Mittwoch, 25. Januar 2017

REZENSION: "Königreich der Schatten - Die wahre Königin" (Sophie Jordan)

Copyright HarperCollins ya!

Titel: Königreich der Schatten - Die wahre Königin
Autor: Sophie Jordan
Genre: Fantasy / Jugendroman
Verlag: HarperCollins ya!
Erscheinungsjahr: 2017
Format: eBook (13,99 €), Hard Cover (18,00 €; ab 6. März 2017)
Seiten: 384
ISBN: 978-3-9596-7070-8
Als Lunas Eltern, der König und die Königin von Relhok, ermordert werden als sie noch ganz klein ist, gelingt ihr die Flucht nur durch Sivo und Perla, zwei Angestellte im Schloss. Nun leben die drei in einem Turm, versteckt in den Tiefen des finsteren Waldes. Dorthin verirrt sich niemand - zumindest bisher nicht. Doch als Luna im Wald auf eine Gruppe Menschen stößt, die in der Breduille stecken, eilt sie ihnen zur Hilfe und nimmt sie auf. Anstatt ihr den gebührenden Dank entgegenzubringen, wehrt sich Fowler jedoch gegen ihre Gastfreundschaft. Für ihn steht fest, dass er schon bald wieder aufbricht. Doch plötzlich stehen die Soldaten von Cullum, dem neuen König von Relhok, vor der Tür und alles wird ganz anders. Luna schwebt in Gefahr und kann nicht länger bleiben. Sie muss fliehen - mit Fowler an ihrer Seite.

Der Hintergrund trifft nicht ganz meinen Geschmack, da ich die Ranken als zu störend empfinde. Allerdings mag ich die Umfunktionierung bzw. Transformation der Blume zu einer Krone. Das ist eine sehr schöne Idee, die dem Cover ein gewisses Flair verleiht.

Als ich gelesen hatte, dass Sophie Jordan einen neuen Roman bzw. eine neue Reihe herausbringt, wusste ich, dass ich sie lesen möchte. Schließlich hatte mir Infernale sehr zugesagt (Infernale - Rhapsodie in Schwarz erscheint am 13. März 2017) und ich war gespannt, welche Stoffe sie für das Fantasygenre bereithält. Leider hat sie mich hier nicht so wirklich überzeugen können. Schon auf den ersten Seiten hatte ich ein paar Anlaufschwierigkeiten und das konnte sich in den folgenden Kapiteln nicht merklich bessern. Die meiste Zeit über war ich nur mittelmäßig von der Geschichte fasziniert. Möglicherweise lag das daran, dass sich der feste Stab an Figuren nach dem ersten Drittel von ursprünglich sechs mehr oder weniger präsenten Akteuren auf Luna und Fowler reduziert hat. An sich sind es ganz gute Charaktere: Luna ist dieses behütet und in Abgeschiedenheit aufgewachsene Mädchen, das aber dennoch zur Selbstständigkeit erzogen wurde. Sie ist willenstark, mitfühlend, tough und vor allem ist sie nicht eitel. Eine schöne Kombination und eine solide Grundlage für eine Fantasy-Geschichte (wer mag schon feige, passive Hauptcharaktere?!). Fowler wiederum gehört zur Sorte "grantiger Grübler mit weichem Herz". Nicht sonderlich innovativ, aber meistens ist das sehr reizvoll. Und doch wollte ich keinen rechten Draht zu den beiden aufbauen. Mir fehlte irgendein Merkmal, das sie für mich einzigartig und einprägsam gemacht hätte. Auch habe ich persönlich kein Knistern zwischen den beiden spüren können. Mir fehlte die Leidenschaft, das Feuer, das mich zum Mitfiebern verleitet hätte. Zumal mir der Übergang zwischen ihrer anfänglichen Abneigung und dem plötzlich einsetzenden Beschützerinstinkt zu flott ging und damit nicht nachvollziehbar war.
Positiv muss ich allerdings anmerken, dass gleich zu Beginn der Geschichte eine Besonderheit von Luna offenbart wurde, die ihrer Person und dem Geschehen einen zusätzlichen Reiz gibt. Spoiler (zum Anzeigen markieren): sie ist blind, schildert also die Eindrücke über ihre anderen Sinne, was sehr interessant ist, weil man erfährt, worauf man alles achten kann/muss, um sich zu orientieren. Außerdem erfährt man dadurch nahezu nichts über Fowlers Äußeres, was mal eine nette Abwechslung zu den üblich ausufernden Beschreibungen eines umwerfenden Adonis ist.
Auch das Setting und die düster-mysteriöse Atmosphäre hat Jordan sehr gut eingefangen. Neben den ein oder anderen minimalen Märchenanspielungen (beispielsweise lässt einen der Turm, in dem Luna mit Sivo und Perla lebt, sofort an Rapunzel denken) hat sie auch einige gute Eigenkreationen eingebaut. Es gibt zum Beispiel ziemlich abgedrehte, gruselige Wesen namens "Finsterirdische", die Jagd auf Menschen machen und so für eine ständige Bedrohung sorgen. Ich muss aber auch gleich kritisieren, dass ich den Namen selbst bzw. die Übersetzung schrecklich finde. "Finsterirdische" klingt ziemlich hölzern und hat den Satzrhythmus gestört. Daher habe ich das Wort gedanklich immer mit der Originalbezeichnung "Dark Dweller" ersetzt. Diese Geschöpfe zusammen mit einigen anderen Ausgeburten der Düsternis haben zu einem zunehmend grausamen Eindruck von der dargestellten Fantasywelt geführt. Allerdings erfährt man auch noch nicht genug über die einzelnen Bausteine von Relhok oder Allu (einer entfernten, scheinbar sicheren Insel), als dass ich ein richtiges Gefühl für die Welt an sich bekommen hätte. Für meinen Geschmack fehlt es ihr noch an einer Komplexität à la Herr der Ringe oder Harry Potter - wobei ich auch keineswegs eine solche Dimension erwarte. Aber ein paar mehr informationen wären schon ganz nett gewesen. 

Sophie Jordans Fantasyroman war leider nicht so, wie ich es mir erhofft hatte. An sich präsentiert sie einen guten Weltenentwurf und platziert auch einige unerwartete Wendungen. Mir persönlich mangelte es dem Dargebotenem allerdings an Komplexität und Tiefgang, sodass ich nicht in die Geschichte eintauchen konnte. 



1 Kommentare:

Book Blossom hat gesagt…

Hallo liebe Katha!

Durch dieses Büchlein bin ich auf euren Blog gestoßen und musste natürlich gleich deine Rezension dazu lesen. Ich habe das Buch vor gut einer Woche beendet und muss meine Rezension erst verfassen. Unsere Meinungen decken sich allerdings ziemlich. Mir fehlte es auch noch ein wenig am Weltenentwurf und ich empfand Band 1 eher als Einstieg, als schon als durchdachtes Abenteuer. Deshalb werde ich mich noch an Band 2 wagen und hoffe, dass dort meine Zweifel ausgemerzt werden können. ;)

Liebste Grüße
Nina ♥♥♥

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