Sonntag, 20. November 2016

REZENSION: "The Sun Is Also a Star" (Nicola Yoon)

Copyright Dressler




Titel: The Sun Is Also a Star
Autor: Nicola Yoon
Genre: Jugendroman / Liebesroman
Verlag: Dressler
Erscheinungsjahr: 2017
Format: Hardcover (19,99 €), E-Book
Seiten: 400
ISBN: 978-3-7915-0032-4
Natasha hat keinen Grund, an das Gute im Leben zu glauben. In nur wenigen Stunden steht ihr und ihrer Familie die Deportation nach Jamaika bevor. Ihre einzige Rettung stellt der Anwalt Jeremy Fitzgerald dar, der ihre Ausreise zumindest verzögern könnte. Das letzte, was sie jetzt also gebrauchen kann, ist Ablenkung. Erst recht nicht in Form eines gutaussehenden Jungen, der sich partout nicht abschütteln lässt. Doch Daniel ist überzeugt davon, dass ihr Aufeinandertreffen eine Fügung des Schicksals ist, und will ihr beweisen, dass er es schafft, dass sich Natasha am Ende des Tages in ihn verliebt haben wird. Doch das SChicksal hat da auch noch ein Wörtchen mitzureden...

Das Cover ist die reinste Farbexplosion, die noch viel schöner wirkt, wenn man sie leibhaftig vor sich hat. Besonders toll finde ich den plastischen Effekt der Buchstaben. Sie springen einen sozusagen an
, was ein äußerst gelungener Einfall ist.

