Montag, 12. Dezember 2016

REZENSION: "Glückssterne" (Claudia Winter)

Copyright Goldmann Verlag


Titel: Glückssterne
Autor: Claudia Winter
Genre: Liebesroman
Verlag: Goldmann Verlag
Erscheinungsjahr: 2016
Format: Taschenbuch mit Klappenbroschur (9,99 €)
Seiten: 381
ISBN: 978-3-442-48543-7

Seit Generationen geben die Frauen in Josefines Familie den Ehering ihrer Vorfahrin weiter, wenn eine von ihnen heiraten will - vorausgesetzt, sie sind mit dem zukünftigen Bräutigam einverstanden. Wird ihr der Ring verweigert und sie heiraten dennoch, wird die Ehe ein schlimmes Ende nehmen. Und eben dieser Ring verschwindet kurz vor Jos eigener Hochzeit. Schlimmer noch: er wurde gestohlen - von Jos eigener Cousine Charlie! Damit ihre Hochzeit dennoch - mit Ring! - stattfinden kann, bleibt Jo nichts anderes übrig, als Charlie nach Schottland hinterherzureisen. Doch die ist leider nicht so einfach aufzuspüren. Immer wieder verpasst sie sie knapp. Stattdessen trifft sie jedoch durch merkwürdige Zufälle immer wieder auf den unverschämten Schotten Aidan, der ihr aus der Patsche helfen muss. Und mit der Zeit scheint die Rückreise nach Deutschland gar nicht mehr so verlockend für Jo zu sein.

Im ersten Moment dachte ich mir: okay, was hat Essen jetzt mit Glückssternen zu tun?! Des Rätsels Lösung: "Glückssterne" sind Kekse nach einem irischen (Geheim-)Rezept, das auch im Roman eine Rolle spielt. Bei solchen Covern bekomme ich immer gleich Hunger oder Appetit. 

