Sonntag, 6. November 2016

REZENSION: "Road to Hallelujah" (Martina Riemer)

Copyright Impress Verlag


Titel: Road to Hallelujah
Autor: Martina Riemer
Genre: Jugendroman / Liebesroman
Verlag: Impress Verlag (Carlsen)
Erscheinungsjahr: 2016
Format: Soft Cover (12,99 €)
Seiten: 304
ISBN: 978-3-551-30056-0

 An ihrem Sterbebett nimmt Sarahs Großmutter ihr das Versprechen ab, das Leben zu genießen und Dinge zu tun, die sie noch nie zuvor getan hat. Also macht sich Sarah mitsamt ihrer Gitarre in die USA auf, um dort in Lokalen und auf der Straße aufzutreten. Begleitet wird sie vom besten Freund ihres Bruders, Johnny, den sie auf den Tod nicht ausstehen kann. Denn Johnny verkörpert alles, was Sarah zuwider ist: ein oberflächlicher Aufreißer ohne Manieren und einer großen Klappe. Umgekehrt kann sich Johnny weitaus schönere Dinge vorstellen, als auf ein zickiges, angriffslustiges Mädchen aufzupassen. Doch wenn man tagtäglich von einem Menschen umgeben ist, kann man irgendwann einen Blick hinter die Fassade werfen. Und was sie dort zu sehen bekommen, gefällt ihnen beiden besser, als ihnen lieb ist.

Im Großen und Ganzen bin ich äußerst zufrieden mit dem Cover. Das Foto und die Gesamtkomposition sind ansprechend und schön anzusehen.

Im Prinzip hab ich von dem Roman genau das bekommen, was ich erwartet habe: eine leicht zu lesende, süße Liebesgeschichte zwischen jungen Erwachsenen. Und dennoch war ich vom Resultat etwas enttäuscht. Vielleicht liegt es daran, dass es mir keine neuen oder unbekannten Elemente geboten hat. Stattdessen werden sämtliche Klischees abgearbeitet: Der umwerfend gutaussehende Weiberheld, der aber viel tiefgründiger ist, als man auf den ersten Blick denkt. Das schlagfertige Mädchen (bzw. die junge Frau), die sich ihrer offenkundigen Schönheit nicht bewusst ist. Und die magische Anziehung von der ersten Sekunde an, gegen die sich beide heftig wehren. Ich mag es ja eigentlich ganz gerne, wenn sich zwei Menschen in Romanen gegen ihre Gefühle sträuben und sich große und kleine Wortgefechte liefern, anstatt sofort übereinander herzufallen. Harmonie langweilt in literarischen Werken ja nur. Trotzdem erschienen mir der verbale Schlagabtausch zu aufgesetzt, zu gezwungen und deshalb manchmal unnötig, weil sie sich im Prinzip immer um dasselbe Thema drehen: Sex oder konkreter Johnnys ausschweifendes Sexleben. Johnny wird anzüglich, um Sarah auf die Palme zu bringen, und sie stichelt bei jeder sich bietenden Möglichkeit. Die Dialoge empfand ich daher als recht eintönig und oberflächlich.     
Entsprechend liegt der Fokus der Story sehr stark auf den Gefühlen der beiden, sodass wenig Platz für anderes bleibt. Gefühlte 80 % des Romans bestehen aus der Beschreibung sämtlicher optischer Vorzüge des anderen - angefangen bei der traumhaften Figur bis hin zum Wahnsinnslächeln. Ich gebe zwar zu, dass ich es auch lieber mag, wenn die Protagonisten gut aussehend sind, aber das war mir einfach zu viel. Nach dem ersten Drittel hab ich mir gedacht: Danke, ich hab's verstanden! Ebenso fand ich die ständigen anzüglichen Bemerkungen von Johnny etwas nervtötend. Abgesehen davon mochte ich die Charaktere in Bezug auf ihre Persönlichkeiten ganz gerne. Sie alle sind etwas kratzbürstig, in den richtigen Momenten sarkastisch und leidenschaftlich. Deshalb haben sie mich zumindest nicht angeödet. Auch Kelsey fand ich aufgrund ihrer quirligen Art sehr unterhaltsam. Was aber ihren familiären Hintergrund betrifft, hätte ich mir definitiv mehr Informationen gewünscht. Es wird nur angedeutet, welche Probleme sie mit ihren Eltern hat. Das hat meine Neugier geweckt, die jedoch nicht zufriedenstellend gestillt wurde.
Die Handlung selbst bleibt, wie gesagt, ein wenig auf der Strecke. Stattdessen gibt es innere Monologe darüber, wie anziehend sie den jeweils anderen finden und wie sehr ihnen das widerstrebt. Vielleicht sind Jugendliche ja wirklich so, wenn sie verliebt sind, und ich war da vor ein paar Jahren einfach anders. So oder so bin ich trotzdem der Meinung, dass man mehr aus der Geschichte hätte herausholen können. Ich meine: die zwei sind in Amerika! Da kann man doch zumindest ein kleines Abenteuer erwarten, oder? Mehr als in diversen Clubs oder auf der Straße auftreten und ein bisschen die Gegend erkunden, ist den beiden jedoch nicht vergönnt. Das war für mich einfach unzufriedenstellend. Es gibt zwar noch eine Art Nebenkonflikt, aber hat sich nicht in Gänze entfalten können, sodass man ihn eher am Rande wahrgenommen hat.
Außerdem ist mir ein kleiner Logikfehler aufgefallen: Johnny sagt, er frühstückt nicht, aber einige Seiten zuvor haben Sarah und er ein zweites Frühstück zu sich genommen. Das widerspricht sich. Im Endeffekt ist es nicht dramatisch, aber trotzdem ärgert mich so etwas. 

Insgesamt ist Road to Hallelujah eine nette, aber leider keine herausragende Liebesgeschichte. Das aktive Geschehen ist zugunsten der inneren Monologe auf ein Minimum reduziert und die ständigen verbalen Spitzen fand ich teilweise unnötig. Aus einem Trip nach Amerika hätte man handlungstechnisch deutlich mehr machen können. 



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