Sonntag, 15. Januar 2017

REZENSION: "Elias & Laia - Eine Fackel im Dunkel der Nacht (Elias & Laia #2)" (Sabaa Tahir)

Copyright One


Titel: Elias & Laia - Eine Fackel im Dunkel der Nacht
Autor: Sabaa Tahir
Genre: Fantasy / Jugendroman
Verlag: One (Bastei Lübbe)
Erscheinungsjahr: 2016
Format: Hard Cover mit Schutzumschlag (17,00 €)
Seiten: 510
ISBN: 978-3-8466-0038-2

Im letzten Moment konnten Elias und Laia ihrem Tod entkommen und aus Schwarzkliff fliehen. Die Gefahr ist jedoch nicht gebannt, denn ihre Verfolger, allen voran die Kommandantin, sind ihnen dicht auf den Versen. Wie sollen sie es bis zum Gefängnis nach Kauf schaffen, wenn das halbe Land Jagd auf sie macht? Laia zweifelt immer stärker daran, ihren Bruder Darin jemals lebend wiederzusehen. Gleichzeitig wächst ihre Sorge um Elias, der von den verheerenden Folgen einer Kampfverletzung erheblich geschwächt ist.
Derweil hadert Helena mit ihrer neuen Stellung als Blutgreif. Unter der Führung des neuen Imperator Marcus bangt sie nun auch um das Leben ihrer Familie. Um sie zu beschützen, muss sie eine schier unmögliche Aufgabe bewältigen: sie soll den Jungen, den sie liebt, finden - und ihn töten.


 Ich hab hier wirklich nichts zu meckern. Die Augen sind sehr schön ausdrucksstark und ziehen einen direkt an und die gold-funkelnden Lettern setzen ein zusäötzliches Highlight. Auch dass der zweite Band farblich im direkten Kontrast zum ersten Band steht, gefällt mir gut. Zwar führt das zu einem 'Bruch', wenn man sie nebeneinanderstellt, aber das erscheint mir angesichts der Gut.Böse-Opposition nur passend.

Vielleicht liegt es daran, dass der es noch nit so lange her ist, dass ich Elias & Laia - Die Herrschaft der Masken gelesen habe. Jedenfalls wurde ich sofort mit der ersten Seite wieder in die Geschichte hineingezogen. Ich liebe einfach das Setting, die Fantasyelemente und die schaurig-schöne Atmosphäre, die sich durch die kontrastierenden Charaktere und ihre Handlungen aufbaut.
Sabaa Tahir macht es ihren Helden Elias und Laia wahrlich nicht einfach. Zum einen müssen sie ihre inneren Dämonen und ihre Schuldgefühle besiegen, zum anderen werden sie von einer Horde Masken gejagt, können sich entsprechend nirgendwo sicher fühlen und sind ständig neuen Gefahren ausgesetzt. Natürlich macht sie das zu unglaublich starken Protagonisten, mit denen man mitfiebert, aber hin und wieder hätte ich mir ein paar lockere, entspannte Momente für sie gewünscht. Sie haben zwar über ihre Gefühle reflektieren können, aber diese waren angesichts ihrer Situation alles andere als euphorisch. A) hat mich das auf Dauer etwas deprimiert und b) fehlte mir da ein bisschen die emotionale Bandbreite. Trotzdem fand ich den Weg der beiden und ihre Entwicklungen interessant. Besonders, was man über Laia und später dann auch über Darin (der endlich wieder physisch präsent ist) erfährt, wirft ein vollkommen anderes Licht auf das vorherige Geschehen
Inzwischen ist mir auch Helena immer sympathischer geworden, da man sie hier einfach viel besser kennenlernt. Wenn man sie mit ihrer Familie agieren sieht, wirkt sie viel weicher (auch wenn sie das nach außen hin natürlich hinter einer Maske versteckt). Eigentlich tut sie mir richtig leid: sie bemüht sich, die Menschen zu schützen, die sie liebt, aber im Endeffekt ist sie fast immer die Verliererin: entweder wird sie zurückgewiesen oder in irgendeiner Form bestraft. Kein Wunder, dass sie sich emotional abzuschotten versucht. Meine Hoffnung ist deshalb, dass sich zwischen ihr und Harper etwas anbahnt und ihr so das verdiente Glück beschieden ist. An ihm hab ich regelrecht einen Narren gefressen, weil er zwar mürrisch, verschlossen und auch relativ grausame Befehle ausführt, aber ab und zu auch seine emotionale, mitfühlende Seite durchblitzt. Er harmoniert meiner Meinung nach einfach besser mit Helena als Elias.
Trotzdem habe ich das Gefühl, dass die blutrünstigen, machthungrigen, skrupellosen Charaktere langsam Überhand nehmen. Da ihnen jegliche Empathie fehlt, sind sie vollkommen unberechenbar. Einerseits ist das gut, weil man dadurch den Fortlauf der Handlung schwer einschätzen kann, andererseits ist es ziemlich bedrückend. Mich wundert es, dass Elias, Laia und Helena in diesem Meer aus Boshaftigkeit noch nicht ertrunken sind. 
Aus Marcus werde ich zum Beispiel einfach nicht schlau. Er verhält sich so widerlich wie eh und je, aber so ganz kaufe ich ihm dieses Bösewicht-Gehabe nicht ab. Vielleicht bin ich naiv, aber ich glaube, irgendwo in ihm drin steckt ein guter Kern.
Bei der Kommandantin, aka Keris Verturius aka Elias' Mutter, bin ich mir dagegen zu hundert Prozent sicher, dass man, je tiefer man bei ihr gräbt, nur noch mehr Dreck und noch tiefere Abgründe findet. Sie und Lord Voldemort wären für mich momentan das schrecklichste, grausamste Duo moderner Fantasyromane, das ich mir vorstellen könnte. Wie gut, dass mir diese Kombination erspart bleibt. Herzattacken hatte ich nämlich beim Lesen bereits genug. In der zweiten Hälfte häufen sich nämlich die "Oh mein Gott das kann nicht wahr sein!"-Momente. Erstens musste ich mich von einem liebgewonnenen Charakter verabschieden und zweitens hat sich herausgestellt, dass meine Menschenkenntnis ziemlich schlecht sein muss. Eine zentrale Romanfigur offenbart sich nämlich als Doppelagent. Meine Reaktion: Entsetzen, maßlose Wut und - stellvertretend für Elias und Laia - das Gefühl von Verrat. Das zeigt natürlich wieder, wie stark ich emotional am Roman beteiligt gewesen bin - aus der Perspektive also ein Pluspunkt.
Insgesamt war der dieser Band wie schon Teil 1 sehr ereignisreich und dadurch entsprechend spannend. Ich hatte zwar eine kurze Phase, in der meine Begeisterung etwas verblasste, aber dann kamen die oben erwähnten Knalleffekte, die mich dann wieder gefesselt haben. Die letzte Seite ließ mich dann mit denselben Gefühlen zurück, wie der Auftakt der Reihe: Ahnungslosigkeit und Neugier. Denn ich habe keine konkreten Vorstellungen, wie die Geschichte sich weiterentwickeln wird.


Lange Rede, kurzer Sinn: der Folgeband von Elias & Laia hat mich nicht enttäuscht. Er hat mich zu fesseln gewusst, allerlei Überraschungen parat gehalten und mir den ein oder anderen Charakter näher ans Herz gebracht bzw. meine Abneigung gegen ihn/sie sogar noch vertieft. Ich bin ungemein gespannt, wie Sabaa Tahir die Reihe abschließen wird!



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