Samstag, 7. Januar 2017

REZENSION: "Book of Lies" (Teri Terry)

Copyright Coppenrath


Titel: Book of Lies
Autor: Teri Terry
Genre: Jugendroman / Fantasy
Verlag: Coppenrath
Erscheinungsjahr: 2016
Format: Hardcover (17,95 €)
Seiten: 400
ISBN: 978-3-649-6675-0



Quinn wuchs bei ihrer Großmutter in Dartmoor auf und bekam zeit ihres Lebens nur sporadisch Besuch von ihrer leiblichen Mutter Isobel. Doch bei deren Beerdigung macht sie eine unglaubliche Entdeckung: Sie hat eine Zwillingsschwester, von der sie bis dahin nicht einmal etwas geahnt hat. Während Quinn sich stets ungeliebt und überflüssig fühlte, hatte Piper ein behütetes Leben - einen Vater, Freunde, eine liebende Mutter. Doch warum wurden die beiden Schwestern getrennt? Quinn würde die Vergangenheit gerne begraben, doch Piper ist wie besessen von einem alten Familiengeheimnis und einer Prophezeiung, die sich im dunklen Moor erfüllen soll. Und bald schon stellt sich heraus, dass sich die Schwestern gegenseitig nicht vertrauen können, denn eine von ihnen lügt...

Ich gebe zu - Book of Lies von Teri Terry war ein absoluter Coverkauf. Ich finde das Foto der beiden Gesichter, offensichtlich Piper und Quinn, einfach fantastisch. Es ist pur und eigentlich einfach gestaltet, wirkt aber unterschwellig auch irgendwie bedrohlich und mystisch. Ich konnte mir direkt die faszinierende Geschichte dahinter vorstellen.

Seit August lag Teri Terrys neuester Roman Book of Lies nun schon auf meinem SuB - zwischendurch habe ich ihn sogar von der Autorin signieren lassen können. Und jetzt bin ich auch endlich zum Lesen gekommen. Eingestellt hatte ich mich auf einen ungewöhnlichen, vielleicht eher düsteren Jugendroman, der in Richtung Thriller geht. Mir wurde allerdings schon nach einigen Seiten klar, dass etwas ganz anderes kommen würde. Prinzipiell hat mich das aber erstmal nicht abgeschreckt, ich habe mich auf die Geschichte und die zwei mysteriösen Potagonistinnen eingelassen und war sehr gespannt auf die Geheimnisse, die sie im Verlauf der Handlung aufdecken würden.

Mit der Grundidee hat Teri Terry mich eigentlich von Anfang an gepackt: Zwillingsschwestern, die direkt nach der Geburt getrennt wurden, weit entfernt voneinander aufwuchsen und irgendwie eine mysteriöse Verbindung zueinander haben. Das Potenzial für eine schaurig schöne Geschichte war auf jeden Fall da. Mit der Erzählperspektive hat Terry außerdem den Grundstein für ein raffiniertes Verwirrspiel mit dem Leser gelegt. Erzählt wird nämlich abwechselnd aus Quinns und aus Pipers Sicht, sodass man beide Schwestern kennenlernt und mal der einen, mal der anderen vertraut. Wer lügt und wer nicht - das ist zumindest im ersten Teil des Romans unmöglich auszumachen.

Dann allerdings kippt die Story. Es wird vorhersehbar, unstrukturiert und stellenweise sogar recht plump. So richtig reinkommen wollte ich beim Lesen in die Geschichte nicht - es ist lange Zeit einfach unklar, worauf das alles hinauslaufen soll. Wird es ein Thriller? Ein Psychogramm? Ein Familiendrama? Eine Fantasy-Geschichte? Der Klappentext gibt keinen Hinweis darauf und mir wurde es erst klar, als es schon zu spät und ich mittendrin war: Book of Lies ist Jugendfantasy. Allerdings sind die Fantasy-Elemente in der ersten Hälfte rar gesät und in der zweiten so ungeschickt in die Geschichte integriert, dass sich daraus einfach kein rundes Ganzes ergeben will. Visionen, Fieberträume, Seelenwanderung, Hexenjagd, Gedankenkontrolle - plötzlich fließt gefühlt ALLES in die Handlung ein und man fühlt sich als Leser schlicht und ergreifend veräppelt. Es ist unglaubwürdig, kein bisschen mitreißend und unfassbar ungeschickt miteinander verknüpft.

Hinzukommt, dass einem nach spätestens 200 Seiten vollkommen klar ist, wer die gute Schwester und wer die böse ist. Wer lügt und wer die Wahrheit sagt. Das hat mich extrem enttäuscht, denn wie bereits erwähnt schafft Terry mit den zwei unterschiedlichen Charakteren und Erzählperspektiven die Basis für ein Verwirrspiel mit dem Leser - das allerdings gründlich schief läuft. In Mind Games habe ich es bewundert, dass man als Leser nicht mehr zwischen Wirklichkeit und virtueller Realität unterscheiden konnte und so ähnlich hätte es auch bei diesem Buch sein müssen. Aber Terry will es einfach nicht gelingen, die Grenzen zwischen Gut und Böse verschwimmen zu lassen und so kristallisiert sich dann leider bereits lange vor dem Showdown in Dartmoor heraus, welche der beiden Schwestern dazu verdammt ist, die Familie zu zerstören. Außerdem habe ich mich am Ende gefragt, wieso noch niemand der anderen Charaktere auf diese unglaublich simple Lösung gekommen ist - da war ich wirklich schockiert.

Ich habe lange auf den großen Knall gewartet, auf die Spannung. Beides kam einfach nicht. Die Geschichte dümpelt großteils träge vor sich hin - daran konnten leider auch mysteriöse Hexensymbole, blutrünstige Jagdhunde und das titelgebende Book of Lies (das Buch der Lügen) nichts ändern. Wäre es nicht mein erstes Buch des Jahres gewesen, hätte ich es höchstwahrscheinlich abgebrochen. Schade, denn die Zwillingsthematik und das große Leitmotiv der Geschichte, das Lügen, hätten unglaublich viel hergegeben. Zumindest ließ mich Terrys wie gewohnt leichtfüßiger und angenehmer Erzählstil am Ball bleiben - viel mehr aber auch nicht.

Wow - ich bin vielleicht enttäuscht! Bis auf die spannende Ausgangssituation und die grundlegend mysteriöse Atmosphäre hat in Book of Lies eigentlich nichts gestimmt oder irgendwie zusammengepasst. Bis zur Mitte etwa dümpelt die Geschichte so vor sich hin, dann übernehmen wahllos eingeworfene Fantasy-Elemente und eine absolut vorhersehbare Handlung das Ruder - ganz zu schweigen von den beiden Protagonistinnen, die man dann doch recht schnell durchschaut. Damit hat mich Teri Terry leider gar nicht überzeugt.



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