Montag, 6. Februar 2017

REZENSION: "Rat der Neun #1 - Gezeichnet" (Veronica Roth)

Copyright cbt


Titel: Rat der Neun - Gezeichnet
Autor: Veronica Roth
Genre: Fantasy / Science Fiction
Verlag: cbt
Erscheinungsjahr: 2017
Format: Hardcover (19,99 €)
Seiten: 608
ISBN: 978-3-570-16498-3




Akos gehört dem Volk der Thuve an, die gemeinsam mit den verfeindeten Shotet den gleichnamigen Planeten bewohnen. Mit 14 Jahren werden er und sein älterer Bruder Eijeh von Soldaten der Shotet entführt und in das Haus ihres Anführers Ryzek verschleppt. In der Galaxie, die vom Rat der Neun regiert wird, haben alle Menschen eine besondere Gabe und einige sogar ein Schicksal, das ihr weiteres Leben bestimmt. Während Eijeh als zukünftiges Orakel von Ryzek missbraucht wird, um seine Macht zu mehren und die Übernahme von Thuve zu planen, ist es Akos vorherbestimmt, für Ryzeks Familie zu fallen. Aufgrund seiner besonderen Lebensgabe - er kann alle anderen Gaben durch Berührung außer Kraft setzen, wird er Ryzeks Schwester Cyra als persönlicher Beschützer zur Seite gestellt, denn Cyra kann anderen Menschen Schmerz zufügen und leidet selbst unter dieser Last. Und obwohl die beiden verfeindeten Gruppen angehören, kommen sie sich allmählich näher und müssen sich bald entscheiden - für ihre Familien oder für sich.

Das Cover finde ich großartig: Es ist düster und geheimnisvoll und erinnert an die Tötungsmale, die sich die Shotet für jeden Mord in den Arm ritzen. Es wird also ziemlich blutig und dunkel und genau das greift auch das Cover auf.

Für mich stand sofort fest, dass ich Veronica Roths neuestes Werk Rat der Neun unbedingt lesen muss, denn trotz der beiden schwachen Fortsetzungen hat mich Die Bestimmung schon ziemlich fasziniert. Und wie in ihrer Dystopie kreiert Roth auch in Rat der Neun wieder eine völlig eigene, mysteriöse Welt - diesmal jedoch gleich eine ganze Galaxie mit verschiedenen Planeten, einem alles umfassenden Energiestrom und einem obersten Rat, der alles kontrolliert. Dieses Universum ist faszinierend und fesselnd und ich fand diese völlig neue Fantasy-Idee ziemlich interessant.

Allerdings war sie für meinen Geschmack nicht optimal umgesetzt. Roth gibt sich zwar die allergrößte Mühe, ihr Universum so detailgetreu und ausgeklügelt wie möglich zu entwerfen, der Versuch bleibt jedoch weit hinter den gigantischen Welten anderer großer Fantasy-Reihen zurück. Die fremde Galaxie ist einfach nicht plastisch genug und daher nicht wirklich greif- beziehungsweise vorstellbar. Auf der einen Seite wird vieles erklärt (zum Beispiel dass die Völker der Planeten unterschiedliche Sprachen sprechen und jeweils auf etwas bestimmtes spezialisiert sind und dass der sogenannte Strom als zentrale Energiequelle dient), auf der anderen Seite ist allerdings vieles zu vage und skizzenhaft. So konnte mich die Welt, in der Rat der Neun spielt, nur bedingt überzeugen und bleibt über weite Strecken theoretisch, obwohl ich den Mix aus Science Fiction und Fantasy prinzipiell ziemlich spannend finde.

Ein weiterer Schwachpunkt des Romans liegt in der Erzählperspektive. Wie auch beim dritten Teil der Bestimmung-Reihe setzt Roth hier auf den Perspektivwechsel, stellt sich dabei aber erneut recht ungeschickt an. Zwar nimmt man Cyra und Akos im Gegensatz zu Trish und Tobias diesmal tatsächlich als zwei eigenständige, grundverschiedene Charaktere wahr, allerdings ist der Stil unausgereift und unglücklich. Cyras Episoden werden nämlich aus der Ich-Perspektive und Akos' aus der Er-Perspektive erzählt. Zum einen stolpert man darüber immer wieder und es stört den Lesefluss und zum anderen ahnt man als Leser schon, was Roth im zweiten Teil der Dilogie vorhat. Das Ganze ist ziemlich plump und es bleibt mir ein Rätsel, wieso sie sich nicht für einen Stil und eine Erzählperspektive entscheidet. Für beide Figuren einen auktorialen Erzähler einsetzen und fertig - ob ihr Stil moderne Kunst sein soll? Ich habe keine Ahnung.

