Montag, 20. Februar 2017

REZENSION: "Wir fliegen, wenn wir fallen" (Ava Reed)

Copyright Ueberreuter


Titel: Wir fliegen, wenn wir fallen
Autor: Ava Reed
Genre: Jugendroman / Liebesroman
Verlag: Ueberreuter
Erscheinungsjahr: 2017
Format: Hardcover (16,95 €)
Seiten: 304
ISBN: 978-3-7641-7072-1


Als Noels Großvater Phil stirbt, hinterlässt er ihm eine Liste mit 10 Wünschen - 10 Wünsche, die er gemeinsam mit Yara, dem Mädchen, das Phil bis zu seinem Tod täglich vorlas, erfüllen soll. Beide sind wenig begeistert davon, an der Seite eines völlig Fremden durch die Welt zu reisen und die Dinge zu tun, zu denen Phil nicht mehr in der Lage war: Durch den Regenwald spazieren, die Polarlichter sehen, den Louvre besuchen. Doch aus Liebe zu dem alten Mann sagen sie schließlich zu und machen sich auf zu einem gemeinsamen Abenteuer. Bald schon merkt Noel, dass Yara gar nicht so unausstehlich ist, wie sie anfangs scheint und dass sie von einer tiefen Traurigkeit beherrscht wird. Und Yara kann nicht leugnen, dass sie sich langsam aber sicher zu dem verbitterten, ständig fluchenden Jungen hingezogen fühlt...

Das Cover ist ein absoluter Traum! Ich liebe einfach alles daran, die Farbe, die Pusteblumen, das Pärchen im Vordergrund und all die anderen Motive, von denen jedes einen Bezug zur Geschichte hat. Wirklich ein fantastisches, romantisches Cover.

In letzter Zeit hatte ich ehrlich gesagt nicht besonders viel Glück mit gehypten Büchern (siehe Book of Lies und Rat der Neun) - einen Versuch wollte ich allerdings noch starten und zwar mit Ava Reeds neuem Jugendroman Wir fliegen, wenn wir fallen. Das Buch ist in den sozialen Netzwerken gerade gefühlt überall und obwohl ich bisher noch nichts von Ava Reed gelesen hatte, haben mich das Cover, der Klappentext und all die positiven Meinungen einfach neugierig auf das Buch gemacht. Ja, da habe ich mich zugegebenermaßen ziemlich beeinflussen lassen :D Aber ich kann euch schon mal vorweg sagen: Diesmal war das die richtigste aller Entscheidungen!

Zunächst hält man Wir fliegen, wenn wir fallen für eine typische Teenieromanze: Braves Mädchen trifft sexy Bad Boy, beide können sich nicht ausstehen, kommen sich dann aber doch unweigerlich näher. Das trifft es allerdings nicht im Geringsten. Schnell stellt man fest, dass sowohl Yara als auch Noel ihre Päckchen zu tragen haben und dass sie jeder für sich in einer Art Blase vor sich hin leben, ohne die Außenwelt bewusst wahrzunehmen. Sie existieren und sind außerstande, sich auf jemand anderes zu verlassen - aus unterschiedlichen Gründen. Denn beide lassen sich von ihrer Vergangenheit bestimmen und man hat irgendwie das Gefühl, dass sie sich selbst aufgegeben haben.

Das ist der Moment, in dem Phils letzter Wille Yara und Noel vollkommen aus ihrer Lethargie herausreißt und ihnen eine Aufgabe gibt. Ein wirklich schöner Gedanke, der mich von Anfang an fasziniert und außerdem meinen tiefsten Respekt für diesen feinfühligen alten Mann geweckt hat. Es ist einfach wundervoll, Yara und Noel dabei zu beobachten, wie sie sich erst zögerlich und dann schließlich voller Tatendrang auf die Liste stürzen, Pläne schmieden und beschließen, Phils Wünsche in seinem Namen zu erfüllen - gemeinsam. Ohne dass sie es wissen, gibt es ihnen Hoffnung und führt sie langsam aber sicher zurück ins Leben. Das mag vielleicht kitschig klingen, ist es aber überhaupt nicht - vielmehr führt es einem vor Augen, dass es manchmal nur einen Schubs in die richtige Richtung braucht, um endlich weider frei atmen, wieder leben zu können und vielleicht sogar das große Glück zu finden. Da ich mich selbst zurzeit irgendwie gefangen in meinem Leben fühle, hat mich Yaras und Noels Geschichte ganz besonders berührt und bewegt.

