Mittwoch, 15. März 2017

REZENSION: "Acht Wochen und ein Leben lang" (Miranda Dickinson)

Copyright Mira Taschenbuch


Titel: Acht Wochen und ein Leben lang
Autor: Miranda Dickinson
Genre: Roman / Liebesroman
Verlag: Mira Taschenbuch
Erscheinungsjahr: 2017
Format: Taschenbuch (9,99 €)
Seiten: 398
ISBN: 978-3-95649-606-6

Gerade noch sah sich Nell wieder glücklich vereint mit ihrem On-off-Freund Aidan, als sie plötzlich vor den Trümmern ihrer - nicht allzu glorreichen - Karriere steht. Was für die Einen ein Grund zum Verzweifeln ist, ist für Nell eine Art Befreiungsschlag. Kurzerhand packt sie ihre Koffer und reist für zwei Monate zu ihrer Cousine Lizzie nach San Francisco. Umgeben von herzlichen Menschen blüht Nell wieder auf und entdeckt ihre Leidenschaft fürs Backen - und ihren Traum von einem eignen Diner - wieder. Hier, im Land der unbegrenzten Möglichkeiten, hat sie die Chance auf einen Neuanfang - im Beruf und vielleicht auch in der Liebe... 


Die optische Gestaltung des Buches finde ich eigentlich sehr schön. Erstens mag ich es, wenn man bei Autoren ein gewisses Schema beibehält, was hier der Fall ist, und zweitens gefallen mir bunte Cover (wenn sie zum Ton der Geschichte passen). Natürlich sind die gezeichneten architektonischen Gebilde keine künstlerische Meisterleistung, aber passen ganz gut zum turbulenten Inhalt.

Der Einstieg in die Geschichte erfolgte problemlos. Ich konnte mir sofort ein erstes Bild von den einzelnen Figuren machen, es wurde deutlich, worum es geht und es zeichnete sich der erste Umbruch ab. An sich mag ich es ja, wenn Protagonisten aus ihrer Lethargie erwachen und beginnen, dass Leben zu genießen und ihre Träume zu verwirklichen. Das ist eindeutig das zentrale Thema des Romans und das war es auch, was mich so neugierig gemacht hat. Der entsprechende Reifungsprozess kann entweder sehr langsam und in kleinen Schritten vonstatten gehen, oder aber sehr schnell und drastisch. Miranda Dickinson hat hier den zweiten Weg gewählt - eine Tatsache, die mir entgegen meiner Erwartungen leider nicht allzu gut gefallen hat. "Hastig" wäre wohl das richtige Wort, um meinen Gesamteindruck vom Roman zusammenzufassen. Alles ging Schlag auf Schlag - angefangen vom Jobverlust über die Reise und das Anbahnen einer Sommerromanze bis hin zur Rückreise mit sofortiger Umsetzung des Plans gekoppelt an ein wenig Liebeschaos. Auch wenn ich es mag, wenn das Tempo mal angezogen wird, sollte es meines Erachtens auch Ruhephasen im Roman geben, damit man Zeit hat, die Ereignisse zu verarbeiten. Mir kam es jedoch so vor, als hätte es diese hier nicht gegeben. Dadurch waren mir die Charaktere bis zum Schluss merkwürdig fremd, obwohl sie umfassend beschrieben wurden. Ich hatte einfach keine Möglichkeit, mich in sie einzufühlen.
Zudem hatte ich mit Nell als Protagonistin meine Schwierigkeiten. Einerseits schätze ich ihren Tatendrang und ihre Steh-auf-Männchen-Mentalität, andererseits kann sich leider nicht sonderlich gut selbst einschätzen. Das fängt schon damit an, dass sie sich ihrer Gefühle nie ganz sicher ist. Ist es nur die Vertrautheit, die ihr beim Anblick von Aidan Bauchkribbeln beschert? Will sie ihn zurück oder ist es besser, wenn dieses Kapitel abgeschlossen wird? Zum Teil kann ich ihre Verwirrung durchaus nachvollziehen, da das emotionale Befinden nicht immer leicht einzuschätzen ist. Aber ihre Meinung schlug so schnell um, dass ich manchmal nur noch genervt war. Vielleicht hat meine mangelnde Begeisterung für Nells Liebesleben auch damit zu tun, dass ich von keinem der beiden Männer sonderlich angetan war. Aidan war zwar nicht wirklich der Anti-Held, wie man sich das vielleicht vorstellen mag, sondern hatte seine süßen, liebevollen Momente und hat sich wirklich um Nell bemüht, aber manchmal war er auch einfach etwas überheblich und hat sie wie ein verzogenes Kind behandelt. Max war quasi sein Gegenentwurf: aufmerksam, entschlossen in Bezug auf Nell (d.h. kein On-Off-Dilemma wie bei ihr und Aidan), charmant und als Bonus auch noch künstlerisch veranlagt. Trotzdem sprang der Funke nicht auf mich über, was teilweise an der rasanten Entwicklung ihrer Beziehung gelegen hat. Letztlich war es mir schon fast egal, auf wen die Wahl am Ende fallen würde. Immerhin bin ich mit dem, für den sie sich dann entschieden hat, wortwörtlich auf den allerletzten Seiten ein wenig warm geworden. 
Die übrigen Charaktere (Vicky, Lizzie, Ced usw.) haben zwar mehrfach Auftritte, sind aber eindeutig eher Komparsen denn tragende Figuren gewesen. Gerade über sie hätte ich gerne etwas mehr erfahren.
Weiterhin empfand ich die einzelnen Etappen - abgesehen von dem holprigen, deprimierenden Start resultierend aus der Kündigung - und deren Übergänge ineinander als zu utopisch dargestellt. Es mangelte an Konflikten, die der Geschichte die nötige Würze verliehen hätten. 
Die Begeisterung für das Thema Essen ist jedoch ohne Probleme bei mir angekommen. Nell und ihre Mitmenschen (und die Autorin) haben einen Faible für süße, extravagante Kalorienbomben von gigantischem Ausmaß, die meiner Meinung nach auch absolut göttlich schmecken. Ein Beispiel: belgische Waffeln mit Nutella, Marshmallows, gerösteten Mandeln, Banane und Schokoladensirup - eine Komposition, die (zurecht) den Namen "OMG" (Oh mein Gott!) trägt. Mir persönlich läuft da das Wasser im Mund zusammen (auch wenn das wohl der Zucker-Overkill ist). Würde Miranda Dickinson also ein Koch- und Backbuch veröffentlichen, würde ich es wahrscheinlich kaufen. Allgemein waren im Roman einige nützliche Tipps versteckt, worauf man bei der Gründung eines eigenen Geschäfts achten sollte. Für mich ist das zwar nicht relevant, aber aufschlussreich war es dennoch. 

Selbstfindungs- und Selbstverwirklichungsromane finde ich immer sehr ansprechend, weil sie mehrere Wendungen in der Handlung versprechen. Das war in Acht Wochen und ein Leben lang definitiv der Fall. Allerdings war mir das Tempo viel zu rasant, die Verlauf wiederum zu idyllisch und die Charaktere gingen mir leider auch nicht sonderlich unter die Haut. Dafür waren die Essensbeschreibungen sehr einprägsam. Insgesamt hatte der Roman nur einen mittelmäßigen Suchtfaktor auf mich. 



Mein Dank geht an Mira Taschenbuch für das Rezensionsexemplar!

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