Donnerstag, 26. Januar 2017

REZENSION: "Das Lied von Eis und Feuer #1 - Die Herren von Winterfell" (George R. R. Martin)

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Titel: Das Lied von Eis und Feuer - Die Herren von Winterfell
Autor: George R. R. Martin
Genre: Fantasy
Verlag: blanvalet
Erscheinungsjahr: 2010 (Original 1996)
Format: Klappenbroschur (15,00 €)
Seiten: 576
ISBN: 978-3-442-26774-3




Eddard Stark ist der Herr über Winterfell und ein enger Vertrauer des Königs. Als dessen Berater überraschend stirbt, wird Stark an den Hof gerufen, um dem König als neue Rechte Hand zur Seite zu stehen. Während sein ältester Sohn Robb auf Winterfell zurückbleibt und sich sein uneheliches Kind Jon Schnee der Nachtwache an der großen Mauer anschließt, tritt Eddard sein neues Amt an und sieht sich direkt mit hinterhältigen Intrigen und Attentaten konfrontiert. Denn im Königreich gibt es einige Familien und Clans, die scharf auf den Königsthron sind...

Die Cover der Reihe gefallen mir alle ziemlich gut, weil sie schlicht gestaltet, aber doch echte Eyecatcher sind. Ich mag das Wappen auf dem auf alt gemachten Hintergrund - ein sehr edles Design.

Aus eigenem Antrieb hätte ich George R. R. Martins Game of Thrones (dt. Das Lied von Eis und Feuer) wohl nie gelesen - einfach weil ich ja bekanntermaßen kein großer Fantasy-Fan bin und mich die Geschichte bisher schlicht nicht gereizt hat. Allerdings hat sich mein Kollege jetzt ein halbes Jahr lang den Mund fusselig geredet, ich solle die Bücher unbedingt lesen, sie wären so unglaublich gut! Irgendwann habe ich mich dann breitschlagen lassen und mir den ersten Band von Das Lied von Eis und Feuer zu Weihnachten gewünscht. Auch wenn ich den meisten von euch wahrscheinlich nichts Neues erzähle, kommt hier jetzt meine Rezension zum Reihenauftakt. ;)

Anfangs hatte ich ein paar Problemchen mit Martins unglaublich komplexer und zweifellos klug erdachter Geschichte um das Königreich Westeros. Das mag vielleicht auch daran gelegen haben, dass ich erkältet war (und immer noch bin) und mein Kopf sowieso schon gebrummt hat - und dann kamen all die verschiedenen Charaktere, komplizierten Familienbande und Schauplätze dazu. Das hat mich zu Beginn wirklich etwas überfordert und ich brauchte meine Zeit, bis ich einen Überblick über das Geschehen in Die Herren von Winterfell hatte. Wie mein Kollege so schön gesagt hat: Die Handlung baut sich eben langsam auf. Das stimmt zweifellos, denn für das Fantasy-Epos braucht es eine glaubwürdige Ausgangssituation und die will ja zunächst einmal aufgebaut werden.

Ich muss sagen, dass mich die Geschichte trotzdem nicht gleich so recht packen wollte. Wie gesagt, es ist nicht mein Genre und die ersten 200 Seiten waren für mich nicht nur aufgrund der Komplexität ziemlich mühselig, sondern einfach auch, weil mir die Spannung gefehlt hat. Obwohl ich auch nicht sagen würde, dass George R. R. Martin besonders ausladend und langatmig schreibt. Im Gegenteil - den Detailreichtum und die genauen Personenbeschreibungen haben mich von Anfang an sehr beeindruckt. Man bekommt im ersten Teil auf jeden Fall schon eine Ahnung davon, welche großartigen Ideen und Zusammenhänge hinter der Story stecken. Ab der Mitte des Romans kam der Stein dann schließlich auch für mich ins Rollen und ich war fasziniert von all den Verwicklungen und Intrigen rundum den Thron von König Robert.

Die mittelalterliche und doch ganz eigene Welt Westeros und Martins stellenweise sehr derber und zweifelsohne offener Schreibstil haben mich schnell gefesselt und das hatte ich so ehrlich gesagt nicht erwartet. Ich bin froh, dass ich beim Lesen nicht auf Orks, Elfen und dergleichen gestoßen bin und finde Martins Konzept alles in allem doch ziemlich genial. Im Großen und Ganzen geht es um menschliche Verfehlungen, um Gier, um Rache, um Ehre, um Mord und Totschlag und um Sex - und das alles vor der Kulisse einer ganz eigenen, rauen Welt. Ein Epos mit großen Helden, gerissenen Schurken, Rittern in glänzenden Rüstungen und menschlichen Kuriositäten. Brutalität und Grausamkeit sind an der Tagesordnung, was die Geschichte aufgrund der relativ simplen Thematik (Kampf um Thron) so faszinierend düster macht.

Wie schon gesagt ist die Figurenkonstellation ziemlich komplex und ich finde jeden einzelnen Charakter einfach großartig. Es gibt Identifikationsfiguren (Eddard Stark, Jon Schnee, Lady Catelyn), es gibt jene, die aufgrund ihrer Naivität und Sturheit stets auf andere angewiesen sind (vor allem König Robert), es gibt die Gerissenen, die man einfach ins Herz schließen muss (Tyrion Lennister) und es gibt natürlich auch die hundsgemeinen Gegenspieler (die Königin Cersei Lennister, ihr Zwillingsbruder und ihr widerlicher Sohn). Der Fokus wechselt je nach Kapitel, sodass die Handlung dynamisch bleibt und zahlreiche verschiedene Einblicke bietet. Das Zusammenspiel der unterschiedlichen Charaktere ist auf jeden Fall durchgehend unterhaltsam, spannend und teilweise auch amüsant. Fasziniert haben mich vor allem auch die Nachkommen der Tagaryen, Viserys und Daenerys - aus irgendeinem Grund hat mich deren Geschichte am meisten interessiert.

Man ist auf jeden Fall schon ziemlich bald drinnen in dieser fremden Welt und fiebert mit den Charakteren mit. Ich finde es klasse, dass Das Lied von Eis und Feuer kein so klassisches Fantasy wie Der Herr der Ringe ist und vor allem von den starken Charakteren und Verwicklungen lebt. Ich bin wirklich positiv überrascht und werde sicherlich dran bleiben an dieser Reihe. Was fasziniert euch denn am meisten an Martins Epos?


Mein erster Kontakt mit der Welt von Game of Thrones war für mich auf jeden Fall ein voller Erfolg. Am Anfang hatte ich zwar meine Problemchen mit der Geschichte, die einfach Zeit braucht, um sich aufzubauen, aber schon relativ bald hat mich George R. R. Martin mit der rauen Welt, den komplexen Zusammenhängen und den starken Charakteren in seinen Bann gezogen. Ich bleibe auf jeden Fall dran!



Die Reihe:

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