einer großen Liebe wider der Vernunft, sondern von einer regelrechten gegenseitigen Obsession. Bereits kurz nach ihrem Zusammenkommen leben Rosanna und Roberto nur noch füreinander, wobei Rosanna bald schon ihre Familie und ihre Karriere vernachlässigt, um rundum die Uhr bei Roberto sein zu können. Sie opfert sich vollkommen für ihn auf und das über Jahre hinweg. Romantik habe ich dabei leider gar nicht gespürt. Nicht zuletzt weil Roberto natürlich nach wie vor und trotz seiner schwülstigen Liebesbekenntnisse an Rosanna kein treuer Ehemann ist und man nur auf den Moment wartet, in dem er sich wieder zu einer anderen Frau ins Bett legt. Sowohl Rosanna als auch Roberto scheinen unbelehrbar und das macht die beiden als Protagonisten (zumindest für mich) schlichtweg unsympathisch.

Ich glaube, ich habe während des Hörens mehrmals mit den Augen gerollt, weil ich diese gegenseitige Besessenheit einfach nicht nachvollziehen konnte und mir die Liebe zwischen Rosanna und Roberto einfach so irreal und überzogen vorkam. Tatsächlich dreht sich der zweite Teil des Romans hauptsächlich um ihr gemeinsames Leben, das natürlich (wie könnte es anders sein) nicht nur von glühender Leidenschaft, sondern eben vor allem von Misstrauen, Eifersucht und Streitigkeiten geprägt ist. Das anfängliche Hauptthema, die Musik und Rosannas einzigartige Stimme, gerät in den Hintergrund und spielt kaum mehr eine Rolle. Das fand ich sehr schade, hat es die Geschichte doch insgesamt zu einer übertriebenen Romanze ohne jede Leidenschaft verkommen lassen.

Lucinda Riley kann erzählen - keine Frage. Ich habe ihren Worten trotz allem gerne gelauscht und langweilig ist Das italienische Mädchen ganz bestimmt nicht. Enttäuscht hat mich die Geschichte aber auf jeden Fall, denn statt großer Geheimnisse und Verschwörungen trifft man hier lediglich auf ein Paar, das eigentlich nur stimmlich miteinander harmoniert, sich aber auf Biegen und Brechen lieben will. Der Zauber, der die anderen Werke von Riley ausmacht, fehlt schlicht und ergreifend.

Sprecher:

Für die Vertonung von Das italienische Mädchen hat wieder Simone Kabst die Rolle der Erzählerin übernommen. Für mich eine sehr gute Besetzung, weil sie die doch sehr naive und durchgehend kindlich wirkende Protagonistin Rosanna perfekt verkörpert hat. Nur bei den männlichen Parts hat sie mich nicht ganz überzeugen können.

Es ist das erste Mal, dass Lucinda Riley mich mit einem ihrer Romane so richtig enttäuscht hat: Das italienische Mädchen kann einfach nicht mit ihren anderen Büchern mithalten. Die beiden Hauptcharaktere waren mir wenig sympathisch, die Geschichte verkommt ab der Mitte zu einer nicht sehr überzeugenden Romanze. Gut liest bzw. hört sich der Roman natürlich in bekannter Riley-Manier trotzdem, aber hier wäre definitiv mehr Potenzial da gewesen für eine fesselnde, magische Geschichte, wie man sie von der Autorin kennt.



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