Donnerstag, 9. Februar 2017

REZENSION: "Italienische Nächte" (Katherine Webb)

Copyright Randomhouse Audio
Titel: Italienische Nächte
Autor: Katherine Webb
Genre: Liebesroman
Sprecher: Anna Thalbach, Sascha Rotermund
Erscheinungsjahr: 2015
Format: Hörbuch (19,99 €), HC, TB, eBook
Länge: 433 Minuten (544 Seiten), gekürzte Lesung
ISBN: 978-3-8371-3148-2

Im Sommer 1921 folgt Clare ihrem Mann Boyd von England nach Italien, wo er für den wohlhabenden Landbesitzer Leandro Cardetta eine neue Außenfassade für sein Gut entwerfen soll. Als Clare gemeinsam mit Pip, Boyds Sohn aus erster Ehe, in Apulien eintrifft, muss sie feststellen, dass die kleine Gemeinde im Süden Italiens kein sicherer Urlaubsort ist. Die Feldarbeiter kämpfen erbittert für mehr Lohn und Rechte, während faschistische Truppen den Ort in Angst und Schrecken versetzen. Auch scheint Boyd irgendwie nicht mehr desselbe zu sein und entfremdet sich zunehmend von seiner Frau. Der einzige Lichtblick ist für Clare schon bald der einfache Arbeiter und Leandros Neffe Ettore und sie lässt sich auf eine verhängnisvolle Affäre mit ihm ein...

Das Cover fängt die wunderschöne Landschaft Italiens perfekt ein und macht direkt Lust auf einen Urlaub auf einem abgelegenen Landgut. Es passt natürlich auch sehr gut zur Geschichte und zum Handlungsort, wirkt aber nichtsdestotrotz mit all den Lilatönen leicht kitschig. Hier hätte es ruhig etwas weniger sein dürfen.

Geschichte und Erzählstil:

Das Hörbuch Italienische Nächte von Katherine Webb hatte ich bei einer Buchverlosung auf Lovelybooks.de gewonnen. Nachdem mich Das Versprechen der Wüste ja nicht so ganz überzeugen konnte, wollte ich Webb mit diesem Roman nochmal eine Chance geben. Und ich kann vorweg schon sagen: Italienische Nächte hat mich auf jeden Fall mehr berührt und gefesselt.

Zunächst einmal wartet Webb auch in diesem Buch wieder mit einem traumhaften Schauplatz auf und zwar dem wunderschönen Apulien im Süden Italiens. Das idyllische Bild eines kleinen Bauerndorfs wird allerdings recht schnell getrübt, denn nach dem ersten Weltkrieg kämpfen die meisten Menschen dort ums nackte Überleben. Arbeiteraufstände und faschistische Raubzüge sind an der Tagesordnung und so kann man Clares ungutes Gefühl, das sie von Anfang an in Italien zu haben scheint, absolut nachvollziehen. Ihre Geschichte wird also vor einem historischen Hintergrund erzählt, der es in sich hat und Webb gelingt es, die turbulente Zeit und die chaotischen Zustände im Apulien zu Beginn der 1920er Jahre sehr authentisch und packend zu veranschaulichen. Hier lernt man eine Seite der jüngeren Geschichte kennen, über die man (zumindest ich) bisher noch nicht allzu viel gelesen oder gehört hat.

In erster Linie ist Italienische Nächte aber ein Liebesroman mit zwei starken Protagonisten, aus deren Sicht abwechselnd erzählt wird. Zum einen trifft man auf Clare, die man anfangs für eine eher zurückhaltende, sehr disziplinierte Frau hält, die ihren Mann in allem unterstützt. Clare ist die Ersatzmutter von Boyds Sohn Pip und wünscht sich sehnlichst selbst ein Kind, was ihr Mann ihr allerdings verwehrt. Man spürt Clares Unzufriedenheit, ihre Frustration und ihren Unwillen, überhaupt in Italien zu sein, und schlägt sich ziemlich schnell auf ihre Seite. Als Leser teilt man auch ihre Faszination für den attraktiven Ettore, der jedoch nicht einfach nur ein Schönling, sondern ein hart arbeitender, stolzer Mann mit Prinzipien ist. Während Clare sich der Liebe zu Ettore recht schnell sicher ist, kann man aus seinen Passagen wiederum nicht herauslesen bzw. hören, wieso er sich auf die Affäre mit ihr einlässt. Nach dem Tod seiner Verlobten scheint er tief verletzt und nicht in der Lage, seine Gefühle richtig zu ordnen. Das macht ihn zu einem faszinierenden, rätselhaften Charakter.

An einigen Stellen lässt sich Clare für meinen Geschmack jedoch viel zu leicht beeinflussen, sei es von ihrem Mann Boyd, vom Gutsbesitzer Leandro oder eben von Ettore. Gegen Ende wird sie zu einer stärkeren Frau, aber eine zeitlang kam sie mir doch recht willenlos und manipulierbar vor. Da fand ich den Charakter Ettore, der wesentlich schwerer zu durchschauen war, doch spannender. Insgesamt haben mich die Charaktere wirklich überrascht, denn die meisten entwickeln sich am Ende doch ganz anders als gedacht. Hier kann man sich als Leser auf einige Überraschungen gefasst machen.

Trotzdem schwächelt die Handlung immer wieder und ist vor allem in Bezug auf Clares und Ettores Affäre manchmal ziemlich vorhersehbar. In Bezug auf das große Ganze war sie mir dann insgesamt leider auch etwas zu dünn. Mir fehlten hier die Emotionen, die Nähe zu den Figuren und (abgesehen von dem schockierenden, dramatischen Ende) ein paar mehr Überraschungsmomente. Zwar eine solide Geschichte, der man recht gerne folgt, aber leider eine, die nicht einzigartig und ausgefeilt genug ist, um lange im Gedächtnis zu bleiben.

Sprecher:

Und wieder habe ich ein Hörbuch gehört, das von der großartigen Anna Thalbach gelesen wird - abwechselnd mit Sascha Rotermund, den ich bisher noch nicht aus einer Produktion kannte. Seine Stimme hat mir nicht ganz so gut gefallen, war mir ein bisschen zu gewöhnlich und konnte die Figur des Ettore für meinen Geschmack nicht hundertprozentig authentisch verkörpern. Anna Thalbach hat mich allerdings wieder einmal komplett überzeugt - ich mag einfach ihre außergewöhnliche Stimme, mit der sie Emotionen und Tonfälle perfekt rüberbringt.

Auch Italienische Nächte konnte mich nicht hundertprozentig überzeugen. Trotz des spannenden Schauplatzes und der überraschenden Wendung am Ende fehlten mir die Emotionen und das gewisse Etwas, das die Geschichte mitreißend und packend gemacht hätte. Dennoch ein recht solider Liebesroman, der sich zumindest in der Hörfassung gut runterhört.



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