Donnerstag, 10. November 2016

REZENSION: "Nur 6 Sekunden" (Daniëlle Bakhuis)

Copyright Arena Verlag


Titel: Nur 6 Sekunden
Autor: Daniëlle Bakhuis
Genre: Jugendroman / Thriller
Verlag: Arena Verlag
Erscheinungsjahr: 2016
Format: Taschenbuch mit Klappenbroschur (12,99 €), eBook
Seiten: 216
ISBN: 978-3-401-60143-4

Sich sechs Sekunden mit einem Energy-Drink begießen lassen, sechs Sekunden mit dem Schriftzug 'Schlampe' durch die Schulflure laufen, sechs Sekunden lang jemanden küssen - für solche Aufgaben bekommen die Spieler des "Sechs-Sekunden-Spiels" Geld und Ansehen und damit die Eintrittskarte zur "Ernte" - der geheimen Party. Diesmal gehören auch Jasmin, Hanna und Jacky zum Kreis der Auserwählten. Die anfängliche Freude versiegt jedoch, als der Abend für einen Mitspieler im Krankenhaus endet. Jasmin kommen Zweifel, wie harmlos das Spiel wirklich ist. Sie setzt alles daran, den Schuldigen ausfindig zu machen, und macht sich damit bei den Spielinitiatoren äußert unbeliebt.

Die Gestaltung finde ich absolut herrlich, einfach, weil sie so skurril ist (und ein wenig -gewollt oder ungewollt - einen gewissen Rapper mit Pandamaska auf die Schippe nimmt). Auf jeden Fall musste ich sofort an Geheimniskrämerei denken und war sofort aufmerksam. 

Nach all der (literarischen) Liebe, die ich in letzter Zeit konsumiert habe, war es mal wieder Zeit für etwas Spannendes. Der Inhalt von Nur 6 Sekunden hat mir genau das versprochen: Jugendliche, die ein Spiel spielen, bei denen sie scheinbar harmlose Aufgaben meistern müssen, und welches dann vollkommen aus dem Ruder gerät. Den Sinn dahinter muss man jetzt nicht verstehen. Ein Anreiz zum Mitmachen bietet aber auf jeden Fall die finanziellen Gewinne im drei- bis vierstelligen Bereich. Zumindest dass Jasmin deshalb an dem Spiel teilnimmt, war für mich partiell nachvollziehbar, da sie in relativ ärmlichen Verhältnissen lebt (zumindest stellt sie es so dar). Der Konflikt, der sich bei ihr auftut, ist die die Frage, wie weit man für Geld gehen darf. Welche Aufgaben sind okay, welche nicht? Für sie ist die Grenze bei körperlicher Gewalt klar überschritten. Relativ am Anfang der Geschichte wird eine Mitspielerin bei der "Ernte" zusammengetreten, nachdem sie sich auf einen Haufen Geld gestürzt hat. Auch wenn Jasmin nicht selbst zugetreten hat, stand sie bloß dabei und hat zugesehen, was sie sich im Nachhinein immer wieder vorwirft. Diese Schuld ist auch der Grund, warum ich sie von allen Charakteren am meisten mochte, denn es zeigt, dass ihr moralischer Kompass noch funktioniert. Bei allen anderen (selbst bei ihren drei Freundinnen Hanna und Jacky) war ich mir da nie so sicher. Während man Jasmins inneren Kampf live miterleben kann, erfährt man über die anderen Akteure nur das, was Jasmin sich zusammenreimt, wie sie sie beschreibt und was sie sagen. Da man also nicht in sie "hineinblicken" kann, bleiben sie relativ eindimensional und wirken zum Teil oberflächlich. Jacky zum Beispiel scheint überhaupt nicht zu realisieren, wie gefährlich das Spiel ist bzw. werden kann. Am liebsten hätte ich sie dauernd geschüttelt. Die einzige Person, die ich neben Jasmin mochte, war ihr heimlicher Schwarm (und bester Freund) Seth, der wesentlich vernünftiger als ihre Freundinnen ist und Jasmin bei ihren Nachforschungen, wer speziell dafür verantwortlich ist, dass eine Mitspielerin im Krankenhaus gelandet ist. Schwülstige Liebesbekundungen und rosarote Tagträume von Seiten Jasmins muss man (Gott sei Dank) jedoch nicht befürchten. Ihre romantischen Gefühle spielen nur eine winzige Rolle und das Ganze ist relativ unschuldig, aber doch ganz süß mitzuverfolgen gewesen. 
Was nun Jasmins Recherche betrifft, war ich ein wenig enttäuscht. Ich fand es zwar durchaus interessant, wie sie aus diversen Hinweisen ihre Schlüsse gezogen hat, aber so richtig wollte sich bei mir nicht das Gefühl eines Thrillers einstellen. Ich hatte nie den Eindruck, sie schwebe ernsthaft in Gefahr und hab vergeblich darauf gewartet, dass etwas unglaublich Dramatisches passiert. Nennt mich blutrünstig, aber für den Nervenkitzel haben bloße Drohungen und ihre Paranoia einfach nicht ausgereicht. Vielleicht lag es auch daran, dass der Roman zu kurz ist und dadurch nur wie ein Auszug aus einer weitaus komplexeren Geschichte wirkte. Gelungen fand ich jedoch die Auflösung, wer da nun eigentlich ein Spielchen mit Jasmin treibt. Mit dem Schuldigen hab ich nun so gar nicht gerechnet. 

Für mich war Bakhuis' Roman angesichts der Seitenzahl ein recht kurzes Lesevergnügen. Der Platz hat hier einfach nicht ausgereicht, um genügend Spannung oder Freude am Miträtsel aufkommen zu lassen.Ein wenig hat mich auch gestört, dass es nur zwei Personen gab, die ich wirklich mochte, und alle anderen relativ farblos und/oder unsympathisch geblieben sind. Trotzdem gefiel mir die Struktur, die Auflösung und auch der Schreibstil selbst. Ich bin mir sicher, dass mich die Geschichte mehr in den Bann gezogen hätte, wenn sie länger gewesen wäre. 






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