Donnerstag, 22. Dezember 2016

REZENSION: "Winterzauberküsse" (Sue Moorcroft)

Copyright S. Fischer Verlag


Titel: Winterzauberküsse
Autor: Sue Moorcroft
Genre: Liebesroman
Verlag: S. Fischer
Erscheinungsjahr: 2016
Format: Taschenbuch (9,99 €)
Seiten: 432
ISBN: 978-3-596-29635-4



Auf einer hippen Weihnachtsparty in London lernt die recht erfolglose Hutmacherin Ava den attraktiven Sam, Inhaber einer gefragten Marketing-Agentur kennen. Kurzerhand beschließt Sam, bei Ava einen Hut in Auftrag zu geben, den er seiner Mutter zu Weihnachten schenken kann - und fragt sie spontan, ob sie bereit wäre, über die Feiertage seine Freundin zu spielen. Da Ava Sams krebskranke Mutter Wendy sofort ins Herz geschlossen hat, willigt sie ein und so beginnt ein turbulentes Spiel, während dessen sich die beiden tatsächlich näher kommen. Wären da nur nicht Avas Freundin Izz, die heimlich in Sam verliebt ist, und ihr eifersüchtiger Exfreund, der eine perfide Racheaktion plant...


Das Cover ist ziemlich romantisch gestaltet und passt einfach wunderbar in die Weihnachtszeit. Insgesamt gefällt es mir wirklich gut, nur die Glittereffekte sind für meinen Geschmack zu kitschig.

Sue Moorcrofts Roman Winterzauberküsse habe ich bei einer Leserunde vom S. Fischer Verlag auf Lovelybooks.de gewonnen und mich sehr darüber gefreut, denn wie ihr ja wisst, darf es bei mir in der Weihnachtszeit gerne mal etwas kitschig werden. Und in diesem Punkt hat mich das Buch definitiv nicht enttäuscht: Es beginnt wie eine klassische Weihnachtsgeschichte. Ava und Sam lernen sich auf einer Weihnachtsparty kennen und finden sich gegenseitig auf Anhieb sympathisch. Natürlich weiß man von dem Moment an, wie die Geschichte ausgeht, das stört aber nicht weiter, denn schließlich geht es ja in erster Linie um das Weihnachtsfeeling.

Leider wollte sich das bei mir nicht so recht einstellen, denn obwohl der Roman natürlich in der Weihnachtszeit spielt, fehlten mir irgendwie diese gewissen Feinheiten. Wirbelnde Schneeflocken, heißer Kakao am Kamin - so etwas. Bei Moorcroft hatte ich eher das Gefühl, dass sie eine beliebige Liebesgeschichte genommen und in einen weihnachtlichen Kontext gesetzt hat und das war mir einfach zu wenig. Außerdem wirkten einige Handlungselemente zu konstruiert und stereotypisch auf mich - Avas fehlende Kundschaft und ihre finanziellen Probleme, ihr aufdringlicher Exfreund, Sam als Held in strahlender Rüstung, die eifersüchtige Freundin, die sich zu einer Dummheit hinreißen lässt...

Insgesamt haben mich vor allem die Protagonisten, Ava und Sam, ziemlich genervt und ich hatte beim Lesen ab und an mächtig Lust, ihnen mal so richtig die Köpfe zu waschen. Da abwechselnd aus Avas und Sams Sicht erzählt wird, merkt man als Leser schnell, dass die beiden ständig aneinander vorbeireden und sich andauernd falsch verstehen. Das ist einerseits ziemlich witzig, andererseits fragt man sich mit der Zeit, wie zwei Menschen derart blind füreinander sein können. Die beiden kamen mir bisweilen vor wie unsensible Trampeltiere, die wegen jeder Kleinigkeit sofort eingeschnappt sind und ihre eigenen Fehler im Stillen bereuen, ohne sie aber aktiv wieder auszubügeln zu wollen. Ein Wort: Anstrengend! Wäre Ava meine Freundin, ich hätte sie einfach gepackt, ausgezogen und auf Sam gelegt. Denn bis die beiden mal zu Pötte kommen, vergeht schon eine ganze Menge Zeit.

Wenn es dann aber soweit ist, stellen sich auch beim Leser endlich romantische Gefühle ein, denn Liebesszenen beschreiben - das kann Sue Moorcroft definitiv! Vielleicht sind sie hin und wieder einen Ticken zu kitschig, dafür aber ziemlich gefühlvoll und mitreißend erzählt. Da möchte man sich direkt auch verlieben! Auch die Familienkonstellation hat mir sehr gut gefallen: Sams herzliche Mutter Wendy, die von ihrer Schwester umsorgt wird und trotz ihrer Erkrankung (oder gerade deswegen) das Beste aus ihrem Leben macht. Und Avas Eltern, die weit weg wohnen, aber in Notsituationen immer für ihre Tochter da sind.

Ehrlich gesagt ist die Handlung an sich nichts Besonderes: Man liest den Anfang und kennt das Ende und auch das Dazwischen ist weitgehend klar. Plottwists und Überraschungsmomente sucht man vergebens. Dennoch liest sich der Roman gut runter und macht wie jede seichte Weihnachtskomödie einfach Spaß. Wenn man über die zeitweise etwas nervigen Protagonisten hinwegsehen kann, wird man also durchaus gut unterhalten.

Sue Moorcrofts romantische Weihnachtsgeschichte Winterzauberküsse steckt voller Klischees, punktet aber mit guter Unterhaltung und berührenden Liebesszenen. Die Charaktere gingen mir stellenweise zwar ziemlich auf den Geist und so richtig packen konnte mich die Story nicht, sie lässt sich aber lockerflockig runterlesen und langweilt einen nicht. Das perfekte Buch zum Abschalten in der stressigen Vorweihnachtszeit.



0 Kommentare:

Kommentar veröffentlichen