Samstag, 31. Dezember 2016

REZENSION: "17 - Das erste Buch der Erinnerung" (Rose Snow)

Copyright Rose Snow

Titel: 17 - Das erste Buch der Erinnerung
Autor: Rose Snow
Genre: Jugendroman / Romantasy / Fantasy
Verlag: Selfpublishing (Rose Snow)
Erscheinungsjahr: 2016
Format: Taschenbuch (9,90 €), eBook
Seiten: 278




Seit Jo sich erinnern kann, zieht sie mit ihrem Vater von einer Stadt zur anderen - jedes Mal eine neue Schule, neue Freunde und eine neue Umgebung. Doch das soll sich nun ändern, denn in Hamburg hat Jos Vater sich nach dem Tod ihrer Mutter endlich wieder neu verliebt und plant, in der Stadt zu bleiben. Sehr zu Jos Unmut, denn ihr Stiefbruder in spe ist ausgerechnet der unsympathische Schulschwarm Finn. Und dann sind da auch noch der attraktive, aber unnahbare und notorisch unfreundliche Adrian und der liebenswerte Louis, der irgendwie auf Jo zu stehen scheint. Das Chaos perfekt macht eine mysteriöse Fähigkeit, die sich kurz vor Jos 17. Geburtstag zeigt: Plötzlich kann sie in die Erinnerungen anderer Menschen blicken...

Das Cover ist ein kleines Träumchen: Ich finde es wunderschön und ein wenig mystisch. Ein absoluter Hingucker im Bücherregal!

Den Auftakt zur 17-Trilogie habe ich im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de gewonnen und war deshalb so gespannt auf das Buch, weil hinter dem Pseudonym Rose Snow das Autorenduo steckt, das auch schon Für dich soll's tausend Tode regnen geschrieben hat - einer meiner liebsten Jugendromane im Jahr 2016. Deshalb gefiel mir auch der Schreibstil von Anfang an wieder sehr gut. Er ist lockerleicht, passt zur Geschichte und ist für ein Jugendbuch schlichtweg perfekt gewählt. Die Sprache ist sehr authentisch und da wieder aus der Ich-Perspektive erzählt wird, kann man sich wunderbar in die junge Protagonistin Jo hineinversetzen und die typischen Teenagerprobleme (das viele Umziehen, die neue Freundin des Vaters, Jungs!!) gut nachvollziehen.

Mit Jo hat die Reihe eine komplexe Heldin, die auf den ersten Blick manchmal etwas störrisch und trotzig wirkt, auf den zweiten aber doch eine recht vielschichtige Persönlichkeit besitzt. Klar ist Jo wenig begeistert von der neuen Situation - der neuen Stadt, der neuen Freundin ihres Vaters und seiner Verschlossenheit in Bezug auf den Tod ihrer Mutter. Man merkt jedoch schnell, dass sie ein Mensch ist, der auch eigene Entscheidungen kritisch hinterfragt und sich für andere stark macht. Zum Beispiel für ihre neue Freundin Conny, die aufgrund ihrer etwas schrägen (aber liebenswerten!) Art und ihrer molligen Statur in der Schule gemobbt wird. Jo ist prinzipiell sehr aufgeschlossen - auch und vor allem was ihre neue Gabe angeht, die sich kurz vor ihrem 17. Geburtstag zum ersten Mal zeigt.

Jo kann in fremde Erinnerungen blicken, indem sie andere Menschen am Handgelenk berührt. Anfangs passiert das noch zufällig und Jo muss sich fragen, ob sie vielleicht langsam ihren Verstand verliert. Im Verlauf der Handlung aber reift diese Fähigkeit und sie kann sie besser kontrollieren und bald schon gezielt einsetzen. Diese Idee fand ich sehr faszinierend und auch die Darstellung der Sequenzen, in denen Jo in fremde Erinnerungen eintaucht, ist sehr gelungen und fantasievoll. Bei Rose Snow sind Erinnerungen ein weites Feld voll leuchtender Grashalme, von denen Jo nur einen gezielt berühren muss, um die jeweilige Erinnerung anzusehen. Und nicht nur das: Hinzukommt noch eine weitere Fähigkeit, die ihre Gabe zu etwas absolut Außergewöhnlichem macht. Ein wirklich spannender Gedanke und als Basis der Geschichte ein grandioser Ausgangspunkt.

Allerdings kamen mir die Fantasyelemente im ersten Band der Reihe deutlich zu kurz. Der Fokus liegt weitestgehend auf dem Young Adult Aspekt der Geschichte, sodass das Eintauchen in fremde Erinnerungen nicht mehr als eine Nebenrolle spielt. Das fand ich sehr schade, denn hier wurde meiner Meinung nach jede Menge Potenzial verschenkt. Vor allem im Mittelteil ist die Handlung recht langatmig und in erster Linie von dem Hickhack zwischen Jo und drei Jungs geprägt. Neben dem unsympathischen Schönling Finn (der Sohn von Jos Stiefmutter) sind das der geheimnisvolle Bad Boy Adrian und der liebenswerte Softie Louis. Hier driftet die Handlung leider ganz genauso ins Klischeehafte ab, wie es sich anhört. Das ewige Hin und Her fand ich stellenweise recht anstrengend und im Endeffekt hat man die ganze Zeit über eine Ahnung, in welche Richtung sich das Ende entwickeln wird.

Insgesamt hat sich Das erste Buch der Erinnerung für mich wie ein ziemlich langer Prolog mit fiesem Cliffhanger gelesen. Die Handlung verlief die meiste Zeit über geradlinig und ohne große Überraschungen - für meinen Geschmack ist einfach zu wenig passiert. Erst gegen Ende spitzt sich die Situation zu, es wird spannend und mysteriös. Das hätte ich mir auf jeden Fall schon eher gewünscht. Trotzdem haben mich die Grundidee und die starke Protagonistin fasziniert und der Cliffhanger am Ende hat dafür gesorgt, dass ich trotz der durchwachsenen Geschichte unbedingt weiterlesen möchte. Ich hoffe, dass die Story in den beiden Folgebänden mächtig Fahrt aufnimmt und dass viele Geheimnisse, die der erste Teil aufwirft, gelüftet werden.

17 - Das erste Buch der Erinnerung ist im Großen und Ganzen ein typischer Jugendroman mit fantastischen Elementen und begeistert mit einer spannenden Idee und einer großartigen Protagonistin. Für einen Trilogie-Auftakt ist mir allerdings insgesamt zu wenig passiert: Vor allem im Mittelteil gab es einige Längen und auch Jos mysteriöse Gabe trat hinter dem anstrengenden Hin und Her zwischen ihr und den drei Jungs in den Hintergrund. Trotzdem bin ich sehr gespannt auf die beiden nachfolgenden Bände und hoffe dann auf mehr Action und Fantasy.



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