Donnerstag, 15. Dezember 2016

REZENSION: "Pandemonium" (Amor-Trilogie 02) (Lauren Oliver)

Copyright Hörbuch Hamburg
Titel: Pandemonium (Amor-Trilogie 02)
Autor: Lauren Oliver
Genre: Jugendbuch / Dystopie
Sprecher: Annina Braunmiller-Jest
Erscheinungsjahr: 2012
Format: Hörbuch (19,99 €), TB, eBook
Länge: 449 Minuten (352 Seiten), gekürzte Lesung
ISBN: 978-3867421348

Nach ihrer Flucht aus Portland schließt sich Lena in der Wildnis dem Widerstand an und lässt ihr altes Ich hinter sich. Die Lena, die von einer gemeinsamen Zukunft mit Alex träumte, gibt es nicht mehr, denn ihn musste sie hinter dem Zaun zurücklassen. Sie geht davon aus, dass Alex in der Nacht ihrer Flucht starb, um sie zu retten, und setzt nun alles daran, um gegen die bestehende Ordnung und die Eingriffe, die jegliche Gefühle auslöschen, anzukämpfen. Zusammen mit anderen Widerstandskämpfern geht Lena nach New York, um eine Gruppe aggressiver Verfechter der Eingriffe auszuhorchen und zu Fall bringen. Doch während einer Kundgebung gerät sie in die Fänge radikaler Invaliden - zusammen mit Julian Fineman, dessen Vater sich wie kein anderer für die komplette Auslöschung der Deliria einsetzt...

Ehrlich gesagt bin ich nicht unbedingt ein großer Fan der Cover der Amor-Reihe. Das zu Band 2 gefällt mir aber insgesamt ganz gut - ich mag die etwas kalte Farbgebung, da sie sehr gut zur Story passt und diesmal finde ich auch das Gesicht irgendwie besser gewählt.

Geschichte und Erzählstil:

Die Idee hinter der Amor-Trilogie von Lauren Oliver finde ich nach wie vor ziemlich faszinierend und auch etwas unheimlich - eine Welt ohne Liebe, wie wäre das wohl? In Olivers Fantasie ist das eine dystopische Gesellschaft, aus der jegliche Gefühle verbannt werden und in Band 2 der Reihe, Pandemonium, wird auch langsam deutlich, was die Regierung davon hat, alle Menschen einem Eingriff zu unterziehen und sie sozusagen emotionslos zu machen. Sie werden zu blutleeren Drohnen, zu Robotern oder (wie Lena und die Rebellen es ausdrücken) zu Zombies. Willenlos, gefühllos, kalt. Bei dieser Vorstellung muss ich immer noch schaudern.

In Pandemonium springt Oliver erst einmal ein ganzes Stück nach vorne: Lena lebt mittlerweile unter falschem Namen in New York und arbeitet dort an der Seite von zwei anderen Rebellen gegen eine große Organisation namens VDFA, welche die Menschen auf Kundgebungen und Versammlungen von der Gefahr der Deliria, Liebe, überzeugen will. Damit wird dieses ganze Konstrukt der Liebe als Krankheit greifbarer und manifestiert sich zu einer bedrohlichen, düsteren Zukunftsvision. 

In eingeschobenen Rückblenden wird parallel zur Handlung im "Jetzt" erzählt, was mit Lena passierte, nachdem sie über den Zaun entkommen konnte und Alex zurücklassen musste. Man erlebt mit, wie die einst so verletzliche und impulsive Lena zum stoischen Widerstandskämpfer wird, sich dazu zwingt, zu funktionieren. Sie wird von ihrer Wut und ihrem Hass geleitet, von den anderen Invaliden in der Wildnis aber gleichzeitig zum perfekten Kämpfer ausgebildet. Sie macht auf jeden Fall eine beeindruckende Verwandlung durch und passt jetzt absolut in das Bild einer mutigen, starken Rebellin. 

Die Handlung selbst ist allerdings nicht so spannend und rasant, wie ich es mir vorgestellt hatte. Pandemonium wirkt einfach von vorne bis hinten wie ein Zwischenteil, nicht wie eine eigenständige Fortsetzung. Es ist zwar interessant mitzuverfolgen, wie Lena sich nach ihrer spektakulären Flucht verwandelt und weiterentwickelt, im "Jetzt" passiert allerdings nicht besonders viel. Ein großer Teil der Handlung dreht sich darum, dass sie gemeinsam mit dem ebenfalls ungeheilten Julian entführt wird und mit ihm in einer Zelle sitzt. Die beiden rätseln darüber, was wohl hinter ihrer Entführung steckt, überlegen sich Fluchtpläne und (natürlich) kommen sich näher. Das ist doch leider ziemlich langweilig und reißt einen absolut nicht mit. Die Handlung ist schlichtweg zu geradlinig und eindimensional und hält nur sehr wenige Überraschungen und Twists bereit.

Ab der Hälfte in etwa hatte ich den Eindruck, dass es im Großen und Ganzen nur um Lenas Gefühlswelt geht, die von Julia ganz schön durcheinandergebracht wird - denn schließlich hat sie immer noch an Alex' Tod zu knabbern. Das ist für mich einerseits nachvollziehbar, andererseits kommen hierbei interessante Aspekte (wie eben die Widerstandsbewegung und der Kampf gegen die "Zombies") zu kurz. Auch die überraschende Wendung, die am Ende einsetzt, hat mich nicht mehr wirklich vom Hocker gerissen. Von dem zweiten Teil einer dystopischen Buchreihe erwarte ich definitiv mehr! Mehr Action, mehr Gefahr, meinetwegen auch mehr Gewalt und einfach mehr Tiefe. Und nicht nur plattes Liebesgesülze.

Sprecher:

Wie Band 1 wird auch Pandemonium von Annina Braunmiller-Jest, der deutschen Synchronstimme von Kristen Stewart, gelesen. Ihre Interpretation von Lena hat mir wieder sehr gut gefallen und mich auch dann am Ball bleiben lassen, wenn die Handlung sich ewig in die Länge gezogen hat und einfach nicht aus dem Knick kommen wollte.

Lauren Oliver fasziniert mich mit ihrer Idee von einer Welt ohne Liebe nach wie vor und einige Dinge sind mir nach der Lektüre bzw. nach dem Hören von Band 2 auf jeden Fall klarer. Allerdings hat mich Pandemonium mit einer zu langweiligen, zu platten Handlung doch ziemlich enttäuscht. Hier passiert insgesamt einfach zu wenig für den zweiten Teil einer Dystopie und ich hatte das Gefühl, dass Oliver hier das Wesentliche aus den Augen verloren hat. Dennoch bin ich sehr gespannt auf das Finale der Reihe und hoffe, es geht dann wieder steil nach oben!



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