Mittwoch, 30. November 2016

REZENSION: "Jane & Miss Tennyson" (Emma Mills)

© Königskinder Verlag


Titel: Jane & Miss Tennyson
Autor: Emma Mills
Genre: Jugendroman
Verlag: Königskinder Verlag
Erscheinungsjahr: 2016
Format: Gebundene Ausgabe
              (18,99 €)
Seiten: 480
ISBN: 978-1-551-56025-4



Eigentlich hat Devon mit ihren Collegebewerbungen genug zu tun, denn mangels sozialer Aktivitäten im Lebenslauf muss sie nun eben diese nachholen. Dementsprechend ungelegen kommt es ihr, nebenbei noch ein Auge auf ihren jüngeren Cousin Foster zu haben, der kürzlich bei ihrer Familie eingezogen ist. Niemals hätte sie es für möglich gehalten, dass Foster das Beste wird, was ihr passieren konnte. Denn nicht nur sorgt er für allerlei Turbulenzen in ihrem Leben, als er sein ungeahntes Talent für Football entdeckt, sondern durch ihn lernt sie auch den unausstehlichen, unnahbaren Ezra kennen. Und der wiederum bring ihre Gefühlswelt ganz schön in Aufruhr. 

Ich bin, ehrlich gesagt, sehr unzufrieden mit dem Cover. Es wirkt auf mich amateurhaft gestaltet. Das Pink ist mir zu grel und, die Rosen wirken lieblos über das Foto gelegt, das wiederum zu blass und nicht ausdrucksstark genug ist.

