Samstag, 25. Februar 2017

REZENSION: "Tausend Nächte aus Sand und Feuer" (E.K. Johnston)

Copyright cbt

Titel: Tausend Nächte aus Sand und Feuer
Autor: Emily Kate Johnston
Genre: Fantasy
Verlag: cbt
Erscheinungsjahr: 2016
Format: Gebundene Ausgabe (16,99 €), E-Book
Seiten: 368
ISBN: 978-3-570-16406-8
Einst war Lo-Melkhinn ein guter Mensch, ein treuer Sohn, ein großherziger König. Doch nun versetzt er sein Volk in Angst und Schrecken. Dreihundert Ehefrauen hat er bereits auf dem Gewissen. Bis er die Eine erwählt, die wie durch ein Wunder die Hochzeitsnacht überlebt - und auch die nächsten. Ist sie die Eine, die der grausamen Herrschaft endlich ein Ende bereiten kann?


Optisch finde ich das Buch sehr schön und faszinierend. Es erzeugt sofort die richtige Stimmung und ich liebe die verschnörkelteGestaltung des Titels.

Ich hatte ursprünglich vor, einen großen Bogen um diesen Roman zu machen. Ich war einfach zu skeptisch gegenüber der Handlung, die mich basierend auf der Inhaltsangabe zu stark an Zorn und Morgenröte von Renée Ahdie erinnert hat (die Rezension dazu findet ihr *hier*). Gleich zu Beginn will ich positiv festhalten: abgesehen von dem frauenmordenden Herrscher und einer weiblichen Protagonistin, die wie durch ein Wunder nicht nur die Hochzeitsnacht, sondern alle folgenden Nächte überlebt, haben sie nicht viel gemein. Allein das Motiv der Protagonistin ist ein gänzlich anderes: sie wird nicht von Rache angetrieben, sondern von Liebe. Denn sie will ihre wunderschöne Schwester davor bewahren, Lo-Melkhinns nächste Frau und damit sein nächstes Opfer zu werden. Auch Lo-Melkhinn ist nicht wie Chalid, denn seine Grausamkeit hat eine ganz andere Ursache. Da es ein wesentlicher Bestandteil der Erkenntnisse unserer Hauptfigur ist, werde ich die Hintergründe nicht weiter vertiefen.
Entsprechend anders verläuft also auch der Roman, was ich zunächst sehr gut fand, denn ich wollte zwar eine Geschichte in einem ähnlichen Setting (ich liebe einfach die orientalische Atmosphäre - zumindest in Büchern), aber keinen Abklatsch von Ahdies Roman. Es geht weitaus fantasiereicher zu, denn Magie spielt eine enorme Rolle. Die Romanheldin verfügt nämlich über außergwöhnliche Fähigkeiten, die sie im Verlauf der Handlung entdeckt und trainiert. Dieser Aspekt steht - neben ihrer Sorge um ihre Familie - im Zentrum der Geschichte, da sie die einzige Waffe im "Kampf" gegen Lo-Melkhinn sind. Ich wahr gespannt darauf, wie sie sich zur Wehr setzt und das Problem löst. Entsprechend habe ich auch mit einem dramatischen Showdown gerechnet, mit welchem ich aber nur eingeschränkt zufrieden bin.
Die Charaktere selbst empfand ich eigentlich gelungen, allerdings kam es mir gelegentlich so vor, als wären sie sehr auf bestimmte Merkmale reduziert worden. Ich kann gar nicht zählen, wie oft die Schönheit der Schwester der Hauptfigur erwähnt wurde. Man hat zwar auch andere Dinge von ihr erfahren (ihr Glaube an die Kleingötter, ihre enge Bindung zu ihrer Schwester, ihre Leidenschaft), aber trotzdem kam mir die Beschreibung etwas dürftig vor. Ähnlich erging es mir mit Lo-Melkhinn, der eindeutig mit 'bösen' Eigenschaften attribuiert wurde. Meistens(!) habe ich ihm seine Grausamkeit abgekauft, auch wenn es Momente gab, in denen ich an ihm einige 'gute' Eigenschaften bzw. Absichten erkennen konnte. Das lag daran, dass es Johnston wichtig war, auch hin und wieder (besonders durch seine Mutter) auf seine positiven Charakterzüge und Leistungen aufmerksam zu machen. Es ist eben nicht immer alles Schwarz-Weiß und deshalb war er mir nicht durchweg unsympathisch.
An der Protagonistin habe ich nicht viel zu kritisieren. Sie ist eigensinnig, mutig, robust und klever, leidenschaftlich und kämpferisch, wenn es um ihre Familie geht, und verfügt über genug Weit- und Einsicht, um die Vor- und Nachteile der Herrschaft von Lo-Melkhinn und von ihren Taten abzuwägen. Was ich aber als sehr störend und anstrengend empfand, war ihr fehlender Name. Ich dachte zuerst, ich hätte ihn überlesen, aber sie bleibt tatsächlich anonym. Eigentlich ist Lo-Melkhinn der Einzige, der einen Namen erhält. Das führt zu solch unschönen Wortketten wie "der Vater meines Vaters Vater" und macht die Erzählung auch ein Stück weit unpersönlich.
Dafür liebe ich die Kosenamen, die sie (mehr oder weniger spöttisch) von ihrem Mann erhalten hat: "Stern meines Herzens" oder "Licht meines Herzens". Total schmalzig, aber irgendwie süß.
Zu guter Letzt noch ein paar Worte zum Schreibstil selbst. Der Ton passt sehr gut zu einer Fantasy-Geschichte und kreiert die meiste Zeit eine magisch-mythisch aufgeladene Atmosphäre. Dennoch kamen mir manchmal die Formulierungen zu unbeholfen und schlicht vor, als würde man einem kleinen Kind die Geschichte erzählen. Natürlich ist das typisch für Märchen und es macht letztlich auch Sinn, da es sich um eine mündlich tradierte Geschichte handeln soll. Dennoch bin ich häufig darüber gestolpert.

Anfangs war ich positiv überrascht, da ich einen Abklatsch von Zorn und Morgenröte erwartet hatte. Johnstons Roman jedoch schlägt eine ganz andere Richtung ein, sodass ich gespannt auf die Entwicklungen war. Letzlich war es jedoch nicht ganz so spektakulär, wie ich es mir erhofft hatte. 




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