Anders sieht das schon mit den Figuren aus. Roth präsentiert dem Leser eine große Palette an Charakteren, von denen man manche ins Herz schließt, die meisten jedoch von Anfang an verabscheut. Besonders die Protagonisten Cyra und Akos sind dabei überaus vielschichtig und interessant und es war für mich sehr spannend, die beiden miteinander agieren zu sehen, und zu beobachten, wie sie sich im Verlauf der Handlung entwickeln. Mit Cyra hatte ich zwar manchmal meine Probleme, weil ich nicht all ihre Taten wirklich nachvollziehen und sie auch hin und wieder gar nicht einordnen konnte, das hat sich aber gegen Ende gegeben. Auch die Sache mit den Lebensgaben und Schicksalen fand ich einfach genial, denn dadurch entstehen viele verschiedene Handlungselemente, die das Ganze dynamisch und außergewöhnlich machen.

Ryzek Noavek als selbsternannter, grausamer Herrscher und Autokrat wirkt auf mich hingegen recht stereotyp - es braucht eben einen skrupellosen Gegenspieler und so hatte ich das Gefühl, dass Roth sich hier nicht besonders viel Mühe gegeben hat. Gleiches gilt für die Liebesgeschichte zwischen Cyra und Akos. Diese war von Anfang an vorhersehbar und durchschaubar und ich dachte mir beim Lesen: Muss das denn sein? Wieder so eine schlecht umgesetzte und einfach abgedroschene Romeo-und-Julia-Story? Das war für mich ziemlich enttäuschend, denn so reduziert Roth ihre eigentlich grandiose Fantasy-Science-Fiction-Idee schlicht und ergreifend auf die Romanze der Protagonisten. Aaaaargh, das hat mich einfach unglaublich geärgert.

Und auch die Handlung insgesamt ist leider wenig originell und stellenweise ebenso chaotisch und unstrukturiert wie die der beiden Folgebände von Die BestimmungEs passiert einfach nichts Außergewöhnliches, die Charaktere rennen über weite Strecken planlos von A nach B und im Großen und Ganzen geht es fast ausschließlich darum, dass Akos und Cyra sich näherkommen, das aber eigentlich nicht dürfen. Und dann muss natürlich auch Ryzek aufgehalten und am besten gestürzt werden, es gibt eine Rebellion und so weiter und so weiter. Hat man alles schon mal gelesen. Das einzig Neue ist wirklich das Universum, an dem Roth einfach ein bisschen mehr hätte feilen müssen.

Insgesamt hätte ich mir Veronica Roths neuesten Jugendroman Rat der Neun spannender und innovativer vorgestellt. Es fehlt dem Roman einfach an Originalität und Tiefe. Auch die Handlung konnte mich über weite Strecken nicht wirklich überzeugen und war mir mit der vorhersehbaren Romanze und dem Konflikt zwischen den Shotet und Thuve zu beliebig und abgedroschen. Am Ball bleiben lassen einen aber das grundsätzlich faszinierende Universum und die vielschichtigen Charaktere. Die Geschichte hat definitiv Potenzial und ich werde dem Ganzen mit dem zweiten Band noch eine Chance geben.



Die Reihe:

1. Band: Rat der Neun - Gezeichnet
...ein weiterer Band folgt

2 Kommentare:

Sandy hat gesagt…

Hi Svenja,

es ist einfach immer ärgerlich wenn Geschichten mit solchem Potenzial nicht gut umgesetzt werden. Bin gespannt ob dich der zweite Band doch noch überzeugen kann! Danke für die hilfreiche Rezi. :)

Allerliebste Grüße, Sandy von BlackTeaBooks ☕

Svenja Prautsch hat gesagt…

Hi Sandy :)

Ja das stimmt, ich hab mich wirklich ziemlich geärgert :/ Und ich bin auch gespannt, ob es der zweite Teil noch reißen kann. Aber sind ja zum Glück nur zwei Bände :D

Liebe Grüße
Svenja

Kommentar veröffentlichen