Jane & Miss Tennyson ist eins der Bücher, bei denen ich auch nach einigem Abstand zur Lektüre selbst noch ins Schwärmen gerate und auch noch geraten werde. Zum ersten Mal seit langem habe ich wieder ständig ein Kribbeln beim Lesen verspürt. Ich war richtig hibbelig und konnte das Buch kaum aus der Hand legen bzw. habe ich auf die Momente hingefiebert, in denen ich weiterlesen konnte, so sehr hat es mich gefesselt. Selbst bei dramatischen Szenen, die alles andere als optimal für Devon verlaufen sind, habe ich noch so etwas wie Euphorie verspürt. Das lag einerseits an Mills' wunderbarer Art, das Geschehen, Gedanken und Emotionen in Worte zu fassen und die Lücken zwischen wichtigen Ereignissen mit Eindrücken und Zusatzinfos zu füllen, zum anderen daran, wie die Persönlichkeiten selbst angelegt waren und sie miteinander harmoniert haben. Devon ist mit ihrer Art einfach grandios: sie schwankt zwischen Sarkasmus und absoluter Emotionalität und Hilfsbereitschaft hin und her, markiert mal die Starke, mal ist sie verletzlich und unsicher undmal ist sie wortgewandt und schlagfertig und dann aber wieder vollkommen sprachlos. Das sind einfach widersprüchliche Charaktere wie ich sie liebe! Solche Figuren halten einen beim Lesen (und im wahren Leben) auf Trab, sodass es nicht langweilig wird. Und genau durch diese eigenwillige Mischung kitzelt sie auch aus dem wortkargen, verschlossenen Ezra allmählich Gefühle und Reaktionen heraus. Er ist definitiv nicht der stereotype Star-Athlet, der permanent feiert und mit Mädchen flirtet, sondern ruhig und nachdenklich, fast schon unnahbar (hier ide Parallele zu Mr. Darcy) - und deshalb umso reizvoller. Cas wiederum ist das komplette Gegenteil von Ezra: immer einen Spruch auf den Lippen, liebt es, soziale Kontakte zu knüpfen und aufrecht zu erhalten, und ist insgesamt der Typ "Sunnyboy" (mit temporären Ausnahmen). Daher ist es mir auch so schwer gefallen, sauer auf ihn zu sein, selbst wenn er sich unter Umständen recht oberflächlich verhalten hat. Anfangs konnte ich mich auch gar nicht entscheiden, wen ich besser bzw. passender für Devon fand: Cas oder Ezra. 
Auch Foster, Devons Cousin, hat mich mit jeder Seite mehr bezaubert. Er ist einfach ein Unikat: voller Energie, begeisterungsfähig, in mancher Hinsicht naiv, dann wieder superintelligent und erwachsen. Wie auch bei Devon machen ihn genau diese Widersprüche umso liebenswerter. Seine Entwicklung vom Sonderling zum Footballer kam für mich mehr als überraschend (ich hatte eher befürchtet, er würde Opfer von Mobbingattacken werden) und mir absolut willkommen. Vor allem weil er sich von seinem neuen sozialen Status kaum hat beeinflussen lassen (d.h. nicht arrogant wurde). Und sein Zusammenspiel mit Devon ist großartig. Sie entwickelt einen stark ausgeprägten Beschützerinstinkt ihm gegenüber und wird regelrecht zur Furie, wenn ihn jemand schlecht behandelt oder verletzt. Vielleicht ist es für einen 'normalen' Jugendlichen etwas uncool, wenn man ständig von der älteren Cousine bewacht wird, aber Foster empfindet es anders, weil er sich umgekehrt auch nicht anders verhält. Wie fest das Band zwischen den beiden ist, zeigt sich allein schon daran, dass er sie als seine Schwester und nicht seine Cousine bezeichnet. Da ist mir direkt das Herz aufgegangen.   
Loben möchte ich außerdem, welche soziale Stellung Emma Mills ihrer Protagonistin in der High School-Hierarchie zukommen lassen hat. Anders als ich auf den ersten Seiten noch vermutet habe, ist Devon keine Außenseiterin, sondern gehört schon mit zum elitären Kreis der Beliebten, auch wenn sie keineswegs an der Spitze steht. Sie wird akzeptiert und ist bei allen bekannt, sticht aber nicht hervor. Das liegt vor allem an ihrer engen Freundschaft zu Cas, der als Football-Spieler automatisch zu den Anführern zählt, aber auch mit den übrigen Sportlern kommt sie gut zurecht.
Der eine oder andere könnte wahrscheinlich bemängeln, dass die titelgebende Komponente (d.h. Jane Austen) etwas aus dem Fokus geraten ist. Ich persönlich fand das aber nicht weiter schlimm. Der Bezug zu ihr wurde nur gelegentlich durch Kommentare à la "Jane würde es so ausdrücken" oder "Bei Jane würde nun dies passieren" und diverse Vergleiche bei ähnlichen Situationen hergestellt. Auf das Geschehen hatten Devons bevorzugte Autorin jedoch nur einen minimalen Effekt, da sie nicht so besessen von ihr ist, dass sie ihre Romane als Anleitung für ihr eigenes Handeln nimmt und sich auch nicht sehnlichst wünscht, einem Mr. Darcy zu begegnen. Das gefiel mir wiederum sehr gut, da ich zwar die Faszination zu Jane Austen und ihren Helden teile, aber es nicht leiden kann, wenn Menschen Fiktion und Realität nicht auseinanderhalten können.
Was mich aber tatsächlich gestört hat, war a) dass am Ende einige Aspekte ungeklärt blieben (z.B. in Bezug auf den Nebencharakter Marabelle) und b) es mir zu wenig tatsächliche Momente der Zweisamkeit waren - obwohl sich Devon im Roman permanent darüber beschwert, dass Jane Austen nach einer wunderbaren Liebesodyssee den Liebenden nur eine kümmerliche romantische Schlussszene gönnt.  

Summa summarum war der Roman von Emma Mills einfach eine geniale Leseerfahrung für mich. Sie hat mich von der ersten bis zur letzten Seite mitgerissen und mich in einen permanenten euphorischen Zustand versetzt. Charaktere, Plot und Schreibstil ergeben ein harmonisches Gesamtpaket, wie ich es selten erlebt habe. Ich sehne schon Mills' nächsten Roman herbei!


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