Dienstag, 22. November 2016

REZENSION: "The Unwritten Rule" (Elizabeth Scott)

Copyright Simon & Schuster


Titel: The Unwritten Rule (dt. Love Just Happens)
Autor: Elizabeth Scott
Genre: Jugendroman / Liebesroman
Verlag: Simon & Schuster
Erscheinungsjahr: 2011
Format: Taschenbuch (9,35 €)
Seiten: 240
ISBN: 978-1-416-97892-3


Es gibt einen unausgesprochenen Ehrencodex unter besten Freundinnen: du steihlst deiner besten Freundin nicht den festen Freund. Auch nicht dann, wenn du ihn zuerst geliebt hast. Auch nicht dann, wenn es dein eigenes Unglück bedeutet, nicht mit ihm zusammen zu sein. Deshalb schweigt Sarah über die Gefühle zu Ryan, dem Freund ihrer besten Freundin Brianna, und leidet still vor sich hin. Denn welcher Junge würde Sarah schon der umschwärmten Brianna vorziehen? Doch ein einziger Moment mit Ryan lässt Sarah daran zweifeln, ob sie wirklich so chancenlos ist. Was ist, wenn Ryan ihre Gefühle erwidert? Könnte sie Brianna wirklich so schlimm hintergehen?

Ich würde sagen, die Gestaltung ist ein gutes Mittelding. Ich finde es weder misslungen, noch ruft es besondere Begeisterungsstürme in mir hervor. Für einen Jugendroman ist das Motiv jedenfalls passend gewählt.

Ich schreibe ja eigentlich recht ungern Rezensionen zu Büchern, die mich nicht mitreißen konnten. Daher tut es mir auch jetzt schon leid, wenn meine Worte teilweise grausam rüber kommen. Ich bin mir durchaus bewusst, dass Elizabeth Scott da ihr Herzblut reingesteckt hat, aber das hier ist eben mein persönlicher Eindruck.
Es fing eigentlich sehr vielversprechend an, da ich persönlich ja Geschichten über unglückliche Liebe sehr ansprechend finde. Wahrscheinlich, weil mir selbst das Gefühl nicht unbekannt ist und ich entsprechend mitleide. Und zu beginn habe ich das auch getan. Sarah ist das typische Mädchen von Nebenan: nett, gutherzig, schüchtern und könnte keiner Fliege etwas zu leide tun. Ihren Freunden gegenüber ist sie loyal - etwas zu loyal für meinen Geschmack. Versteht mich nicht falsch, ich würde auch niemals meine besten Freunde hintergehen - aber meine Freunde behandeln mich auch nicht so wie Brianna. Auch wenn sie süß daherkommt, ist sie doch eigentlich ein ganz schönes Biest. Sie sieht sich eindeutig in dieser Freundschaft als überlegen (und seien wir ehrlich: in wahren Freundschaften ist das 'Machtverhältnis' ausgeglichen) und lässt das Sarah durch ihre kleinen, beiläufigen Kommentare auch deutlich spüren. Dabei glaube ich nicht mal, dass sie es (wie von Sarah vermutet) unbewusst tut, sondern einfach, weil es ihr Vergnügen bereit, anderen Leuten ein schlechtes Selbstwertgefühl zu vermitteln. Ich verstehe zwar, dass es angesichts ihrer familiären Situation (abwesender Vater, gefühlskalte, genauso beleidigende Mutter) nicht allzu verwunderlich ist, dass sie schonunglos mit anderen ins Gericht geht. Sie ist es ja nicht anders gewohnt. Aber gerade deshalb sollte sie eigentlich wissen, wie niederschmetternd diese Seitenhiebe sind. Wie man trotzdem bedingslos zu so einer Person halten kann, ohne sich zumindest ein Mal aufzulehnen, ist mir schleierhaft. Mein anfängliches Mitleid mit Sarah hat sich dann auch leider recht schnell in Wohlgefallen aufgelöst. Stattdessen ist mir immer wieder der Geduldsfaden gerissen und irgendwann bin ich an den Punkt angelangt, an dem ich mir dachte: sie ist selbst Schuld daran, dass sie so unglücklich ist. Denn sie hat die meiste Zeit über nicht einmal versucht, sich aus ihrer Opferrolle zu befreien. Solche Charakterzüge mag ich bei literarischen Figuren überhaupt nicht. Natürlich kann man hier argumentieren, dass sie durchaus versucht hat, Brianna von ihren Gefühlen für Ryan zu erzählen. Und merkwürdigerweise hat dann Brianna genau in diesen Momenten ihre nette Seite hervorgezaubert. Dementsprechend schnell hat Sarah dann auch wieder den Schwanz eingezogen. Es war zum aus der Haut fahren! 
Zudem hat es mich gestört, dass Sarahs Gedanken sich permanent wiederholt haben. Sie ist so sehr auf Ryan fixiert, dass sie alle paar Sekunden nur daran denkt, wie sehr sie ihn a) liebt, b) ihn vermisst und sie c) so sehr darunter leidet, ihn mit Brianna zu sehen, obwohl sie d) ihn doch zuerst geliebt hat. Diese vier Punkte haben im Wesentlichen die Lücken zwischen den Passagen, in denen tatsächlich etwas geschehen ist, gefüllt. Andere nennenswerte Handlungsstränge gab es eigentlich auch nicht. Für mich persönlich hat das nicht ausgereicht, denn z.B. hätten gerade Sarahs Beziehung zu ihrem Vater oder Briannas schreckliche Mutter noch einiges an interessantem Stoff bereitgehalten.  
Man mag sich jetzt fragen, warum ich das Buch überhaupt zu Ende gelesen habe. Zum einen, weil mich die kurzen Flashbacks interessiert haben, die einem erklärt haben, warum Ryan nun eigentlich mit Brianna zusammen ist und nicht mit Sarah, und zum anderen, weil ich schon der Meinung war, dass Ryan und Sarah sehr gut zusammenpassen und ich wissen wollte, ob Sarah sich durchsetzen und mit Ryan zusammenkommen würde. Und abgesehen von den Abschnitten, in denen Sarah vor sich hingelitten hat, war der Roman recht flott zu lesen. Elizabeth Scott schreibt also nicht schlecht, dieser Story hat es schlicht an Komplexität gemangelt.
 
The Unwritten Rule war leider nicht nach meinem Geschmack. Ich konnte mich nicht mit den Protagonisten anfreunden, da mir einige ihrer Charakterzüge bzw. ihre gesamte Persönlichkeit missfielen. Außerdem das Geschehen auf die sich anbahnende Dreicksgeschichte reduziert, sodass sich keine anderen Konflikte oder Nebenstränge ergeben. Dadurch konnte sich bei mir nicht genug Spannung aufbauen.


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