Sonntag, 12. Februar 2017

REZENSION: "Im Schatten das Licht" (Jojo Moyes)

Copyright Rowohlt Verlag


Titel: Im Schatten das Licht
Autor: Jojo Moyes
Genre: Roman
Verlag: Rowohlt
Erscheinungsjahr: 2017
Format: Klappenbroschur (14,99 €)
Seiten: 576
ISBN: 978-3-499-26735-2



Sarah wächst bei ihrem Großvater Henri auf und verbringt jede freie Minute bei ihrem Pferd Boo, das auf einem versteckten Pferdehof in den Gassen Londons untergebracht ist. Ihr Großvater bringt Sarah alles über das Dressurreiten bei, spornt sie zu Höchstleistungen an und tut alles dafür, um ihr eine glänzende Zukunft im französischen Cadre Noir zu ermöglichen. Doch als er einen Schlaganfall erleidet, bleibt Sarah nur noch die Liebe zu Boo und sie muss darum kämpfen, ihn zu behalten.
Unterdessen stehen die erfolgreiche Anwältin Natasha und der Fotograf Mac kurz vor ihrer Scheidung. Als Natasha eines Abends zufällig auf Sarah trifft, beschließen die beiden kurzerhand, die 14-Jährige bei sich aufzunehmen, bis es ihrem Großvater besser geht. Es beginnt eine turbulente Zeit, in der Natasha und Mac noch einmal als Paar zusammenleben und alles tun, um zu der verschlossenen Sarah durchzudringen. Doch als diese eines Tages plötzlich verschwindet, sind Mac und Natasha gezwungen, zusammenzuarbeiten und ihrer Spur von London bis Dover und schließlich nach Frankreich zu folgen. 

Ehrlich gesagt gefällt mir das Cover nicht ganz so gut. Das Bild selbst passt zwar vom Stil her zu den anderen deutschen Ausgaben der Bücher von Jojo Moyes und wirkt sehr stimmungsvoll, der weiße Rahmen harmoniert aber nicht besonders gut mit dem Motiv. Der hätte für meinen Geschmack gerne weggelassen werden können.

Bekanntermaßen bin ich ein großer Fan von Jojo Moyes' Romanen - sie sind einfach durchgehend gefühlvoll und packend. Deswegen habe ich mich unglaublich gefreut, als mich vom Rowohlt Verlag das Rezensionsexemplar zu ihrem neuen Buch Im Schatten das Licht erreichte. Wobei "neu" relativ ist, denn im englischen Original ist The Horse Dancer bereits 2009 erschienen. Anscheinend werden Moyes' ältere Romane gerade hervorgekramt und übersetzt, was ich grundsätzlich natürlich toll finde!

Wie der englische Titel vermuten lässt, dreht sich Im Schatten das Licht zum Großteil um Pferde. Anfangs hatte ich mit diesem Hauptthema ein paar Problemchen, denn ich kann nicht behaupten, ein großer Pferdefan zu sein und mich in der Materie besonders gut auszukennen. Die Liebe der kleinen Sarah zu ihrem Boo und die Geduld und Disziplin, mit der sie ihn trainiert, haben mich aber dann doch recht schnell in ihren Bann gezogen. Man spürt einfach, dass Pferde ein Thema sind, das Moyes selbst am Herzen liegt, und sie geht ganz klar mit fundiertem Hintergrundwissen und Leidenschaft an die Sache heran. Das hat mich nach einigen Seiten absolut gepackt und ich habe es genossen, an Sarahs Seite auf Boos Rücken dahinzufliegen, ihre Fortschritte zu beobachten und alles für ihn zu tun.

Denn Sarah sieht sich mit immensen Problemen konfrontiert, als ihr Großvater nach einem schweren Schlaganfall im Krankenhaus landet, und kann als 14-jähriges Mädchen natürlich nicht damit umgehen. Ich habe sie für ihre Selbstständigkeit und ihren eisernen Willen, Boo weiter zu versorgen und zu trainieren, bewundert, auch wenn sie alles andere als ein einfaches Kind ist. Manche ihrer Entscheidungen konnte ich schlicht und ergreifend nicht nachvollziehen und genau das macht sie zu einem sehr authentischen Charakter. Sie ist ein Teenager, der sich etwas in den Kopf gesetzt hat und nicht bereit ist, auch nur einen Zentimeter davon abzurücken - komme, was wolle.

Generell hat Moyes' wieder einmal mit ihren authentisch gezeichneten Figuren mein Herz erobert. Wie Sarah sind auch Mac und Natasha Menschen mit Ecken und Kanten. Vielschichtige Charaktere mit mehreren Seiten, für die man im einen Moment vollstes Verständnis hat, die man im nächsten allerdings schon wieder gar nicht verstehen kann. Das ungleiche Paar Mac und Natasha geht einem mit dem ständigen Gezanke etwa ziemlich oft auf die Nerven, andererseits muss man es einfach großartig finden, dass sie sich für ein völlig fremdes Kind noch einmal zusammenraffen und ihr Bestes geben wollen. Auch mit Henri, Sarahs vom Reiten fast schon besessener Großvater, und Cowboy John, ein amerikanisches Original, auf dessen Großstadthof Boo untergebracht ist, hat Moyes zwei sehr eigene und dabei liebenswerte Charaktere entworfen, die die Handlung bereichern.

Neben den tollen Protagonisten weiß Im Schatten das Licht aber eben auch mit einer abwechslungsreichen, berührenden und mitreißenden Geschichte zu überzeugen. Es geht um die unendliche Liebe eines Kindes zu ihrem Pferd, um Aufopferung und Selbstlosigkeit, um eine Liebe zwischen zwei Menschen, die fast schon verloren scheint, und darum, über seinen Schatten zu springen und sich für das einzusetzen, das einem am Herzen liegt. Von Sarahs Schwierigkeiten als Pflegekind über Macs und Natashas Eheprobleme bis hin zu Henris eigener, trauriger Vergangenheit hat mich einfach alles in diesem Roman bewegt. Es gab Momente tiefer Traurigkeit, es gab aber auch lustige Szenen und Passagen, die mich einfach nur wütend gemacht haben. In meinen Augen spricht das für die Emotionalität und Originalität der Geschichte - Jojo Moyes hat mich wieder einmal von vorne bis hinten überzeugt.

Mein einziger kleiner Kritikpunkt: Das Ende war für meinen Geschmack etwas zu rosarot, denn wer Moyes' Romane kennt, weiß ja - Happy Ends sind bei ihr nicht unbedingt an der Tagesordnung. ;) Nichtsdestotrotz ist das Ende natürlich auch Balsam für die Seele. Im Schatten das Licht ist für mich ein absoluter Wohlfühlroman, in dem nicht (wie so oft) eine abgeschmackte Romanze im Vordergrund steht, sondern der Traum eines junges Mädchens und ihr eiserner Wille, diesen zu verwirklichen. Ich finde die Story sehr inspirierend und einfach wunderschön.

Keine Angst - Im Schatten das Licht ist kein reiner Pferderoman, sondern handelt von großen Träumen, von kleinen Schritten und von der Kraft, das eigene Leben in die Hand zu nehmen. Angereichert ist das Ganze mit einer süßen, bewegenden Geschichte und mit "echten" Charakteren, die man einfach ins Herz schließen muss. Für mich ein typischer Moyes mit Lieblingsbuch-Potenzial und ein absolutes Must Read in diesem Frühjahr.



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