Samstag, 28. Januar 2017

REZENSION: "Kokostee" (Oliver Geissen)

Copyright Atlantik Verlag

Titel: Kokostee
Autor: Oliver Geissen
Genre: Roman / Humor
Verlag: Atlantik
Erscheinungsjahr: 2016
Format: Klappenbroschur (15,00 €)
Seiten: 224
ISBN: 978-3-455-65138-6



Von wegen Michael Jackson, Amy Winehouse und Kurt Cobain sind tot! Gemeinsam mit Marilyn Monroe, Bob Marley, Elvis Presley und John Lennon tummeln sie sich nämlich tatsächlich auf einer traumhaften Südseeinseln und genießen ihren Lebensabend. Natürlich darf niemand etwas von der geheimen Insel der Stars wissen, doch als plötzlich ein zerstreuter Naturforscher am Strand auftaucht, steht Butler Adschei vor seiner schwersten Aufgabe, denn das Paradies ist in Gefahr!

Das Cover gefällt mir unheimlich gut, denn es wirkt sommerlich und tropisch und macht daher große Lust auf Geissens Geschichte über eine geheime Insel der Stars.

Auf Oliver Geissens Romandebüt bin ich auf der Frankfurter Buchmesse aufmerksam geworden und dabei sprang mir das Buch vor allem aufgrund des Themas ins Auge. Meine Mutti und ich flapsen nämlich schon ewig herum, dass gewisse Stars (darunter vor allem Falco und Lady Di) ihren Tod nur vorgetäuscht haben und gemeinsam auf einer abgelegenen Insel leben. Ich dachte also: Cool, der Geissen hat das aufgeschrieben, was wir uns selber immer zusammengesponnen haben. Für die Idee bekommt das Buch von mir daher schon mal einen fetten Pluspunkt.

Allerdings war es das dann leider auch schon mit den positiven Dingen, die ich über Kokostee sagen kann. Die grandiose Idee scheitert nämlich bravourös an der Umsetzung. Um ehrlich zu sein habe ich nicht unbedingt ein Meisterwerk erwartet, aber zumindest eine humorvolle, abgedrehte Story mit bekannten Charakteren. Allerdings schläferte mich schon die lange Vorrede durch den Ober-Butler Adschei (in der Rolle des Erzählers) ein. Seitenlang wurde über die Entstehung der Insel und ihren Aufbau schwadroniert, über das schwere Leben, das die sechs handverlesenen Stars mit ihrem vorgetäuschten Tod hinter sich ließen und über die Notwendigkeit, das alles unbedingt geheim zu halten. Außerdem gab es Einblicke in Adscheis Leben und Arbeitsalltag, die einen als Leser schlicht nicht interessieren. Schließlich will man vor allem etwas über die tot geglaubten Stars wissen.

Die Stars (Marilyn Monroe, Elvis Presley, Bob Marley, John Lennon, Kurt Cobain, Michael Jackson und Amy Winehouse) spielen tatsächlich jedoch nur Nebenrollen. Dabei wirken sie ziemlich hölzern und haben keine eigenen Persönlichkeiten. Es fällt einem schwer, die Charaktere im Buch mit den echten Persönlichkeiten in Verbindung zu bringen. Im Roman werden Monroe und co. nämlich allerhöchstens als in die Jahre gekommene Lachnummern dargestellt. Der King of Rock'n'Roll als gut gelaunter Oldie bei der Wassergymnastik, Bob Marley als kiffender Gutelaune-Patenonkel für die Zwillinge von Amy Winehouse und Kurt Cobain - ja, hier bleibt man wirklich vor nichts verschont.

Im Großen und Ganzen steht sowieso Butler Adschei im Zentrum der Geschichte. Die gute Seele der Insel ist mittlerweile auch schon etwas älter und sucht nun nach seinem Nachfolger - und das ist auch schon die ganze Handlung. Es passiert ..... nichts. Gar nichts. Nicht einmal der fremde Naturforscher, den man ja eigentlich für eine Gefahr hält, bringt etwas Schwung in die ganze Sache. Stattdessen wird er eben einfach kurzerhand im Seniorenheim der Stars einquartiert. Hier bleiben sowohl Spannung als auch Witz und Humor auf der Strecke. Ansonsten kann ich nicht wirklich viel über die Geschichte sagen, denn es gibt ganz einfach keine Geschichte. Kein Konzept, keinen roten Faden - lediglich die Idee, aus der Geissen aber null Komma gar nichts gemacht hat.

Wäre das Buch nicht so dünn gewesen, hätte ich es sicherlich abgebrochen. Es ist einfach von vorne bis hinten langweilig - ich weiß gar nicht, ob ich jemals eine Geschichte gelesen habe, die mich so gelangweilt und eingeschläfert hat wie Kokostee. Hinzukommt, dass Geissens Schreibstil zwar alles in allem ganz angenehm, aber auch ziemlich einfach und an mancher Stelle recht unbeholfen ist. Mich hat es zum Beispiel sehr gestört, dass fast durchgehend im Präteritum und nicht im Perfekt erzählt wird, denn das lässt den Roman wie einen mittelmäßigen Schulaufsatz wirken. Es tut mir leid, aber ich kann dieses Werk leider absolut nicht ernst nehmen und weiß nicht, was ich damit anfangen soll.

Kokostee von Oliver Geissen ist das erste Buch aus dem Atlantik Verlag, das mich so richtig, aber wirklich so richtig enttäuscht hat. Es gibt keine Handlung, dafür aber Stars als hölzerne, in die Jahre gekommene Witzfiguren und einen Butler, über den man eine Menge erfährt, was einen aber einfach null interessiert. Das Ganze liest sich wie der Urlaubsbericht eines Drittklässlers und abgesehen von der coolen Grundidee kann ich dem Buch absolut nichts abgewinnen. Eine Leseempfehlung kann ich guten Gewissens auf gar keinen Fall geben!



2 Kommentare:

Ina Degenaar hat gesagt…

Hallo Svenja,
ist das Buch von dem Moderator Oliver Geissen? Wenn ja, fällt mir dazu nur ein: Schuster, bleib bei deinen Leisten.
Danke für die ehrliche Rezi.
Viele Grüße
Ina

Svenja Prautsch hat gesagt…

Hallo :)

Ja genau dieser Oliver Geissen :D Das dachte ich mir dann hinterher auch. Aber manchmal klappt es ja auch.

Liebe Grüße
Svenja

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