Der ein oder andere wird vielleicht mitbekommen haben, dass ich den neuen Roman von Claudia Winter schon seit der Leipziger Buchmesse herbeisehne - sprich: seit dem Tag, als ich erfuhr, dass eine Neuerscheinung ihrerseits in Planung ist. Mich hat der frische, herzliche Ton, in dem ihre Zeilen verfasst sind, schon in Aprikosenküsse für sich eingenommen. Glückssterne steht dem in nichts nach - so viel war mir schon auf den ersten Seiten klar. Das Opening ist einfach super gelungen. Claudia Winter hat einfach ein Händchen für zündende Ideen, die die Geschichte sofort ins Rollen bringen. Mit nur wenigen Worten ist man - nach einem kurzen Exkurs in die Vergangenheit - im Geschehen verankert und baut eine erste zaghafte Verbindung zu der Protagonistin Josefine auf. Sie ist eine von diesen Personen, die man sofort ins Herz schließt, weil sie freundlich und schon mit kleinen Dingen zufrieden und glücklich ist. Divenhaftes Verhalten kann man bei ihr vergeblich suchen. Auch wenn sie sich bevorzugt im Hintergrund hält, heißt das nicht, dass sie schüchtern wäre. Im Gegenteil scheut sie sich nicht davor, ihren Standpunkt zu vertreten, und erweist sich als schlagfertig. Sie ist also so, wie ich meine Protagonisten liebe: bescheiden, aber charakterstark. Ergänzt wird sie durch ein Ensemble starker Nebenfiguren, welche teilweise so präsent sind, dass man sie nicht direkt als solche bezeichnen kann. Ihre Großtanten Bri und Li zum Beispiel werden zu ihren ständigen Begleitern auf ihrer Reise durch Schottland und haben selbst eigene nicht unwesentliche Handlungsstränge. Durch ihre gegensätzlichen Persönlichkeiten sorgen sie für allerlei Komplikationen, Zündstoff und Trubel - genau das, was Josefines Leben gefehlt hat. Sie zeigen, dass man noch lange nicht langweilig sein muss, nur weil man einer älteren Generation angehört. Das gefiel wahnsinnig gut. Aber auch Charlie, Jos Cousine, trägt einen entscheidenden Teil zum Chaos in ihrem Leben bei, da sie sich mit Josefines Hochzeitsring überhaupt erst auf und davon macht. Obwohl sie fast gar nicht im gegenwärtigen Geschehen präsent ist, erfährt man doch allerhand von ihr und kann sich ein entsprechendes Bild von ihr machen. Sie ist sozusagen der irrational handelnde Wildfang der Familie. Anfangs war ich ein wenig voreingenommen, was sie betrifft, weil ich ihr Verhalten unverantwortlich fand und sich Jos Wut auf sie auf mich übertragen hat. Aber je näher man Charlie bei der "Verfolgungsjagd" gekommen ist, desto lieber mochte ich sie. Und im Nachhinein habe ich ihr auch für ihre Aktion applaudiert. Auch ihre eigene Geschichte fand ich reizvoll, da ich mir die Beziehung zwischen ihr und dem Schotten, mit dem sie durchgebrannt ist (der Name bleibt hier bewusst Top Secret), unglaublich zauberhaft vorgestellt habe. Zwei Träumer ohne Plan, die sich nur von ihren Gefühlen leiten lassen - das verspricht doch schon ausreichend Turbulenzen. Ich hätte mir hier sogar ein paar ausführlichere Einblicke in ihre Situation gewünscht. Vielleicht wäre hier eine zusätzliche Kurzgeschichte drin?!
Ähnlich vielfältig wie die Frauen sind auch die Männer im Roman angelegt. Als Augenschmauß ist hier natürlich Aidan hervorzuheben. Hand auf's Herz: für wen klingt ein backender, gut aussehender Schotte nicht nach dem optimalen Mann?! Ich persönlich würde zumindest keinen Gedanken mehr an meinen langweiligen, versnobten Verlobten verschwenden (nennt mich ruhig unmoralisch). Das klingt etwas hart, aber wenn ihr erstmal von Justus gelesen habt, versteht ihr mich sicherlich. "Pragmatisch" ist hier noch das freundlichste Wort, das mir zu seiner Person einfällt. Wie sie mit ihm überhaupt zusammen kommen konnte, ist mir schleierhaft. Es gibt exakt eine gemeinsame Szene, die ich besonders klasse fand (auch hier nichts Konkretes meinerseits), bei der ich das Gefühl nicht loswurde, dass auch Claudia Winter enorme Freude hatte, sie zu schreiben. Aidan dagegen hat im Kern ein ähnliches Gemüt wie Jo, aber hat auch etwas Dickköpfiges, Forderndes, das Jo wiederum herausfordert. Und dennoch muss ich gestehen, dass mir bei Jos und Aidans Wortegfechten die Hitzigkeit von Hanna und Fabrizio in Aprikosenküsse gefehlt hat. Das hat meine Begeisterung ein klein wenig ausgebremst. Insgesamt wirkten Aidan und Jo (entsprechend ihrer Persönlichkeiten) in ihrem Umgang einfach erwachsener als Hanna und Fabrizio. Das ist eigentlich nicht verkehrt, ich bin jedoch offensichtlich mehr ein Fan von 'unreifem', übertemperamentvollem Verhalten.
Das Gute ist aber wiederum, dass man nicht nur eine Liebesgeschichte, sondern einen ganzen Strauß an amurösen Entwicklungen präsentiert bekommt, die eine mehr oder minder große Rolle spielen und aus denen man 'auswählen' kann. Ebenso wird familiäre Liebe im Roman sehr groß geschrieben. Besonders Bri und Li demonstrieren, dass auch ein relativ rauer Umgangston ein Indiz für tiefe Zuneigung sein kann. Da ich selbst eine Schwester habe, mit der ich mich gelegentlich fetze, war mir dieses Verhalten nur allzu vertraut. Entsprechend gut hat es mir beim Lesen auch gefallen.  
Zum Schluss will ich noch die Wahl des Schauplatzes loben: Schottland ist einfach traumhaft. Man merkt einfach, dass sich Claudia Winter selbst in dieses Land verliebt hat. Ich persönlich habe beim Lesen sofort Fernweh bekommen - und dank der Rezepte am Ende auch noch Hunger ;-)

Wie ich es erwartet habe, ist Glückssterne eine herzerwärmende Liebesgeschichte, die sich optimal für gemütliche Lesestunden eignet. Die Charaktere ergänzen sich super durch ihre unterschiedlichen Persönlichkeiten und wachsen einem schnell ans Herz - selbst wenn sie nicht in harmonischer Eintracht beieinander sitzen. Allerdings hätten es für mein Dafürhalten noch ein paar hitzige Wortgefechte mehr sein dürfen.



Als Appetithappen habe ich hier noch zwei Trailer des Goldmann Verlags, in denen man einen wunderbaren Eindruck von der Wärme, die Claudia Winter und ihre Romane verströmen, bekommt.


Hier geht es zu Claudia Winters Website.
Vielen lieben Dank an Claudia und den Goldmann Verlag für das Rezensionsexemplar! :-)

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