Nach den Präsidentschaftswahlen letzte Woche habe ich das Gefühl, als hätte Nicola Yoon eine Art Vorahnung (oder eher "Befürchtüng"?) gehabt hat, als sie ihren neuen Roman schrieb. Das Thema Deportation könnte wohl kaum aktueller und präsenter sein als jetzt. Man darf hier dennoch keinen extrem tiefgreifenden gesellschafts- und politikkritischen Roman erwarten, auch wenn dergleichen durchaus durchklingt. Vielmehr muss man darauf gefasst sein (und von der Inhaltsangabe kann man auch kaum anderes erwarten), dass die Liebe das Herzstück der Geschichte bildet. Wie üblich hat man es mit sehr gegensätzlichen Typen zu tun. Statt aber auf den Kontrast zwischen High School-Star und Mauerblümchen zu bauen, wählt Yoon zwei mehr oder minder große Außenseiter, deren einzige Gemeinsamkeiten darin bestehen, dass sie a) beide aus Familien mit Migrationshintergrund stammen (Natasha ist Jamaikanerin, Daniels Eltern sind Asiaten) und b) sie ziemlich eigenwillig sind. Ansonsten vertreten sie ziemlich gegensätzliche Ansichten bzw. haben eine ganz andere Grundhaltung. Natasha gehört zur skeptischen, realistisch-bis-pessimistischen Sorte, lässt sich nicht gerne in die Karten schauen und wurde im Leben ein Mal zu viel enttäuscht, um noch an ein Happy End zu glauben (wobei es da schon etwas paradox ist, dass sie immer noch versucht, ihre Deportation zu verhindern - ein Funke Hoffnung scheint also immer noch zu bestehen). Daniel ist dagegen ausgesprochen gefühlsbetont, trägt sein Herz auf der Zunge und handelt häufig aus dem Bauch raus. Man sieht also: hier prallen Welten aufeinander. Diese Ausgangssituation ist bekannt, aber - seien wir ehrlich - sie funktioniert in 9 von 10 Fällen. Daher wundert es wohl kaum, dass ich die beiden in Kombination sehr schnell super fand und ich ihre gemeinsamen Szenen genossen habe. Sie wechseln zwischen einem spielerisch-leichten Schlagabtausch, ernsten Gesprächen und Momenten der Stille, in denen Taten mehr sagen als Worte und die Funken nur so sprühen. Besonders durch die wechselnden Perspektiven bekommt man ein umfassendes Bild dessen, was beide denken und fühlen, weshalb man recht schnell vertraut mit ihren jeweiligen Eigenheiten wird. Ich mochte jedoch nicht alle davon. Daniels Durchhaltevermögen z.B. ist sowohl liebenswert, als auch eine Spur anstrengend. Genau genommen ist es schon sehr dreist, wie er sich nicht abschütteln lässt. Ich habe mehrfach  überlegt, wie ich mich fühlen würde, wenn ein fremder Typ einfach nicht aufgeben will und mich durch die Stadt verfolgt. Wahrscheinlich hätte ich mich wohl gegruselt. Abgesehen davon fand ich die zwei sehr süß, vor allem wie sie sich gegenseitig beschreiben.
Besonders schön waren für mich auch die einzelnen Zwischenkapitel zu lesen. Entweder hat man historische und/oder kulturelle Hintergrundinformationen bekommen oder aber kleine Ausschnitte aus dem Leben einiger Randcharaktere, deren Entscheidungen in unmittelbarem Zusammenhang mit dem Verlauf der Geschichte stehen. Sie haben Brücken zwischen einzelnen Parts geschlagen und einmal mehr verdeutlicht, dass jeder Mensch, dem wir tagtäglich begegnen, eine eigene Story hat und alles, was wir tun, Auswirkungen auf andere haben kann. Ich für meinen Teil liebe solche Ansätze sehr (ich bin auch ein Fan der Multiple-Universen-Theorie) und daher habe ich sie auch entsprechend willkommen geheißen. Was nicht bedeutet, dass mir deren Inhalt immer gefallen hat, da manche Personen sich vollkommen dämlich verhalten haben. Allgemein ist mir vordergründig für Natashas und Daniels Familienmitglieder nicht mehr als ungläubiges Kopfschütteln übrig geblieben, weil ich ihre Handlungen einfach nicht gutheißen konnte (Paradebeispiel war hier Daniels Bruder Charles).
Abgesehen davon fand ich es toll, dass man ein wenig über die asiatische und jamaikanische Kultur gelernt hat. Zum Beispiel das Sprichwort koi no yokan ist viel besser als Liebe auf den ersten Blick, weil es weniger oberflächlich ist als körperliche Anziehung.
Nach dieser Lobeshymne muss ich aber noch ein paar Kritikpunkte loswerden. Erstens war ich von der dialektalen Schreibweise der Erwachsenengeneration genervt (tut mir leid, davon bin ich nie ein Fan) und davon, dass Daniel immer "give or take" gesagt bzw. gedacht hat. Und auch das Ende empfand ich ein wenig 'dahingekleckst', da es einfach zu überstürzt kam.

Die primäre Voraussetzung, um in Nicola Yoons Roman abtauchen zu können, ist wohl, dass man die statistische Wahrscheinlichkeit, dass gewisse Ereignisse eintreffen und sich Menschen so und nicht anders verhalten, außer Acht lässt. Denn die Geschichte lebt quasi von zufälligen bzw. schicksalhaften Verwicklungen. Wen das nicht stört, der kommt in den Genuss einer süßen, dynamischen Liebesgeschichte mit relativ außergewöhnlichen Protagonisten, an der mich persönlich nur Kleinigkeiten gestört haben.  



2 Kommentare:

Sandy hat gesagt…

Das Buch sieht man ja auch überall und ich habe ehrlich lange überlegt, ob ich es lesen würde. Deine Meinung hat mir da richtig weitergeholfen! Ich glaube es ist doch nicht so perfekt für mich, aber das ist ja auch okay :) Danke also für die Rezi!

Allerliebste Grüße, Sandy von BlackTeaBooks ☕

Katharina P. hat gesagt…

Hi Sandy,
schön, dass dir die Rezi weitergeholfen hat - auch wenn sie dich eher vom Lesen abhält. Aber manchmal ist es besser, wenn man vorher weiß, woran man ist, um keine falschen Erwartungen zu haben, denke ich mal^^
Bei mir hat Yoon jedenfalls (abgesehen von Kleinigkeiten) direkt ins Schwarze getroffen.

Liebe Grüße,
Katha

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