Natürlich ist von Anfang an klar, worauf Yaras und Noels gemeinsamer Trip quer rundum den Globus hinausläuft. Aber das macht die Geschichte nicht weniger spannend oder innovativ. Im Gegenteil, man wartet regelrecht darauf, dass sich die beiden näherkommen, dass sie spüren, was sie aneinander haben und dass sie einander vertrauen können. Und hier finde ich es wirklich toll, dass Ava Reed einem keine Aschenputtel-Geschichte erzählt, sondern sehr einfühlsam und authentisch nachzeichnet, wie zwei Teenager, die bisher vom Leben enttäuscht wurden, erst wieder lernen müssen, zu vertrauen und sich auf jemanden einzulassen. Es gibt Höhen und Tiefen, Streit und Versöhnung und man denkt die ganze Zeit über: Genauso läuft so etwas ab. Ich jedenfalls habe Yaras und Noels Liebesgeschichte als sehr zart und zerbrechlich, aber auch als kraftvoll und heilend empfunden. Schlicht und ergreifend wunderschön.

Das ganze Gerüst um die Romanze herum - die Liste mit den Wünschen und schließlich die Weltreise - machen die Handlung noch packender und träumerischer. Ich habe wirklich jede Etappe der Reise genossen und hatte tatsächlich das Gefühl, dort an Yaras und Noels Seite in die Sterne zu blicken, die Nordlichter zu betrachten, durch den Regenwald zu stiefeln. Die Atmosphäre hat einfach durchgehend gestimmt und mich komplett in ihren Bann gezogen. Was soll ich sagen, ich bin eben eine Romantikerin. :D

Absolut positiv überrascht hat mich außerdem Ava Reeds Schreibstil. Nicht dass ich etwas Schlechtes erwartet hätte, aber bei einem Autor, den man noch nicht kennt, weiß man ja nie, was auf einen zukommt. Er hat mir außerordentlich gut gefallen! Avas Worte haben mich direkt auf den ersten Seiten abgeholt und mich auf diese wunderbare Reise mitgenommen, ganz ohne übertrieben schmalzig zu sein. Es hat sich einfach alles echt angefühlt. Die Worte waren für die beiden Charaktere perfekt gewählt (wie oft sagt Noel bitte "Scheiße"? :D) und die wechselnden Perspektiven haben dafür gesorgt, dass man Noel und Yara ganz besonders nahe war. Man konnte sie beide verstehen und hat sich einfach nur gewünscht, dass sich alles für sie zum Besseren wendet und sie nun endlich leben können.

Ich weiß - meine Rezension ist ein einziger Lobgesang. Aber was soll ich machen, Wir fliegen, wenn wir fallen ist einfach der erste Jugendroman seit Langem, der mich so richtig, aber wirklich so richtig begeistert hat. Eine wunderschöne Geschichte, in der man sich verliert und von der man schlicht und ergreifend möchte, dass sie niemals endet. Ich kann euch nur raten, gemeinsam mit Yara und Noel auf diese Reise zu gehen und sich auf das einzulassen, was wir alle viel zu selten tun: Leben. Wie der Titel schon sagt: Man kann sich beim Lesen komplett fallen lassen und hat dabei das Gefühl, zu fliegen



3 Kommentare:

Jasmin Kirchner hat gesagt…

Wow , das ist eine super Rezession !!!!!!!!!!!
Es steht schon auf meiner Wunschliste , aber nach diesen schönen Worten , werde ich es mir dann doch schon früher holen
Danke für deine sehr detaillierte Rezession, ich hab es sehr gerne gelesen, du findest einfach die passenden Worte
Einen ganz lieben Gruß

Svenja Prautsch hat gesagt…

Ach dankeschön für deine lieben Worte *-* Das Buch hat mich aber auch wirklich komplett überrascht und von den Socken gehauen. Ich bin schon gespannt darauf, wie du es findest :)

Liebe Grüße
Svenja

Corinna Pehla hat gesagt…

Hallo,

ich schleiche um dieses Buch wirklich herum... doch nicht mehr lange.
Danke für die schöne Rezension, da braucht man nicht mehr lange nachdenken ;)

Liebe Grüße
Corina

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